"Sea-Watch"-Kapitänin festgenommen Minister Müller fordert Reaktion der EU

Die Festnahme der deutschen "Sea-Watch 3"-Kapitänin sorgt weiter für Kritik: Entwicklungsminister Müller erwartet ein "deutliches Signal" aus Brüssel. Derweil kamen bei Spendenaktionen bereits rund eine Million Euro zusammen.

Entwicklungsminister Gerd Müller: "Die 'Sea-Watch'-Kapitänin hat in einer absoluten Notlage gehandelt"
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Entwicklungsminister Gerd Müller: "Die 'Sea-Watch'-Kapitänin hat in einer absoluten Notlage gehandelt"


Nach der Festnahme der deutschen Kapitänin des Flüchtlings-Rettungsschiffes "Sea-Watch 3" in Italien erwartet Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) eine schnelle Reaktion der EU. "Die 'Sea-Watch'-Kapitänin hat in einer absoluten Notlage gehandelt. Deswegen erwarte ich, dass Brüssel hier ein deutliches Signal sendet und die sofortige Freilassung einfordert", sagte Müller im Interview der "Passauer Neuen Presse".

Kapitänin Carola Rackete hatte trotz eines Verbots der italienischen Behörden ihr Rettungsschiff mit 40 im Mittelmeer geretteten Migranten in der Nacht zum Samstag in den Hafen der sizilianischen Insel Lampedusa gesteuert. Sie wurde festgenommen. Auf Rackete kommt eine Geldstrafe zu, im schlimmsten Fall Haft. Spätestens Dienstag wird ihre Vernehmung und eine mögliche Bestätigung des Haftbefehls erwartet.

Müller vertrat zudem die Ansicht, die EU müsse eine neue europäische Sofortregelung zur Seenotrettung im Mittelmeer beschließen. "Ausgerechnet jetzt überlässt die EU die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer ihrem Schicksal und beendet die Mission Sophia", sagte Müller. Dies sei "ein unerträglicher Zustand angesichts von fast 600 Ertrunkenen im Mittelmeer allein dieses Jahr".

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Carola Rackete: Die Odyssee der "Sea-Watch 3"

Die Seenotrettung sorgt seit Langem für Streit innerhalb der Europäischen Union. Die EU-Länder können sich nicht auf einen Mechanismus zur Verteilung der Bootsflüchtlinge einigen. Eine Lösung ist trotz des erheblichen Drucks, den die populistische Regierung in Rom seit einem Jahr in der Frage ausübt, nicht zu erkennen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte die Regierung in Rom wegen der Festnahme Racketes kritisiert: "Italien ist Gründungsstaat der Europäischen Union", sagte er dem ZDF. "Deshalb dürfen wir erwarten, dass man mit einem solchen Fall anders umgeht." Und Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte: "Seenotrettung darf nicht kriminalisiert werden. Es ist an der italienischen Justiz, die Vorwürfe schnell zu klären."

Bei Spendenaktionen zugunsten der Flüchtlingsrettungsorganisation Sea-Watch und Rackete sind derweil mehr als eine Million Euro zusammengekommen. Ein Spendenaufruf der TV-Moderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf auf der Internetseite leetchi.com brachte bis Sonntagabend mehr als 687.000 Euro. Mehr als 25.000 Menschen spendeten Geld. Eine in Italien gestartete Sammelaktion erbrachte bislang Spenden in Höhe von mehr als 410.000 Euro.

aar/AFP/dpa

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