Grenze zwischen Israel und Gazastreifen Im Raketenhagel der Hamas

An der Grenze von Israel zum Gazasteifen leben die Menschen in Angst vor den Hamas-Raketen - und unter dem Abwehrschirm Iron Dome. Wenn die Sirenen heulen, bleiben Sekunden.

Aus Sderot berichtet


Man ist den Krieg gewohnt, im beschaulichen Sderot mit seinen breiten Palmenstraßen. Von der israelischen Stadt ist der Gazastreifen gerade mal einen guten Kilometer entfernt, dort herrschen die Islamisten. Man sieht die grauen Hochhäuser in der Ferne. Ertönen die Sirenen in Sderot, bleiben normalerweise noch 15 Sekunden, um Schutz zu suchen, bis die Rakete einschlägt. Doch dieses Mal ist etwas anders.

"Tel Aviv, Tel Aviv!", rufen die israelischen Journalisten aufgebracht, die von einem Hügel bei Sderot den Gazastreifen beobachten. Aus dem palästinensischen Gebiet steigen gerade zwei Raketen auf. Ihre Kondensstreifen weisen hoch in den Himmel und dann nach Norden in Richtung der israelischen Küstenstadt. Sie sollen in Tel Aviv einschlagen.

Schon wieder sind es zwei größere Raketen, die da vom Gazastreifen starten: iranische Fadschr oder syrische M302. Ihre Reichweite liegt bei bis zu 150 Kilometern - eine erhebliche Bedrohung für Israel. Plötzlich heulen nicht nur in Sderot täglich die Warnsirenen. Die Stadt kann mit den kleinen selbst gebastelten Kassam-Raketen der Hamas erreicht werden. Auf einmal flüchten die Menschen auch im Zentrum Israels jeden Tag in die Schutzräume.

"Die wissen, wie man schmuggelt"

"Das ist eine neue Entwicklung", sagt Major Arye Sharuz Shalicar, ein Sprecher des israelischen Militärs. "Dieses Mal trifft es deutlich häufiger auch Tel Aviv, Jerusalem und sogar Städte darüber hinaus." Er hat als Militärsprecher schon den Gazakrieg 2012 begleitet.

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Sderot: Zittern vor den Raketen der Hamas
Der Major schätzt, dass die Milizen im Gazastreifen insgesamt einige Hundert importierte Raketen mit einer Reichweite über 100 Kilometer haben und Tausende selbst gebastelte kleine Exemplare. Wie die Raketenteile ins abgeriegelte Gaza gelangt sind, kann der Soldat nur vermuten: "Die wissen, wie man schmuggelt."

Hinter ihm steigen zwei israelische Raketen mit lautem Dröhnen in die Luft. Hier ist Israels "Eiserne Kuppel" im Einsatz, ein Raketenabwehrsystem, das feindliche Geschosse in der Luft zerstört, wenn sie auf bewohntes Gebiet zusteuern. Weiße Kondensstreifen kringeln sich in den blauen Himmel, eine Explosion ist zu hören - getroffen, die anfliegenden Feindesraketen sind vernichtet. Das Heulen der Warnsirenen stoppt.

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"Das Militär soll den Job dieses Mal zu Ende bringen"

In Sderot zittern die Hände von Hava Gads Hände jedes Mal, wenn sie die Sirenen hört. Die 49-Jährige im olivfarbenen Sommerkleid hat sich als eine von Wenigen kurz vor die Haustür gewagt. Sie muss Brot einkaufen. Ihr Auto parkt sie in zwei Meter Entfernung vom Laden - schnell rein, schnell wieder raus. Die Frau wirkt gehetzt. Ihre kurzen schwarzen Haare stehen in alle Richtungen ab. Die vergangenen Tage der Alarmbereitschaft haben ihre Spuren hinterlassen.

"Normalerweise gehen wir immer nach Tel Aviv zu meiner Schwester", sagt sie. Sie meint Zeiten, in denen der Konflikt eskaliert: Wenn Israel Ziele in Gaza bombardiert und die Hamas mit ihren Raketen das Leben in Südisrael stilllegt. "Dieses Mal habe ich meiner Schwester gesagt: 'Kommt her zu uns. Wir bekommen nur die Kassam-Raketen ab, ihr die großen.'" Nachdenklich fügt sie hinzu: "Jetzt weiß sie, wie wir uns fühlen."

Der 42-jährige Yuval Shitrit hat sich ebenfalls kurz auf die Straßen von Sderot getraut für letzte Besorgungen. Er will mit seinen Kindern die Stadt später noch verlassen - eine Woche Spontanurlaub am Toten Meer, fern des Krieges. Ans Mittelmeer, nur wenige Minuten entfernt, traut sich keiner. Der Strand ist leer. Immer wieder heult der Raketenalarm. Schutz gibt es dort nicht - genauso wenig wie für die Menschen im Gazastreifen.

"Ich sage es nicht gern, aber ich bin froh, dass es dieses Mal auch Tel Aviv trifft", sagt Yuval Shitrit. "Jetzt sehen sie, wie es uns hier seit Jahren geht." Er fordert ein entschiedenes Vorgehen des Militärs im Zweifelsfall bis hin zur Bodenoffensive. "Ich hoffe, dass sie dieses Mal den Job zu Ende bringen" sagt er, "wir können so nicht weiterleben."

Ständige Bedrohung: Reichweite der Hamas-Raketen (Stand Juli 2014)
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Ständige Bedrohung: Reichweite der Hamas-Raketen (Stand Juli 2014)

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dzondzagregory 10.07.2014
1. Seltsam nur, dass diese
die angeblich seit Wochen Richtung Tel Aviv, Jerusalem etc von der Hamas aBgeschossen werden, nicht mal ein Vorgarten oder ein Auto zerstört haben. Aber Israel hat seit Dienstag schon mehr als 75 Zivilisten ermordet.
Bernd.Brincken 10.07.2014
2. Analog
Danke für diesen interessanten Einblick. Bitte die analoge Erfahrung auch noch einmal von der anderen Seite berichten, wo es kein Abwehrschild gibt.
nickleby 10.07.2014
3. ultima ratio
Da die hamas nun über diese Raketen verfügt, sie auch benutzt, ist praktisch Krieg. Dav bleibt den Israelis gar nichts anderes übnrig als mit aller Härte und Konsequenz zurückzuschlagen : 1. Totale Blockade des Gazastreifens 2. Mehr gezielte Drohnenangriffe 3. Bodentruppen Die EU und die USA unterstützen ihen Freund und Verbündeten Israel. Die deutsche hässliche Nazi-Vergangenheit verpflichtet uns zur uneingeschränkten Unterstützung Israels
terzpanagiotis 10.07.2014
4. Israel,Hamas und das Välkerrecht
Israel, Hamas und das Völkerrecht Hierbei geht es nicht um die Gesamtproblematik des israelisch-palästinensischen Konfliktes aus Sicht des Völkerrechts. 1.Israel hat wie jeder andere Staat das Recht auf Selbstverteidigung im Falle eines Angriffs durch einen anderen Staat (Artikel 51 der UN-Charta). Geht es aber um die Tatbestände des Angriffs , so kann die UN-Aggressionsdefinition von 1974 herangezogen werden, nach der (Artikel 3, Buchstabe g ) eine Aggresion auch dann vorliegt, wenn ein Staat zulässt, dass von seinem Territorium aus Angriffshandlungen gegen einen anderen Staat vorgenommen werden. Dies geschieht häufig vom Gaza –Streifen aus gegen Israel. Normalerweise ist die dortige Behörde dazu verpflichtet, dass derartige Handlungen unterlassen werden. 2. Es bleibt jedoch nicht bei dieser Völkerrechtsverletzung, weil die Hamas-Organisation die Vernichtung Israels zum Hauptziel erklärt hat und hin und wieder Raketen abfeuert. Dabei wird in Kauf genommen, dass sie sie auch Zivilisten treffen können. Dies ist jedoch durch das Humanitäre Völkerrecht (frühere Bezeichnung : Kriegsrecht) strengstens verboten. In diesem Falle ist die Völkerrechtsverletzung schwerwiegend. 3. Allerdings ist die Gaza-Behörde weder ein Staat im Sinne des Völkerrechts noch ein Staat im Entstehungsprozeß , sondern dem Wesen nach eine Terrororganisation, die Terrorakte als etwas Sebstverständliches begeht. Somit werden alle Tatbestände der 2001 von der UNO ausgearbeiteten Terror-Definition erfüllt : Terror ist eine Handlung, die den Tod oder schwerwiegende Verletzungen bei Zivilisten verursachen kann und dabei die Absicht besteht, bei der Bevölkerung Angst hervor zu rufen. 4. Die Nichtanerkannte Staatlichkei des Gaza-Streifens und darüber hinaus die fast internationale Qualifizierung der Hamas als Terrororganisation ändern nichts daran, dass der Staat Israel wie jeder andere Staat das völkerrechtlich verbriefte Selbsverteidigungsrecht besitzt. D.h., konkret, daß Israel mit allen Mitteln gegen die militärishen Einrichtungen, gegen bewaffnete Formationen sowie gegen die Führung dieser Organisation vorgehen darf. 5. Israel muß jedoch dafür sorgen, dass die zivile Bevölkerung nicht in Mitleidenschaft gezogen wird und keine zivilen Objekte wie z.B. Schulen etc. zerstört werden. Auch in diesem Falle gelten die elementaren Menschenrechte sowie die Grundsätze des humanitären Völkerrechts. Kurzum : Israel als ein demokratischer Rechtsstaat (der einzige im Nahen Osten) darf sich keinesfalls wie die Hamas verhalten. Es dürfte klar sein, dass die internationale Öffentlichkeit darauf achtet. Es liegt daher im ureigensten Interesse Israels, den Rechtsgrundsatz der Verhältnismäßigkeit zu respektieren, sonst besteht die große Gefahr des Exzesses, was letzten Endes auch Völkerrechtsverletzung bedeutet.
CONTRAST 10.07.2014
5. Hass erzeugt Gegenhass! Eine natürliche, menschliche Reaktion!
Zitat von sysopDPAAn der Grenze von Israel zum Gazasteifen leben die Menschen in Angst vor den Hamas-Raketen - und unter dem Abwehrschirm Iron Dome. Wenn die Sirenen heulen, bleiben Sekunden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/sderot-bericht-aus-der-grenzstadt-raketen-der-hamas-a-980369.html
Wenn dann noch die Weltgemeinschaft die widerrechtliche Annexion von Palästinenser-Land, auf dem jüdische Siedler auch widerrechtlich, ihre Häuser bauen und vor Gewalt nicht zurückschrecken, auch das von dieser sogenannten Weltgemeinschaft geduldet und nicht geahndet wird, dann muss man sich nicht wundern, wenn die Situation eskaliert. Jeder einzelne Staat trägt hier eine Mitschuld an dem Leid der Palästinenser und das ist verachtenswert, ja unmenschliches Verhalten!!!
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