Selbstmordattentäter War das FBI Mohammed Atta dicht auf den Fersen?

Ein perfekter Organisator? Diszipliniert und unauffällig? Von wegen. Nach Erkenntnissen der "New York Times" hätte das FBI schon mehrmals eine Möglichkeit gehabt, den Selbstmordattentäter Mohammed Atta hinter Schloss und Riegel zu bringen, und damit womöglich die Terroranschläge vom 11. September verhindern können.


Mohammed Atta: Trotz Vergehen der Polizei entgangen
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Mohammed Atta: Trotz Vergehen der Polizei entgangen

Miami - Zum Beispiel am 26. Dezember vergangenen Jahres. An diesem Tag erregen Atta und sein Kumpan Marwan al-Schehhi, der nach den Erkenntnissen des FBI mit einer United-Airline-Maschine am 11. September in den Südturm des World Trade Center raste, auf dem Internationalen Flughafen in Miami Aufsehen: Die beiden steuern ein kleines Privatflugzeug in Richtung Startbahn. Die Piper Cherokee gehört der Flugschule, die Atta und al-Schehhi besuchen. Warum sie von diesem Flughafen starten wollen, ist nicht klar. Und: Die beiden Männer haben noch nie eine Maschine auf so einem großen Flughafen gestartet.

Mitten auf der Startbahn stirbt plötzlich der Motor ab. Wegen einer defekten Zündkerze, wie sich später herausstellt. Alle Versuche, den Motor wieder zu starten, scheitern. Atta und al-Schehhi schalten einfach die Lichter aus und verschwinden, ohne die Flugaufsicht zu informieren. Sie passieren unbemerkt alle Kontrollen am Flughafen und mieten einen Wagen.

Am 26. Dezember ist auf dem Flughafen reger Verkehr. Die Flugaufsicht lotst 35 Minuten lang die Passagierflugzeuge an der liegen gelassenen Maschine vorbei - bis sie schließlich abgeschleppt wird. Am nächsten Tag ruft ein verärgerter Beamte von der amerikanischen Bundesluftfahrtsbehörde die Flugschule an und droht mit Konsequenzen. Mitarbeiter schicken daraufhin die letzten Wartungsergebnisse an die Behörde.

Was die Untersuchung ergab, wissen sie nicht. Die Behörde verweigerte laut "New York Times" die Auskunft. In der Schule hängt seit dem Vorfall ein Schild, das den Schülern Flüge vom Miami-Flughafen aus untersagt.

Atta und al-Schehhi berichteten später in der Schule, sie hätten nicht gewusst, dass man die Flugaufsicht informieren muss. Was am Flughafen passierte, sagt der ehemalige Fluglehrer von den beiden heute, war eher eine ärgerliche Störung als ein erster Übergriff. Doch niemand fragte sich damals, was zwei Anfängerpiloten an einem Wochentag zu einem der größten Flughäfen Amerikas geführt hatte.

Hat Atta mehrmals geschlampt?

Doch das FBI hatte offenbar auch andere Chancen verpasst, den beiden Terroristen auf die Schliche zu kommen. Im Januar dieses Jahres soll Atta nach einem Kurztrip nach Madrid mit einem abgelaufenen Visum wieder in die USA eingereist sein. Warum ließen ihn die Grenzbeamten ins Land?

Im August erwischt die Polizei den Mann in Südflorida ohne Führerschein am Steuer eines Autos. Zu einem darauf folgenden Gerichtstermin erscheint er nicht, und die Behörden erlassen ein Haftbefehl gegen Atta. Das Problem ist nur, dass in Broward County, in dem sich der Vorfall ereignete, ungefähr 200.000 Personen polizeilich gesucht werden.



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