Selbstmordattentat Blutiges Geschenk an irakisches Volk

Der Terror im Nahen Osten scheint eine neue Dimension erreicht zu haben: Die radikal-islamische Palästinenser-Organisation Islamischer Dschihad bekannte sich zu einem Selbstmordattentat in der israelischen Stadt Netanja, bei dem 38 Menschen verletzt wurden. Der Anschlag sei ein Geschenk an das Volk Saddam Husseins, hieß es in einer Erklärung der Gruppe.


Rettungseinsatz in Netanja: Bombenexplosion in der Fußgängerzone
DPA

Rettungseinsatz in Netanja: Bombenexplosion in der Fußgängerzone

Beirut – Bei der Bombenexplosion in der Fußgängerzone der israelischen Stadt Netanja waren am Sonntag der Angreifer getötet und mindestens 38 Israelis verletzt worden. Unter den Opfern waren nach Berichten von Augenzeugen auch mehrere israelische Soldaten. Der Selbstmordanschlag sei ein "Geschenk für das irakische Volk" gewesen, hieß es in einer Fax-Mitteilung der radikal-islamischen Palästinenser-Organisation Islamischer Dschihad, die in den USA als terroristische Organisation eingestuft ist.

Um dem Irak im Kampf gegen die Soldaten der USA und Großbritanniens "zu helfen", sei eine erste Gruppe von Selbstmord-Attentätern in den Irak entsandt worden, hieß es in der Erklärung. "Die Al-Kuds-Brigaden überbringen unserem Volk und der Nation die gute Nachricht, dass die ersten Märtyrer (Angreifer) im Herzen von Bagdad angekommen sind."

Die irakische Militärführung drohte inzwischen mit weiteren Anschlägen gegen die Truppen der Alliierten. Nach Aussagen Bagdads bereiten sich derzeit Tausende "Gotteskrieger" auf Selbstmordanschläge vor.

Israelische Polizisten untersuchen die sterblichen Überreste des Attentäters
AP

Israelische Polizisten untersuchen die sterblichen Überreste des Attentäters

Der irakische Militärsprecher Hasem al-Rawi sagte vor der Presse in Bagdad, die zukünftigen Selbstmordkommandos stammten "aus allen arabischen Staaten ohne eine einzige Ausnahme". Weiter sagte er: "Wir sind alle bereit für den Heiligen Krieg. Der Heilige Krieg ist eine Pflicht für jeden Muslim, wenn sein Land angegriffen wird."

Der Vorname des ersten "Märtyrers", der am Samstag bei Nadschaf vier US-Soldaten mit in den Tod gerissen hatte, sei Ali gewesen - im Irak wird der Name fast ausschließlich von schiitischen Familien gewählt. Nach Ansicht arabischer Beobachter wollte der Militärsprecher damit zeigen, dass sich auch die in der irakischen Führung unterbesetzte schiitische Bevölkerungsmehrheit dem Widerstand gegen die amerikanisch-britischen Truppen angeschlossen habe.

Der irakische Selbstmordattentäter von Nadschaf soll ein Offizier gewesen sein. Er wurde posthum von Saddam Hussein mit Tapferkeitsmedaillen ausgezeichnet. Seine Familie habe vom Regime zur Belohnung eine größere Geldsumme erhalten, hieß es.

Auch in Kuweit wurden offenbar erneut US-Soldaten in ihrem eigenen Lager angegriffen. Mit einem Kleinlaster fuhren die Angreifer in eine Gruppe Soldaten. Dabei wurden mehrere US-Militärs verletzt.



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