Schwierige Hilfe Rotes Kreuz in Bagdad beschossen

Für internationale Hilfsorganisationen wird es drei Wochen nach Beginn des Irak-Krieges immer schwieriger, ihren humanitären Verpflichtungen nachzukommen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) stellte vorübergehend die Arbeit ein. Ein kanadischer Mitarbeiter wird vermisst.




So wie diese irakischen Mädchen warten viele Menschen auf sauberes Trinkwasser
REUTERS

So wie diese irakischen Mädchen warten viele Menschen auf sauberes Trinkwasser

Genf/Bagdad - Der IKRK-Mitarbeiter saß in einem Hilfskonvoi von Fahrzeugen, als dieser beschossen wurde. Es sei nicht möglich festzustellen, ob das Team in ein Kreuzfeuer geraten oder direkt angegriffen wurde. Die Organisation könne wegen der Kämpfe nicht an den Tatort gelangen. Es wird vermutet, dass der 48 Jahre alte Mitarbeiter und Logistik-Experte schwer verletzt wurde. Zwei weitere IKRK-Mitarbeiter, die versucht hatten, den Mann aus den deutlich gekennzeichneten Fahrzeugen zu bergen, hätten fliehen müssen.

Die Organisation werde ihre Tätigkeit aber so bald wie möglich wieder aufnehmen, teilte das IKRK in Genf mit. Große Sorge bereitet den Helfern vor allem der Mangel an sauberem Wasser. Seit der Zunahme der Kämpfe in Bagdad hatte das IKRK sein Engagement im Irak, das es als einzige Organisation noch mit Ausländern wahrnahm, bereits eingeschränkt. Das IKRK kümmert sich vor allem um die Versorgung von Krankenhäusern und die Wiederherstellung der Wasserversorgung.

Die Lieferung sauberen Wassers ist derzeit das Hauptproblem im Irak. Die Weltgesundheitsorganisation steht in Jordanien mit 23 Geräten bereit, mit denen die Wasserqualität getestet werden kann, sagte WHO-Sprecher Ian Simpson. "Die Lage in den Krankenhäusern ist schlimmer geworden, weil sich nichts ändert", sagte Simpson. Sauberes Wasser werde in den vollbelegten Krankenhäusern dringend für Operationen gebraucht. "Wir warten darauf, in den Irak fahren zu können, aber diese Entscheidung wird auf der Ebene der Vereinten Nationen gefällt", sagte der Sprecher.

Der Zugang zu sauberem Wasser ist derzeit in nur ganz wenigen Regionen möglich. Um den Ausbruch von Cholera oder Durchfallerkrankungen zu verhindern, müsse die Wasserqualität unbedingt getestet werden, erklärte die WHO. Dazu hält die Organisation weitere 36 Notfalleinheiten ebenfalls in Jordanien bereit, die jeweils mit einer Tonne Arzneien und medizinischem Gerät ausgerüstet sind. Mit einer Einheit können 10.000 Menschen bis zu drei Monate lang versorgt werden.

Das Kinderhilfswerk Unicef warnt seit Tagen, dass vor allem Kinder im Irak durch Wassermangel und Krankheiten bedroht sind. Unicef-Helfer berichten, dass die gefährlichen Durchfallerkrankungen bei Kindern im Süden des Landes zunehmen. Schon vor dem Krieg litt jedes irakische Kind durchschnittlich 15-mal pro Jahr an Durchfall, teilte die deutsche Unicef-Sektion in Köln mit. Erkrankungen, die durch verschmutztes Wasser hervorgerufen werden, seien Todesursache Nummer eins bei irakischen Kindern, jedes achte Kind sterbe vor seinem fünften Geburtstag.

Die Europäische Union gibt 9,5 Millionen Euro für humanitäre Hilfe im Irak. Das sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel. Das Geld dient der Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und medizinischer Ausrüstung vor allem in den Kriegsgebieten im Süden des Irak.

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