Gasvorkommen vor Westafrika Streit um Senegals Milliardenschatz

Senegals Präsident Macky Sall profiliert sich als Korruptionsbekämpfer. Nun wird seinem Bruder Beteiligung an einem zwielichtigen Gasgeschäft vorgeworfen. Wurde das Land um Milliarden Dollar geprellt?

Macky Sall, Präsident den Senegal
Charles Platiau/ REUTERS

Macky Sall, Präsident den Senegal

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Senegals Präsident Macky Sall gerät wegen eines BBC-Berichts über einen mutmaßlichen Korruptionsskandal um die reichen Gasvorkommen vor der Küste seines Landes unter Druck.

Die Vorwürfe richten sich in erster Linie gegen den Bruder des Staatschefs, den Geschäftsmann Aliou Sall, aber auch gegen die amtierende Regierung von Macky Sall sowie dessen Amtsvorgänger.

Präsident Sall sagte am Mittwoch, er verlange, dass "die Wahrheit wiederhergestellt wird", das werde seine Regierung unverzüglich tun. Zudem forderte Sall Beweise von denjenigen, die seinem Bruder Betrug vorwerfen.

Aliou Sall, Geschäftsmann und Bruder des Präsidenten
Christophe Van Der Perre/ REUTERS

Aliou Sall, Geschäftsmann und Bruder des Präsidenten

Eine Regierungssprecherin wies außerdem den Vorwurf zurück, durch das Gasgeschäft sei die senegalesische Bevölkerung um Milliarden Dollar geprellt worden. Solche Vorwürfe seien "pure Einbildung". Der BBC-Bericht sie "gespickt mit ernsten und falschen Anschuldigungen".

Der britische Sender hatte berichtet, der Bruder des Staatschefs Sall habe Geld von dem Geschäftsmann Frank Timis angenommen, und zwar für eine angebliche Gegenleistung: Timis durfte demnach durch eine Intervention der Sall-Regierung zwei Konzessionen für neuentdeckte Öl- und Erdgasfelder vor der senegalesischen Küste behalten, die er eigentlich verlieren sollte.

Öltanker im Hafen von Dakar, 2018
Seyllou/ AFP

Öltanker im Hafen von Dakar, 2018

Eine von Salls Regierung beauftragte Kommission soll dem BBC-Bericht zufolge empfohlen haben, dass der Geschäftsmann Timis die Konzessionen wieder verliert. Trotzdem behielt er sie und konnte sie schließlich für 250 Millionen Dollar an den britischen Ölkonzern BP verkaufen.

Alle Beteiligten bestreiten Fehlverhalten

Wie die BBC in ihrem Filmbeitrag zeigt, soll der Bruder des Präsidenten einen Beratervertrag mit Timis' Firma über 1,5 Millionen Dollar über fünf Jahre abgeschlossen haben. Der Vertrag soll an die Bedingung geknüpft gewesen sein, dass Timis' Firma die Konzessionen behält.

In einem weiteren Deal zwischen einem Timis-Unternehmen und BP sollen zudem bis zu zwölf Milliarden Dollar in Tantiemen bei erfolgreicher Förderung von Gas ab dem Jahr 2020 in Aussicht gestellt worden sein.

In einer schriftlichen Reaktion auf den ausgestrahlten Beitrag erklärte die Timis Corporation die Vorwürfe für "gänzlich falsch". Die Gewährung der Konzessionen durch die Regierung des damaligen Präsidenten Abdoulaye Wade seien ein "hochriskantes Investment" gewesen. Aufgrund des "Antriebs und der Erfahrung von Herrn Timis" hätten die Konzessionen nun das Potential "Milliarden Dollar Gewinne für die Einwohner Senegals zu generieren".

Timis ist schon früher mit Rohstoffdeals in afrikanischen Staaten aufgefallen, unter anderem in Sierra Leone. Wie Timis bestreiten auch Aliou Sall und der britische Ölkonzern BP auf Nachfrage der BBC, dass bei dem Geschäft Bestechungsgeld eine Rolle gespielt haben könnte.

Auch Aliou Sall sagte der BBC, die Vorwürfe seien "völlig falsch". BP teilte dem Sender zudem mit, alle Vertragsschlüsse mit Timis-Unternehmen seien auf ethische und rechtliche Unbedenklichkeit geprüft worden.

Für Sall ist die sogenannte Petro-Tims-Affäre heikel, weil er schon bei seiner Wahlkampagne im Jahr 2012 versichert hatte, sich gegen Korruption einzusetzen. In die Zeit kurz vor und kurz nach seiner Wahl fallen nun die Vorwürfe, welche die BBC-Gesprächspartner erheben.



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kochra8 08.06.2019
1. Wiedersehen in der Schweiz?
Solche hohen Beträge sind Volksvermögen und sind an Einzelpersonen ausgeschüttet ein Klau!
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