Selbstmordattentäter Witwenrente von Saddam?

Die Familien palästinensischer Selbstmordattentäter sind offenbar finanziell abgesichert. In Tulkarm bekamen Angehörige von Selbstmordattentätern angeblich großzügige Schecks aus Bagdad überreicht.


Schickt viel Geld nach Palästina: Iraks Diktator Saddam Hussein
AP

Schickt viel Geld nach Palästina: Iraks Diktator Saddam Hussein

Tulkarm - Mit den Zahlungen will Iraks Diktator Saddam Hussein offenbar weitere Palästinenser animieren, als Märtyrer in den Kampf gegen Israel zu ziehen. Wie der australische "Sydney Morning Herald" berichtete, bekamen 47 trauernde Familien in Tulkarm erstmals öffentlich Dollar-Schecks überreicht. 25.000 Dollar für einen Selbstmordattentäter und 10.000 Dollar für einen Toten, der in Zusammenstößen mit den Israelis umkam.

Die Zahlungen an die Hinterbliebenen der Attentäter fließen schon seit längerem aus dem Irak nach Palästina. Bisher zahlte der Diktator aus Bagdad höchstens 10.000 Dollar. Der Extrabonus von 15.000 Dollar solle jetzt noch mehr Palästinenser motivieren, sich in die Luft zu sprengen, so die Zeitung. Die Rechtmäßigkeit der palästinensischen Anliegen soll mit dem erhöhten Betrag unterstrichen werden. Nach Angaben eines Mitgliedes des Palästinensischen Legislativrates sei der Irak das einzige arabische Land, das die palästinensische Sache finanziell unterstütze.

Vor drei Wochen freute sich Hussein öffentlich über erfolgreiche palästinensische Selbstmordattentate und rief die anderen arabischen Staaten zur Unterstützung der Intifada auf: "Die wohlhabenden Staaten können Waffen finanzieren, und die anderen arabischen und islamischen Staaten können Freiwillige schicken."

Insgesamt soll gestern eine halbe Million Dollar unter die Palästinenser gebracht worden sein. Seit Beginn der al-Aksa Intifada vor 18 Monaten haben die Familien der Toten angeblich mehr als zehn Millionen Dollar aus dem Irak bekommen. Organisiert wurde die Übergabefeier von der Arabischen Befreiungsfront, einer Untergruppe der PLO, die mit Husseins Baath-Partei kooperiert.

Waffen aus dem Iran?

Selbstmordanschlag: 25.000 Dollar für die Hinterbliebenen des Attentäters?
REUTERS

Selbstmordanschlag: 25.000 Dollar für die Hinterbliebenen des Attentäters?

Den Friedensprozess werden und sollen die Zahlungen sicherlich nicht fördern. Ob Palästinenserpräsident Jassir Arafat die Zahlungen befürwortet oder nicht, ist unbekannt. In der vergangenen Woche berichtete die Bild-Zeitung, dass Arafat Hussein schriftlich um Unterstützung im Kampf gegen "Israels Aggression" gebeten habe. Auch soll es Verbindungen des palästinensischen Geheimdienstes zu Hussein geben. Dass Arafat und Hussein keine Erzfeinde sind, ist spätestens bekannt, seit der Palästinenserführer im Golfkrieg 1991 auf der Seite des Irak stand und Palästinenser irakische Raketen auf Israel bejubelten.

Auch mit Iran soll Arafat enge Beziehungen unterhalten. Wie die "New York Times" berichtete, soll das Land Palästinenser mit Waffen versorgen. Der palästinensische Informationsminister Jassir Abd Rabbuh hat dieser Darstellung jedoch widersprochen: Der Bericht stütze sich nicht auf glaubwürdige Quellen, schrieb er der Zeitung.

Eine Milliarde aus Bagdad für Palästina

Bereits vor einem Jahr berichtete "Middle East Online" von Zahlungen an Opfer israelischer Granaten. 300 "Märtyrerfamilien" sollen damals von der Arabischen Befreiungsfront jeweils 10.000 Dollar bekommen haben - dazu ein Foto des Diktators und eine irakische Flagge. Saddam sei der Einzige, der den Palästinensern helfe, wird dort der Vater eines Getöteten zitiert. Verletzte bekommen laut dieses Berichtes bis zu 1000 Dollar.

Insgesamt soll Saddam für die Palästinenser knapp eine Milliarde Dollar eingeplant haben, so "Middle East Online". Wegen der Zahlungen werde Hussein im Gaza -Streifen und dem Westjordanland immer beliebter. Das Geld stammt angeblich aus den Ölgeschäften der Iraker. Doch auch Saudi-Arabien soll gewalttätige Palästinenser und ihre Familien unterstützen, wenn auch mit geringeren Beträgen - bis zu 5000 Dollar können Angehörige der Toten von den Saudis bekommen, schreibt "Middle East Online".

Urs Zietan



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