Ante Gotovina Serben entsetzt über Freispruch für kroatischen General

"Das reißt alte Wunden wieder auf": Serbien hat fassungslos auf den Freispruch für Ante Gotovina reagiert. Der kroatische General muss doch nicht für 24 Jahre in Haft. Das Uno-Gericht habe eine politische Entscheidung getroffen - und durch den Spruch jede Glaubwürdigkeit verspielt.
Gotovina vor Gericht in Den Haag: Sofortige Freilassung angeordnet

Gotovina vor Gericht in Den Haag: Sofortige Freilassung angeordnet

Foto: POOL/ Reuters

Den Haag - Serbien hat mit aller Schärfe gegen die Entscheidung des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien protestiert, den kroatischen Ex-General Ante Gotovina auf freien Fuß zu setzen. Dieser war 2011 wegen Kriegsverbrechen zu 24 Jahren Haft verurteilt worden. Die Richter des Uno-Tribunals in Den Haag hoben dieses Urteil jedoch am Freitag auf.

"Es ist klar, dass das Tribunal keine juristische, sondern eine politische Entscheidung gefällt hat. Das trägt nicht zur Stabilisierung der Lage in der Region bei. Dieser Spruch der Richter wird alte Wunden wieder aufreißen", erklärte der serbische Präsident Tomislav Nikolic in einer schriftlichen Stellungnahme.

Noch deutlicher wurde Vize-Premier Rasim Ljajic: "Mit diesem Freispruch hat das Tribunal jede Glaubwürdigkeit verspielt. Das ist ein Beispiel von willkürlicher Rechtsprechung."

Ex-General Gotovina war Befehlshaber der "Operation Sturm" gewesen, bei der kroatische Armeeeinheiten 1995 die von ethnischen Serben kontrollierte Region Krajina eroberten.

Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien hatte es 2011 als erwiesen angesehen, dass Gotovina maßgeblich für ungesetzliche Angriffe sowie Morde, Vertreibungen und Plünderungen in der seinerzeit von Serben bewohnten Region Krajina verantwortlich ist. Bei der "Operation Sturm" waren mehr als 300 serbische Zivilisten ermordet und mehr als 90.000 gewaltsam vertrieben worden. Der Prozess hatte damals rund drei Jahre gedauert.

"Sturm"-Aktion war als Selbstverteidigung legitim

Die Richter in Den Haag urteilten nun jedoch, dass die Aktion "Sturm" im Sinne der Selbstverteidigung legitim gewesen sei. Daher könnte den beiden kroatischen Generälen auch keine Schuld nachgewiesen werden.

Gotovina, der zu den meistgesuchten Kriegsverbrechern des Jugoslawien-Kriegs zählte, war im Dezember 2005 auf Teneriffa festgenommen worden. Der Prozess vor dem Uno-Tribunal hatte im März 2008 begonnen. Die Staatsanwaltschaft hatte für Gotovina sogar 27 Jahre Haft gefordert.

Neben Gotovina wurde auch Ex-General Mladen Markac freigesprochen. Er sollte eigentlich eine Haftstrafe von 18 Jahren absitzen. Auch bei ihm sah das Gericht nach eigenen Angaben keine schlüssigen Beweise, die ein solches Urteil rechtfertigen würden. Er kommt ebenfalls sofort frei.

jok/dpa/Reuters
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