Rettungsschiff vor Lampedusa Fünf Länder wollen Migranten der Sea-Watch 3 aufnehmen

Seit mehr als zwei Wochen warten 40 Migranten auf der Sea-Watch 3 auf ihre Rettung. Nun haben fünf Länder zugesagt, sie aufzunehmen. Darunter ist auch Deutschland.

Die Sea-Watch 3 liegt immer noch vor Lampedusa
REUTERS/Guglielmo Mangiapane

Die Sea-Watch 3 liegt immer noch vor Lampedusa


Die italienische Regierung hat Zusagen von fünf europäischen Ländern erhalten, den 40 seit gut zwei Wochen auf einem Rettungsschiff ausharrenden Migranten Schutz zu gewähren. Außenminister Enzo Moavero teilte mit, diese Zusagen stammten von Finnland, Luxemburg, Portugal, Frankreich und Deutschland. Allerdings mussten die Migranten und die Besatzung zunächst weiter auf der Sea-Watch 3 bleiben, die rund eine Seemeile vor der Mittelmeerinsel Lampedusa lag und nicht in den Hafen einlaufen durfte.

"Wir warten auf gesicherte Garantien", hieß es im italienischen Innenministerium zu den Aufnahmezusagen der fünf EU-Staaten. Diese müssten in "Zahlen, Zeiten und Mittel" übersetzt werden. Die Besatzung der Sea-Watch 3 war unterdessen weiter von möglichen Geldstrafen und Beschlagnahmeaktionen bedroht, wie sie nach neuem italienischen Recht möglich sind.

Zugleich erfuhr die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch Solidarität. Allein ein italienischer Aktivist sammelte über Facebook 240.000 Euro für eventuell entstehende Gerichtskosten.

Im Video: Crewmitglied über Flüchtlinge auf der Sea-Watch 3

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Die Zahl der Migranten an Bord sank zuletzt von 42 auf 40 - ein 19-Jähriger, der an starken Schmerzen litt, konnte mit seinem jüngeren Bruder das Schiff verlassen. "Wir können nicht darauf warten, dass jeder einzelne Mensch ein medizinischer Notfall wird, bis Europa erkennt, dass sie grundlegende Rechte haben", erklärte die Kapitänin Carola Rackete.

Kapitänin ist bereit, für ihre Tat ins Gefängnis zu gehen

Das Schiff hatte am 12. Juni insgesamt 53 Menschen vor der Küste Libyens von einem Schlauchboot gerettet. Elf von ihnen, darunter Frauen, Kranke und Kinder, durften bereits in den vergangenen Tagen von Bord gehen.

Die deutsche Kapitänin hatte am Mittwoch trotz eines Verbots Italiens Kurs auf die italienischen Hoheitsgewässer genommen und Lampedusa angesteuert, musste das Schiff aber rund eine Seemeile vor dem Hafen stoppen. Rackete gab an, sie wisse, was sie riskiere und sei bereit, für ihre Entscheidungen ins Gefängnis zu gehen.

Die Staatsanwaltschaft von Agrigent auf Sizilien leitete ein Ermittlungsverfahren gegen sie ein wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Missachtung von Anweisungen eines italienischen Marineschiffs.

Salvini verlangt Beschlagnahmung des Schiffes

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechtsradikalen Lega-Partei hatte erklärt, die Migranten dürften das Schiff nur verlassen, wenn andere europäische Länder sie aufnähmen. Zudem verlangte er die Festnahme der Besatzung und die Beschlagnahmung des Schiffes. Die Sea-Watch 3 fährt unter niederländischer Flagge, die Rettungsorganisation hat ihren Sitz in Deutschland.

Salvini drohte, die Migranten bei ihrer Ankunft nicht offiziell registrieren zu lassen und sie in andere europäische Länder weiterzuschicken. Brüssel warnte Salvini, in diesem Fall würde die EU ein Strafverfahren gegen Italien einleiten.

Ein neuer Bericht der Internationalen Organisation für Migration stellt fest: In der Zeit zwischen 2014 und 2018 sind insgesamt fast 1600 Migranten unter 18 Jahren während ihrer Flucht ums Leben gekommen oder werden vermisst.

In den 16 Tagen seit Beginn des jüngsten Dramas um die Sea-Watch 3 trafen nach den Statistiken des Innenministeriums in Rom rund 500 Migranten an den italienischen Küsten ein. Zwischen Marokko und den Kanarischen Inseln kamen sechs Migranten ums Leben, als ihr Boot umkippte. Wie die marokkanischen Behörden mitteilten, konnten bei dem Vorfall am Vortag zehn Insassen des Bootes gerettet werden.

mfh/AFP

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