Selbstmordanschlag in Bagdad Feuerball vor dem CIA-Quartier

Mindestens sieben Iraker sind durch die Autobombe, die am Samstagmorgen vor dem „Bagdad“-Hotel detonierte, getötet worden. Nach Angaben des US-Militärs war der Attentäter ein Ausländer.


 Amerikaner am Anschlagsort: Schlag gegen den US-Geheimdienst
AP

Amerikaner am Anschlagsort: Schlag gegen den US-Geheimdienst

Bagdad - US-Militärsprecher Oberst Peter Mansoor erklärte, mindestens 32 Menschen seien verletzt worden. Ziel des Attentats mit einer Autobombe seien die Mitarbeiter des amerikanischen Geheimdienstes CIA gewesen, die in dem Hotel untergebracht sind, teilte Mansoor in Bagdad mit.

Der Attentäter habe versucht, mit seinem Auto eine Beton-Sperre vor dem Gebäude zu brechen, scheiterte jedoch. Nur deshalb habe sich die Explosion nicht in unmittelbarer Nähe des Hotels ereignet, sondern Meter entfernt. Andernfalls wäre nach Darstellung Mansoors die Zahl der Opfer im "Bagdad"-Hotel noch höher gewesen.

Der Augenzeuge Sevan Armin sagte, das Auto sei mit hoher Geschwindigkeit auf der falschen Straßenseite auf das Hotel "Bagdad" zugerast. Wachmänner hätten auf das Fahrzeug geschossen, das dann eine Schutzmauer gerammt habe und explodiert sei. Der Fahrer sei hellhäutig und offenbar kein Iraker gewesen. Dies wurde später von dem amerikanischen Militärsprecher bestätigt. Welche Nationalität der Selbstmordattentäter hatte, ist noch unklar. Die Detonation brachte einen Teil der Schutzmauer um das Hotel zum Einsturz. Noch zwei Straßen entfernt zerbrachen Fensterscheiben.

Ein Anwohner erklärte, an derselben Stelle habe die Polizei vor sechs Wochen einen Attentäter mit einer Autobombe gestoppt und einen Anschlag verhindert. Daraufhin sei eine Schutzmauer an einem Ende der Straße errichtet worden.

Die Situation im Irak gerät immer mehr außer Kontrolle. Die Amerikaner und ihre Verbündeten in Bagdad und Umgebung müssen täglich um ihr Leben bangen, der Guerilla-Krieg gegen die Besatzer fordert einen immer höheren Blutzoll.

Im Visier der irakischen Freischärler sind dabei nicht nur die amerikanischen und britischen Soldaten. Anschläge gegen Zivilisten, Verwaltung und Hilfsorganisationen häufen sich. Mit Sprengstoff beladene Autos, gesteuert von Selbstmordattentätern, werden dabei zu tödlichen Waffen.

Dem jüngsten Anschlag auf das Bagdad-Hotel, das als Unterkunft von Mitarbeitern des US-Geheimdienstes CIA und anderen Vertretern der von den USA geführten Besatzung und Zivilregierung gilt, gingen mehrere blutige Auto-Attacken voraus:

  • Vergangene Woche rasten zwei Selbstmordattentäter mit ihrem Auto in eine Polizei-Station in Bagdads Vorort Sadr-City. Bei dem Anschlag starben acht Iraker.
  • Am 29. August starben mindestens 83 Menschen, unter ihnen der Schiiten-Führer Ayatollah Mohammed Baqer al-Hakim als nach dem Freitagsgebet eine Autobombe in der Menschenmenge vor der Imam Ali Moschee in Najaf detoniert
  • Am 19. August zerfetzte eine Autobombe das Uno-Hauptquartier in Bagdad. Sergio Vieira de Mello, der Uno-Beauftragter für den Irak und 17 weitere Menschen starben in den Trümmern.
  • Zwei Wochen zuvor hatte die Detonation eines mit Sprengstoff beladenen Wagens die Jordanische Botschaft in Bagdad in Schutt und Asche gelegt. 17 Menschen starben, über 60 wurden verletzt.






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