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25. Februar 2019, 09:14 Uhr

Wahl im Senegal

Regierungslager erklärt Staatschef Sall zum Sieger

Im Senegal lief die Wahl am Sonntag störungsfrei - doch jetzt meldet das Lager des Staatschefs Macky Sall vorschnell, sein Mann habe klar gewonnen. Die Opposition hofft weiter auf eine Stichwahl.

Im Senegal hat sich das Lager von Staatschef Macky Sall mit einer Ergebnisprognose gemeldet, ohne offizielle Resultate abzuwarten. Salls Kabinettschef und Parteifreund Mohammed Dionne erklärte, der Amtsinhaber habe mindestens 57 Prozent der Stimmen geholt. "Wir müssen dem Präsidenten zu seiner Wiederwahl in der ersten Runde gratulieren", sagte Dionne nur wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale.

Zwei Herausforderer hatten sich kurz zuvor gemeldet und vor einer vorschnellen Ausrufung eines Wahlsiegers gewarnt. Idrissa Seck sagte, die vorliegenden Ergebnisse würden vielmehr darauf schließen lassen, dass eine zweite Wahlrunde nötig werde. Der ebenfalls kandidierende Abgeordnete Ousmane Sonko sagte, zum jetzigen Zeitpunkt könne sich kein Kandidat zum Wahlsieger erklären.

Umfragen sind in den letzten vier Wochen vor der Wahl verboten. Die letzten Erhebungen sahen Amtsinhaber Sall zwar klar in Führung, ein Sieg im ersten Wahlgang wurde Sall aber den Umfragen zufolge nicht oder nur knapp zugetraut.

Bereits am Wahltag hatte Sall direkt nach Abgabe seiner Stimme an einem vorbereiteten Podium vor dem Wahllokal eine kurze Ansprache gehalten. "Der gewählte Präsident soll der Präsident aller Senegalesen sein. Und ich hoffe, dass ich dieser Präsident sein werde", sagte Sall.

Von mehreren Medien veröffentlichte Teilergebnisse sahen den Amtsinhaber am Montagmorgen in vielen Wahlbüros vorne. Der 56-Jährige ist seit 2012 Staatschef des Landes, das in Westafrika als Beispiel für Stabilität gilt. Gegen ihn traten vier Herausforderer an, von denen Seck und Sonko die meisten Chancen eingeräumt wurden.

Salls ursprünglich aussichtsreichste Rivalen, Dakars früherer Bürgermeister Khalifa Sall und der Sohn von Ex-Präsident Abdoulaye Wade, waren wegen mehrjähriger Haftstrafen im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen von der Wahl ausgeschlossen worden.

Der Präsident kann auf ein starkes Wirtschaftswachstum von zuletzt sieben Prozent verweisen. Seine Kritiker werfen ihm jedoch die stark gestiegene Staatsverschuldung vor. Viele Milliarden Euro teure Infrastrukturprojekte wurden mit ausländischem Geld finanziert. Das Durchschnittseinkommen der 15 Millionen Senegalesen liegt bei unter 200 Dollar im Monat, die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich unter Sall weiter vergrößert.

Im Senegal waren 6,7 Millionen Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Behörden hatten für die Wahl den Einsatz von 8000 uniformierten Polizisten sowie zahlreicher Zivilbeamter in den urbanen Zentren angekündigt. Nach Angaben des Innenministeriums waren zudem rund 5000 Wahlbeobachter im Einsatz, darunter knapp 900 von internationalen Beobachtermissionen.

cht/AFP

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