Schwere Seuche Hunderte Menschen in Simbabwe sterben an Cholera

Die Cholera-Seuche in Simbabwe breitet sich weiter aus. Mindestens 600 Menschen sind bereits gestorben, knapp 13.000 sind infiziert. Der internationale Druck auf Staatschef Mugabe wächst: Großbritanniens Staatschef Brown spricht von einem "internationalen Notstand".


Harare - Politischer Stillstand, rasende Inflation, und ein Staatschef, der sich an die Macht klammert: Der einstige Modellstaat Simbabwe befindet sich in der schwersten Krise seiner Geschichte. Die desaströse Lage wird derzeit noch verschlimmert durch eine schwere Cholera-Epidemie. Nach Angaben von Hilfsorganisationen breitet sie sich weiter aus.

Nach Angaben des Uno-Büros für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) starben in Simbabwe seit August mindestens 575 Menschen an der Durchfallerkrankung. Zudem seien rund 12.700 Infizierte gezählt worden. Die Zahl der Toten und Erkrankten sei jedoch "mit Sicherheit höher", hieß es.

Da die medizinische Versorgung in Simbabwe schlecht sei, gebe es viele unbekannte Fälle. Am stärksten betroffen ist demnach die Hauptstadt Harare mit mindestens 179 Toten und rund 6450 Infizierten. Am Mittwoch hatte die Regierung wegen der Seuche den nationalen Notstand ausgerufen und um internationale Hilfe gebeten.

Insgesamt sind nach Schätzungen der Hilfsorganisation Oxfam Hunderttausende Menschen von der Cholera-Epidemie bedroht. Mehr als 300.000 Menschen seien aus Mangel an Nahrungsmitteln bereits so geschwächt, dass die Seuche für sie zur "ernsten Gefahr" geworden sei, erklärte Oxfam in London.

Der britische Premierminister Gordon Brown forderte die internationale Gemeinschaft am Samstag auf, sie müsse Staatschef Robert Mugabe "entschlossen sagen: 'genug ist genug'". Die EU wird voraussichtlich am Montag ihre Sanktionen gegen die Regierung in Harare verschärfen.

"Das ist eher ein internationaler als ein nationaler Notstand", erklärte Brown in London. Er hoffe, dass sich der Uno-Sicherheitsrat schnell mit der Lage in Simbabwe befassen werde. Die Krise in dem südafrikanischen Land habe internationale Ausmaße angenommen - "international, weil Seuchen grenzübergreifend sind". Aber auch vor dem Hintergrund des 60. Jahrestages der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte müssten die Staaten "bei der Verteidigung der Menschenrechte und der Demokratie zusammenhalten".

"Simbabwes Schurken-Führung muss weg"

Zuvor hatte bereits der britische Außenminister David Miliband als Vertreter der ehemaligen Kolonialmacht gesagt, die Welt sehe "mit Entsetzen" dem Leiden der Cholera-Opfer in Simbabwe zu. Dieses Leid sei von einer Regierung zu verantworten, "die offenbar entschlossen ist, ihr eigenes Volk ins Unglück zu stürzen".

Die sich verschlimmernde Lage sei "ein weiteres Zeichen für die schlechte Regierung durch Simbabwes Schurken-Führung", sagte Miliband. Mugabe habe die Hoffnungen auf Wandel über eine Machtteilung mit der Opposition zerstört. Auch US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte Mugabe zum Rücktritt aufgefordert. Die Gespräche über die Regierungsbildung würden nur zum Schein geführt, sagte Rice.

Die französische EU-Ratspräsidentschaft bestätigte, dass die bereits Mitte Oktober angedrohte Verschärfung der Sanktionen gegen Harare voraussichtlich am Montag beim EU-Außenrat beschlossen werde. Dabei wird vermutlich die Liste der in der EU "unerwünschten Personen" um zehn Namen erweitert. Derzeit umfasst sie rund 170 Simbabwer, unter ihnen auch Mugabe. Auch dessen Vermögen sowie die seiner Vertrauten wurden in der EU eingefroren.

Die EU hatte mit weiteren Sanktionen gedroht, falls das Abkommen zur Machtteilung zwischen Regierung und der Opposition unter Morgan Tsvangirai nicht umgesetzt werde. Die politischen Rivalen streiten vor allem um die Zuständigkeit für das Innenministerium, das die Polizei kontrolliert.

Einführung des 200 Millionen Dollar-Geldscheins

Der Außenminister von Simbabwes Nachbarland Botsuana, Phandu Skelemani, schlug den anderen Ländern der Region vor, die Benzinlieferungen für die simbabwischen Armee- und Polizeifahrzeuge zu stoppen. Damit könne Mugabes Macht binnen zwei Wochen gebrochen werden, sagte er dem Rundfunksender BBC. Skelemani kritisierte die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft (SADC), die durch ihre Haltung Mugabes unversöhnlichen Kurs unterstützt habe.

Die Regierung in Harare kündigte am Samstag im Amtsblatt die Einführung eines 200 Millionen Dollar-Geldscheins an. Erst am Donnerstag waren drei neue Scheine mit einem Wert von zehn Millionen, 50 Millionen und 100 Millionen Simbabwe-Dollar in Umlauf gebracht worden.

amz/AFP



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