Schwere Kämpfe Libanons Militär rückt in Flüchtlingslager vor

Bei den Kämpfen um das Flüchtlingslager Nahr al-Barid sind die libanesischen Truppen erstmals auf das Gelände vorgerückt. Die dort verschanzten Kämpfer der radikalislamischen Fatah Islam schossen mit Katjuscha- sowie Panzerabwehrraketen.


Beirut - Sicherheitskreise und Augenzeugen berichten, über mehreren zerstörten Gebäuden in dem Lager wehten libanesische und Militärflaggen. Mit Artillerie und Panzern hatten die Streitkräfte die im Flüchtlingslager Nahr al-Barid verschanzten Kämpfer der radikalislamischen Fatah Islam unter Druck gesetzt. Die belagerten Extremisten antworteten mit einem halben Dutzend Katjuscha- und Panzerabwehrraketen.

Flüchtlingslager Nahr al-Barid: Rauchwolke über zerstörtem Haus
AFP

Flüchtlingslager Nahr al-Barid: Rauchwolke über zerstörtem Haus

Die Armee und militante Anhänger der Fatah al-Islam liefern sich seit dem 20. Mai heftige Kämpfe. Die Soldaten belagerten das Gelände. Libanesische Sicherheitskräfte dürfen auf Basis einer Vereinbarung aus dem Jahr 1969 palästinensische Flüchtlingslager nicht betreten. Zwar wurde die Regelung in den achtziger Jahren vom libanesischen Parlament annulliert. De facto wurde sie aber weiter eingehalten.

In der Auseinandersetzung in Nahr al-Barid starben bislang mindestens 219 Menschen, darunter fast hundert Soldaten. Es ist die schlimmste innerlibanesische Auseinandersetzung seit dem 15-jährigen Bürgerkrieg bis 1990.

Seit Samstag sitzen Vertreter der libanesischen Konfliktparteien in Paris am Verhandlungstisch. Ergebnisse werden von dem zweitägigen Treffen hinter verschlossenen Türen nicht erwartet, doch nannten die Teilnehmer es ein gutes Zeichen, dass die Konferenz überhaupt stattfinde. Es ist das erste Mal seit einem ergebnislos verlaufenen Treffen über einen nationalen Dialog im November, dass die 14 Konfliktparteien wieder an einem Tisch sitzen.

Der Libanon befindet sich in der tiefsten politischen Krise seit dem Ende des Bürgerkriegs. Die vom Westen unterstützte Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora und die von der Hisbollah geführte prosyrische Opposition stehen sich in einem Machtkampf unversöhnlich gegenüber. Zu den wichtigsten Forderungen der Hisbollah zählt die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit, in der sie ein Vetorecht hätte. Dies hat die Regierung bislang abgelehnt. Auch die Frage der Nachfolge des prosyrischen Präsidenten Emile Lahud ist ungelöst. Seine Amtszeit endet im November.

ler/AP/Reuters



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