Hausarrest aufgehoben "Sea-Watch 3"-Kapitänin Carola Rackete kommt frei

Ein italienisches Gericht hat den Hausarrest gegen "Sea-Watch 3"-Kapitänin Carola Rackete aufgehoben. Sie sei ihrer Pflicht gefolgt, Menschenleben zu retten. Von Innenminister Salvini folgen weitere Drohgebärden.

Guglielmo Mangiapane/ File Photo/ REUTERS

Die Kapitänin der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch, Carola Rackete, kommt wieder frei. Ein italienisches Gericht hob den Hausarrest gegen die 31-Jährige auf, wie zuerst die Nachrichtenagentur Ansa und die italienische Zeitung "La Repubblica" am Dienstagabend berichteten.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters entschied das Gericht, die Kapitänin habe das Gesetz nicht gebrochen, als sie in den Hafen von Lampedusa einlief. Sie sei ihrer Pflicht gefolgt, Menschenleben zu retten.

Rackete selbst reagierte erleichtert. "Mich hat die Solidarität, die mir so viele Menschen ausgedrückt haben, berührt", sagte sie am späten Dienstagabend laut Mitteilung einer Sea-Watch-Sprecherin. Die Entscheidung, keine freiheitsentziehenden Maßnahmen gegen sie zu verhängen, empfinde sie als großen Gewinn für die Solidarität mit Flüchtlingen, Migranten und Asylbewerbern und gegen die Kriminalisierung der Helfer.

Italiens Innenminister Matteo Salvini erklärte, Rackete solle wegen Gefährdung der nationalen Sicherheit des Landes verwiesen werden. Die Kapitänin der "Sea-Watch 3" stand seit Samstag unter Hausarrest (ein Porträt über Rackete lesen Sie hier; und hier erfahren Sie mehr darüber, warum sie Salvinis perfektes Feindbild ist).

Sea-Watch begrüßte die Entscheidung. "Wir sind erleichtert, dass unsere Kapitänin frei ist", twitterte die Organisation. "Es gab keinen Grund, sie festnehmen zu lassen, da sie sich lediglich für Menschenrechte im Mittelmeerraum eingesetzt und Verantwortung übernommen hat, wo keine europäische Regierung es tat."

"Wir werden Carola an einen sicheren Ort bringen"

Die Freilassung Racketes zeige, dass die italienische Justiz ihre eigene Verfassung höher bewerte als einen twitternden Minister, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer gegenüber dem SPIEGEL. "Wir werden Carola nun an einen sicheren Ort bringen und schauen, wie es weitergeht."

Rackete war am Samstag mit dem Schiff "Sea-Watch 3" mit 40 Migranten an Bord in Lampedusa eingelaufen, obwohl ein italienisches Sicherheitsdekret das unerlaubte Einfahren nach Italien unter Geldstrafe stellt. Zuvor hatte Rackete mit dem Schiff zwei Wochen auf See ausgeharrt und auf eine Erlaubnis zum Einlaufen gewartet - vergeblich.

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Carola Rackete: Die Odyssee der "Sea-Watch 3"

Beim Einlaufen hatte Rackete mit der "Sea-Watch 3" dann ein Boot der italienischen Finanzpolizei touchiert. Diese Schiffe zählen in Italien zu den Streitkräften. Neben dem unerlaubten Einlaufen wurde Rackete daher "Widerstand und Gewalt gegen ein Kriegsschiff" vorgeworfen.

In einem Interview hatte Rackete gegenüber dem SPIEGEL bereits gesagt, dass sich die Situation auf dem Schiff zuletzt zunehmend verschlechtert hatte. Nach ihrer Ankunft sprach sie dann über ihre Anwälte in italienischen Medien von Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Angst.

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Guglielmo Mangiapane/ REUTERS

Die "Sea-Watch 3" bleibt dagegen auch nach der Aufhebung von Racketes Hausarrest beschlagnahmt. Laut Sprecher Neugebauer will die Organisation notfalls mit einem neuen Schiff die Rettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer fortsetzen.

fek/mkl/Reuters/dpa

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