Serbien Machtvakuum nach gescheiterter Präsidentenwahl

Zum dritten Mal ist die Wahl eines serbischen Präsidenten gescheitert. Die Wahlbeteiligung war zu gering. Nun macht sich Furcht in der früheren jugoslawischen Republik breit.


Belgrad - Die Wahlbeteiligung beim dritten Anlauf zur Wahl eines serbischen Präsidenten lag nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnissen bei nur 39 Prozent - das für eine Gültigkeit erforderliche Quorum liegt jedoch bei mindestens 50 Prozent. Da auch das Parlament in der vergangenen Woche aufgelöst wurde, hat sich in Serbien die Furcht vor instabilen Verhältnissen breit gemacht. Im Balkanstaat gibt es ein Machtvakuum.

Sorge bereitete vielen Beobachtern auch das gute Abschneiden des Ultranationalisten Tomislav Nikolic. Er erreichte nach dem vorläufigen Endergebnis rund 46 Prozent der Stimmen. Dragoljub Micunovic von der bislang regierenden Demokratischen Partei kam dagegen nur auf 35 Prozent. "Das ist eine Niederlage für Serbien", erklärte der 73-Jährige, der sein Scheitern in der Nacht zum Montag einräumte.

Der stellvertretende Ministerpräsident Zarko Korac nannte das Ergebnis eine Tragödie und warnte vor gefährlichen Zeiten. Es wird befürchtet, dass die angestrebte Integration Serbiens in die Europäische Union nun in Frage steht. Ministerpräsident Zoran Zivkovic machte die Uneinigkeit innerhalb der Reformbewegung für die Niederlage verantwortlich, versuchte jedoch, Befürchtungen von Instabilität und einer neuen Welle des Nationalismus zu zerstreuen.

Besonders bitter ist die Ungenügendheit der Wahl für den erfolgreichsten Kandidaten Nikolic von der Serbischen Radikalen Partei. Er äußerte sich bestürzt über die Annullierung. Sein gutes Abschneiden wertete er nicht zuletzt als Verdienst seines Parteichefs Voijislav Seselj. Dieser ist vor dem Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeklagt. Beobachter nannten das Wahlergebnis Weg weisend für die Parlamentswahl am 28. Dezember, bei der die Reformer angesichts der weit reichenden Desillusionierung in der Bevölkerung ebenfalls herbe Verluste erleiden könnten.



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