Selbstmordanschlag in Stockholm FBI hilft schwedischen Terrorfahndern

Die Ermittlungen zum Selbstmordanschlag in Stockholm laufen auf Hochtouren - jetzt bekommt die schwedische Polizei Schützenhilfe aus den USA: Das FBI hat Bombenexperten geschickt.

Patrouille in Stockholm: Die Polizei hat ihre Präsenz auf der Straße erhöht
AFP

Patrouille in Stockholm: Die Polizei hat ihre Präsenz auf der Straße erhöht


Stockholm - US-Spezialisten sollen Schwedens Polizei bei der Aufklärung des Selbstmordanschlags von Samstag helfen. Wie Justizministerin Beatrice Ask am Montagabend im Fernsehen mitteilte, hat die Bundespolizei FBI aus den USA sieben Bombenexperten nach Stockholm geschickt.

Ein kleines Land wie Schweden verfüge nicht für alle offenen Fragen über die nötigen Experten, erklärte Ask den Einsatz der FBI-Spezialisten. Auch britische Experten sind in die Fahndungsarbeit eingeschaltet.

Der Attentäter hatte am Samstag in einer Stockholmer Einkaufsstraße seine Bomben gezündet und starb infolge der schweren Verletzungen. Einen Rucksack hatte er mit Reißnägeln und weiterem Sprengstoff gefüllt. Wenige Minuten zuvor war nur 200 Meter entfernt an der Ecke Olof-Palme-Gatan zur Drottninggatan ein Auto explodiert. Dabei wurden zwei Passanten verletzt. Die Drottninggatan ist vor allem an den Dezember-Wochenenden Stockholms meistbesuchte Einkaufsstraße.

Die Staatsanwaltschaft ist sich so gut wie sicher, dass es sich bei dem Täter um den 28-jährigen Taimur Abdulwahab al-Abdali handelt. Zwei Tage nach dem Anschlag liegt eine Fülle von Details zu Abdulwahab vor. Aber eine entscheidende Frage ist ungeklärt: Handelte der gebürtige Iraker auf eigene Faust - oder war er Teil einer Zelle? Gab es womöglich sogar einen Einsatzbefehl oder eine Absprache mit einer Terrorgruppe?

Spur führt nach Großbritannien

Die schwedischen Behörden gehen davon aus, dass Abdulwahab in Bagdad geboren wurde und 1992 nach Schweden kam. 2001 zog er nach Großbritannien. Er habe dort eine Ausbildung zum Physiotherapeuten gemacht und habe zwei Töchter. Als Wohnort gab er Luton an; tatsächlich wurde seine Familie dort gefunden. Dem britischen "Guardian" zufolge wurde Abdulwahab selbst dort zuletzt vor circa zweieinhalb Wochen gesehen.

Auch eine (mittlerweile abgeschaltete) Facebook-Seite soll Abdulwahab Medienberichten zufolge betrieben haben. Die Angaben lassen sich nicht mehr nachvollziehen, aber der Inhalt seiner Facebook-Seite soll in den letzten Monaten radikaler geworden sein; auch dschihadistische Propaganda habe er eingestellt, berichtet der "Guardian".

Weniger eindeutig sind die Hinweise in der Frage, ob Abdulwahab Kontakt mit Terrorgruppen hatte. Dem Fachblog Long War Journal zufolge fand sich auf seiner Facebook-Seite ein Bild, das ihn in Jordanien zeigt. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht - ebenso wenig für Meldungen und Berichte, denen zufolge Abdulwahab sich zeitweise im Irak aufhielt. Oder gar in Pakistan in einem Terrorcamp war.

Der Anschlag sei zwar fehlgeschlagen, aber "gut vorbereitet" gewesen, sagte Staatsanwalt Thomas Lindstrand am Montag in Stockholm. Deshalb gehe man von Helfern bei der Planung aus. Es gebe aber bisher keine konkret Verdächtigen. Auch der 28-Jährige sei der Polizei und dem für die Terrorbekämpfung zuständigen Sicherheitsdienst Säpo bis zum Anschlag "völlig unbekannt" gewesen, wie Lindstrand erklärte.

Stockholm ist nach Ansicht des schwedischen Außenministers Carl Bildt bei dem Anschlag nur knapp einem Blutbad entgangen. "Wir hatten extremes Glück", sagte Bildt am Montag im britischen Fernsehsender BBC. Der Attentäter sei nur Minuten und wenige hundert Meter von einer sehr belebten Gegend entfernt gewesen, wo die Folgen katastrophal gewesen wären. "Er lief in eine Gegend, wo, wenn er alle seine Sprengsätze gezündet hätte, ... es ein Blutbad angerichtet hätte, wie wir es seit einiger Zeit in Europa nicht mehr gesehen haben", sagte Bildt.

ler/yas/dpa/AFP

insgesamt 69 Beiträge
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elbröwer 14.12.2010
1. Toll
auf dem Rückweg können die den Assange gleich mitnehmen.
bekennerschraiben, 14.12.2010
2. mir graut vor dem gedanken
Zitat von sysopDie Ermittlungen zum Selbstmordanschlag in Stockholm laufen auf Hochtouren - jetzt bekommt die schwedische Polizei Schützenhilfe aus den USA: Das FBI hat Bombenexperten geschickt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,734461,00.html
dass dieses bombenattentat wie auch andere von unerwarteter hand inszeniert gewesen sein könnten
dutzende 14.12.2010
3. ....alles inszeniert?
Nach all den Enthüllungen der letzten Wochen, die uns gezeigt haben, daß Ereignisse und deren Berichterstattung auch inszeniert sein können, würde es mich nicht wundern wenn es in Stockholm ähnlich gewesen wäre um wieder einmal auf eine bestehende Terrorgefahr hinzuweisen. Der perfekte Ort ist zur Zeit einfach Schweden, das demnächst Julian Assange beherbergt, dessen Plattform/Mitstreiter dieses, von uns bereits aktzepiertes Denken, derzeit unterwandern und uns zeigen, das alles nur Schall und Rauch ist den man interpretieren darf wie es einem gerade nutzt. bekommen.
frubi 14.12.2010
4. .
Zitat von sysopDie Ermittlungen zum Selbstmordanschlag in Stockholm laufen auf Hochtouren - jetzt bekommt die schwedische Polizei Schützenhilfe aus den USA: Das FBI hat Bombenexperten geschickt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,734461,00.html
Eines kann man in diesem Zusammenhang ohne wiederspruch sagen: Die Amerikaner helfen nicht aus reiner Nächstenliebe. Auch wenn Sie mit diesem "Anschlag" nichts zu tun haben sollten, so sind die FBI-Beamten bzw. die amerikanische Regierung mit Sicherheit an den Details dieses "Anschlags" interessiert. Jedenfalls klingt das Wort "Hilfe" in diesem Zusammenhang doch etwas zynisch.
atorator 14.12.2010
5. Na ja.
Ich wurde vor ein paar Tagen hier noch niedergeschrieen, weil ich zu behaupten wagte, die Anschläge seien ein abgekartetes Spiel. Ich verwette meine Mama, diese Anschläge wurden gestellt. Nachdem sogar zwei Kriege geführt werden, aufgrund von Lügen, ist das doch nur ein Klacks. Der Mob ist ja kurz davor, den nächsten Araber vor die Bahn zu schubsen. Ziel erreicht.
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