Selbstmordattentat Schwerer Anschlag im Süden Afghanistans – viele Tote

In der südafghanischen Provinz Helmand sind bei einem Selbstmordattentat 17 Menschen getötet worden, Dutzende wurden verletzt. Agenturinformationen zufolge sollen bald Bundeswehr-Soldaten in dem umkämpften Gebiet operieren. Die Bundesregierung dementierte dies.


Kabul/Berlin – Ein Sprecher des Provinzgouverneurs von Helmand gab die Zahl der Opfer bekannt: 17 Tote und 47 Verletzte. Augenzeugen zufolge sprengte sich der Attentäter auf einem belebten Basar in der Provinzhauptstadt Laschkar Gah in die Luft. Vor der Zündung des Sprengsatzes brachte er demnach einen bekannten Geschäftsmann und früheren Polizeichef in seine Gewalt und riss ihn mit in den Tod.

US-Antiterror-Einheit in Süd-Afghanistan: Sicherheitslage so schlecht wie nie seit dem Sturz der Taliban
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US-Antiterror-Einheit in Süd-Afghanistan: Sicherheitslage so schlecht wie nie seit dem Sturz der Taliban

Bei dem jüngsten Anschlag traf es den Angaben zufolge vor allem Zivilisten. Doch im Süden Afghanistans kommt es zudem fast täglich zu schweren Gefechten zwischen Taliban und Soldaten der internationalen Friedenstruppe. Weil die im ruhigen Norden des Landes stationierte Bundeswehr Kapazitäten frei habe, sollen nun deutsche Soldaten in den umkämpften Süden verlegt werden.

Deutschland werde von anderen Isaf-Nationen kritisch betrachtet, weil die Bundeswehr nur im verhältnismäßig ruhigen Norden des Landes und in der Hauptstadt Kabul stationiert ist, während andere Nationen schwere Verluste im Süden erlitten, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur im Hauptquartier der Nato-geführten Isaf in Kabul.

Der deutsche Einsatz werde nicht ewig auf diese Gegenden beschränkt bleiben können. Die Truppen im Norden hätten Kapazitäten und Fähigkeiten, die auch im Süden gebraucht werden könnten, hieß es weiter. Die Einsätze sollten zeitlich begrenzt sein. Die Sicherheitslage in Afghanistan ist so schlecht wie nie seit dem Sturz der Taliban Ende 2001.

Die Bundesregierung dementierte die Informationen. Man wolle auch künftig keine Bundeswehrsoldaten in den Süden Afghanistans schicken. Der Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte in Berlin, Deutschland werde seine Bemühungen zur Stabilisierung weiter auf den Norden konzentrieren. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte, es gebe keine konkrete Anfrage und keine konkreten Planungen für einen Einsatz in Südafghanistan.

Auch das ARD-Hörfunkstudio Südasien will von den Plänen erfahren haben. Im Isaf-Hauptquartier gebe es bereits konkrete Überlegungen, Bundeswehrsoldaten im umkämpften Süden des Landes einzusetzen.

Bundeswehr-Soldaten könnten dabei auch in die andauernden Kämpfe mit radikal-islamischen Taliban-Rebellen im Süden verwickelt werden. Möglicherweise werde die Isaf-Führung über einen Einsatz vor der im Oktober anstehenden Verlängerung des Afghanistan-Mandats durch den Bundestag entscheiden.

Isaf-Kommandeur David Richards hatte vor einem Monat gesagt, er habe die Freiheit, die 18.000 Isaf-Soldaten dort einzusetzen, wo es militärisch sinnvoll sei. Dazu hätten sich die Truppensteller bereit erklärt. Bei der Isaf hieß es nun, man werde trotzdem in Berlin nachfragen. Die Isaf hat Ende Juli das Kommando für Südafghanistan von den US-geführten Koalitionstruppen übernommen. Fast täglich kommt es zu schweren Gefechten mit Aufständischen. Seit der Kommandoübernahme kamen im Süden sechs britische und sechs kanadische Isaf-Soldaten bei Kämpfen und Anschlägen ums Leben.

Die Bundeswehr hat im Juni das Isaf-Regionalkommando für Nordafghanistan übernommen und ist dort mehrfach Ziel von Anschlägen geworden. Deutsche Soldaten kamen in diesem Jahr nicht ums Leben. Insgesamt starben 18 deutsche Soldaten seit Beginn des Isaf-Einsatzes Ende 2001, zwölf davon bei Unfällen, sechs weitere bei Anschlägen.

Der Bundeswehrverband kann sich einen begrenzten Einsatz deutscher Soldaten auch in den umkämpften Gebieten in Südafghanistan vorstellen. Das derzeit vom Bundestag erteilte Mandat schließe "nicht vollständig aus, dass deutsche Kräfte vorübergehend auch zur Verstärkung im Süden eingesetzt werden", sagte der Chef des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz im NDR. Denkbar sei etwa ein Einsatz zur Evakuierung von Truppen. Zugleich wandte sich Gertz gegen einen umfassenden Bundeswehr-Einsatz in den südlichen Landesteilen. Er wies darauf hin, dass dort ein "ganz anderer Gefährdungsgrad" vorherrsche als im Norden des Landes, wo die Bundeswehr bislang im Einsatz ist. "Das sind wirklich robuste Kampfeinsätze."

Jung verhängt Besuchsverbot

Befremden herrscht im Isaf-Hauptquartier über die Anordnung von Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), Parlamentariern und Journalisten den Besuch von deutschen Soldaten zu untersagen. Die Pressestelle organisiert aber weiterhin Besuche für deutsche Journalisten bei nicht-deutschen Einheiten. Jung hatte das Besuchsverbot mit Sicherheitsbedenken begründet.

Andere Regierungen - auch die der Truppen im unruhigen Süden - haben kein entsprechendes Verbot erlassen. Das Ministerium in Berlin hat zudem bereits vor Wochen verfügt, Anschläge auf die Bundeswehr nur auf ausdrückliche Nachfrage von Journalisten publik zu machen.

Das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL berichtet, die Verlängerung des Mandats für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr stoße zunehmend auf Widerstand. Auch in den Reihen der schwarz-roten Koalition greife Misstrauen um sich, dass die Bundesregierung die Situation in dem Land beschönigt. Die Zunahme von Anschlägen und die "ungewöhnliche Geheimniskrämerei" des Verteidigungsministeriums nährten Zweifel bei den Parlamentariern.

asc/dpa/ddp/Reuters/AFP

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