Selbstmordanschlag Deutscher Soldat in Nordafghanistan getötet

Bei einem Selbstmordanschlag im Norden Afghanistans ist ein Bundeswehrsoldat ums Leben gekommen. Sechs weitere Einsatzkräfte wurden verwundet. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hatte sich der Angreifer als Bauer getarnt.


Berlin - Die Bundeswehr hat ein weiteres Todesopfer beim Einsatz in Afghanistan zu beklagen: Bei einem Selbstmordanschlag in Nordafghanistan ist am Donnerstag ein deutscher Soldat gefallen. Das teilte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) im Bundestag mit. Nach seinen Angaben erfolgte der Angriff auf die deutsche Isaf-Einheit nördlich des Regionalen Wiederaufbauteams in Pul-e-Khumri in der Provinz Baghlan. Sechs weitere Soldaten wurden bei dem Anschlag verwundet.

Der Angriff ereignete sich nach Informationen von SPIEGEL ONLINE gegen 13.50 Uhr (Ortszeit) nahe der Ortschaft Aka-Khel. Nach ersten Berichten der Bundeswehr griff ein Selbstmordattentäter die deutsche Patrouille an, die eine Brücke bewachte.

Durch die Explosion wurde ein 26-jähriger Oberfeldwebel sofort getötet, sechs weitere zum Teil schwer verletzt. Zwei schwer verletzte Soldaten konnten im Feldlager von Masar-e-Sharif stabilisiert werden.Unmittelbar nach dem Attentat wurden die deutsche Soldaten am Tatort in ein Feuergefecht verwickelt und dabei mit Handfeuerwaffen und Mörsern beschossen.

Laut den lokalen Behörden hatte sich der Angreifer als Farmer getarnt. "Der Selbstmordattentäter hatte sich als Bauer verkleidet und näherte sich den Soldaten, als diese von ihrem Fahrzeug abgesessen waren", sagte der Gouverneur der Provinz Baghlan SPIEGEL ONLINE. Demnach trug der Attentäter unter seinem Gewand einen Sprengstoffgürtel. Die Taliban bekannten sich kurz nach dem Anschlag zu der Tat.

Nach der Selbstmordattacke geriet die Bundeswehr am Tatort in ein heftiges Feuergefecht mit den Taliban, welche die Deutschen mit Gewehren und Mörsern beschossen. Fast zwei Stunden hielten die Kämpfe an.

Die Gegenden Pul-e-Khumri und Baghlan gelten seit Monaten als brandgefährlich. Die Bundeswehr hat erst kürzlich mehrere hundert Mann der sogenannten "Task Force Kunduz", einem Ausbildungs- und Schutzbatallion, in die Region verlegt. Hauptsächlich sollen die Soldaten dort die Straßen sichern, über diese fahren auch die Transportkonvois der Nato gen Kabul. Daneben sollen sie die afghanische Armee ausbilden. Der nun gefallene Soldat stammt aus einer Fallschirmjägereinheit in Seedorf in Niedersachsen.

Außenminister Guido Westerwelle reagierte bestürzt auf den Anschlag. "Der Tod des deutschen Soldaten in der Provinz Baghlan erfüllt mich mit Schock und tiefster Trauer", teilte der Vizekanzler am Donnerstag in Berlin mit. "Dieser barbarische Akt richtet sich nicht nur gegen uns, er richtet sich auch gegen die große Mehrheit der Afghanen, die eine friedliche, auf Ausgleich und Versöhnung gerichtete Politik für ihr Land will." Westerwelle wünschte den verletzten Soldaten eine möglichst rasche Genesung. Den Angehörigen der Opfer sprach er sein Mitgefühl aus.

Karzai eröffnet neuen Friedensrat in Afghanistan

Am Tag des Anschlags hat der afghanische Präsident Hamid Karzai den neu gegründeten Friedensrat für Verhandlungen mit den Taliban offiziell eröffnet. Die afghanische Bevölkerung habe große Hoffnung, dass der neue Rat einen Weg hin zu Frieden und Stabilität findet, sagte Karzai am neunten Jahrestag des Kriegsbeginns in seinem Land. Aufständische rief er dazu auf, die Formation des 70-köpfigen Rats als Gelegenheit dafür zu betrachten, ihre Waffen niederzulegen und sich der Regierung anzuschließen.

Der neue Friedensrat will der Regierung zufolge direkte Verhandlungen mit Anführern der Taliban aufnehmen, die direkt oder über Umwege Kontakte mit der Regierung gesucht haben. Die Taliban haben solche Gesuche wiederholt bestritten und erklärt, erst zu Friedensgesprächen bereit zu sein, wenn US- und Nato-Truppen Afghanistan verlassen hätten.

mgb/ffr/dapd/dpa



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