Sea-Watch-Kapitänin Rackete "Großer Sieg für die Solidarität"

Die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete ist wieder frei. In einer Stellungnahme äußerte sie sich erleichtert über die Entscheidung der italienischen Justiz. Sie befinde sich an einem "sicheren Ort", teilte die Organisation mit.

Guglielmo Mangiapane/ File Photo/ REUTERS

Italiens Justiz hat die Freilassung der Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete angeordnet. Die deutsche Seenotretterin hat darauf mit Erleichterung reagiert. "Mich hat die Solidarität, die mir so viele Menschen ausgedrückt haben, berührt", sagte die 31-Jährige einer Mitteilung der Organisation Sea Watch zufolge.

In ihrer Stellungnahme sprach Rackete von einem "großen Sieg der Solidarität" mit allen Migranten, Flüchtenden und Asylsuchenden. Es sei auch ein Sieg "gegen die Kriminalisierung" von Helfern in vielen Ländern Europas. Auch würdigte sie den Einsatz der gesamten Schiffscrew: "Obwohl die Aufmerksamkeit auf mich gerichtet ist, haben wir als Team die Menschen gerettet, uns um sie gekümmert und sie in Sicherheit gebracht." (Lesen Sie hier mehr über Carola Rackete).

"Sie wird jetzt erst mal schlafen"

Nach Angaben der Hilfsorganisation befindet sich Rackete an "einem sicheren Ort". Ob sie weiter in der sizilianischen Stadt Agrigent oder in anderen Orten in Italien oder auch schon im Ausland ist, wollte Sea-Watch am Mittwoch nicht kommentieren. "Wir wollen, dass sie in Sicherheit ist und dass sie erstmal nicht belagert wird", sagte Sprecher Ruben Neugebauer. "Sie wird jetzt erst mal schlafen."

Rackete war am Samstag festgenommen worden, nachdem sie das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" mit 40 Migranten an Bord unerlaubt nach Italien gefahren hatte. Am Dienstag hatte ein Ermittlungsrichter den Hausarrest für Rackete aufgehoben.

Nach Angaben von Sea-Watch argumentierte die Ermittlungsrichterin, die Kapitänin habe "in Erfüllung einer Pflicht" gehandelt und keine andere Wahl gehabt, als die Flüchtlinge nach Italien zu bringen. Ein umstrittenes Sicherheitsdekret der italienischen Regierung, das gewissen Schiffen die Fahrt in italienische Hoheitsgewässer verbietet, dürfe zudem nicht auf Rettungsaktionen angewendet werden.

Schließlich könne das Polizeischiff, gegen das die "Sea-Watch 3" im Hafen der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa gestoßen war, nicht als Kriegsschiff betrachtet werden. Die Justiz hatte der Kapitänin Widerstand gegen ein Kriegsschiff vorgeworfen, worauf bis zu zehn Jahre Haft stehen. Staatsanwalt Luigi Patronaggio kündigte am Dienstag an, mögliche Rechtsmittel gegen die Entscheidung der Ermittlungsrichterin zu prüfen.

Rackete wird in einem getrennten Verfahren auch Beihilfe zur illegalen Einwanderung vorgeworfen. Darüber soll es bei einer weiteren Anhörung am 9. Juli gehen.

asc/dpa/AFP



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