Russlands Außenminister Lawrow "Der Westen will einen Regimewechsel"

Die Sanktionen gegen Russland seien nur dazu da, die Regierung zu stürzen. Das behauptet der russische Außenminister Sergej Lawrow. Doch während die Wirtschaft schwächelt, profitiert Präsident Wladimir Putin.
Außenminister Sergej Lawrow, Wladimir Putin: Schwarz-Weiß-Denken statt "bunter Revolution"

Außenminister Sergej Lawrow, Wladimir Putin: Schwarz-Weiß-Denken statt "bunter Revolution"

Foto: EVARISTO SA/ AFP

Moskau - Die Wortgefechte zwischen Russland, der Europäischen Union und der USA gehen in eine neue Runde: Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat dem Westen vorgeworfen, er wolle durch die im Zuge des Ukraine-Konflikts verhängten Sanktionen einen Regimewechsel in Russland erreichen. Dies sagte er der Nachrichtenagentur Tass.

"Was das Konzept hinter den Sanktionen betrifft, so zeigt der Westen, dass er nicht Russland zu einer Änderung seiner Politik bewegen will, sondern dass er einen Regimewechsel bewirken will", sagte Lawrow bei einer Sitzung des russischen Rates für Außen- und Sicherheitspolitik in Moskau.

Lawrow verwies auf Sanktionen des Westens gegen den Iran und Nordkorea, die seiner Auffassung nach so gestaltet seien, dass sie die Wirtschaft dieser Länder nicht beeinträchtigten. "Nun sagen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in westlichen Ländern, es müssten Sanktionen verhängt werden, die die Wirtschaft zerstören und öffentliche Proteste hervorrufen", sagte der Außenminister.

Russland wappnet sich gegen eine "bunte Revolution"

Erst am Donnerstag hatte der russische Präsident Wladimir Putin erklärt, Russland müsse sich gegen eine "bunte Revolution" wappnen. Er hatte damit auf die Orange Revolution im Nachbarland Ukraine und Massenkundgebungen in anderen früheren Sowjetrepubliken angespielt, die zu einem Umsturz geführt hatten.

Die USA und die EU haben Strafmaßnahmen gegen Russland verhängt, die einigen der größten russischen Unternehmen und Banken den Zugang zu ausländischem Kapital verwehren sowie die Energie- und Rüstungsindustrie des Landes treffen. Außerdem wurden einige von Putins Verbündeten mit Reisebeschränkungen belegt und ihre Konten eingefroren.

Die Strafmaßnahmen schlagen auf die russische Wirtschaft durch und beschleunigen ihren Abschwung. Ohnehin macht der sinkende Rohölpreis dem Energieexporteur zu schaffen. Seit Jahresbeginn hat zudem der Rubel gegenüber dem Dollar fast 30 Prozent an Wert verloren.

Andererseits ist Putins Popularität im eigenen Land seit der Annexion Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim, auf der die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist, in die Höhe geschnellt.

Putin wirft dem Westen vor, hinter Massenprotesten in der Ukraine zu stecken, die im Februar zum Sturz des Russland-freundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch geführt hatten. Dagegen macht der Westen Russland für die Ukraine-Krise verantwortlich und hält der Führung in Moskau vor, die prorussischen Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen sowie sein Nachbarland destabilisieren zu wollen. US-Vize-Präsident Joe Biden Russlands Verhalten inakzeptabel und forderte die Einhaltung der Waffenruhe sowie den Abzug russischer Soldaten aus der Ostukraine.

isa/Reuters
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