Russisch-britisches Hickhack vor der OPCW London lehnt gemeinsame Untersuchung im Fall Skripal ab

Briten und Russen streiten über den Giftanschlag von Salisbury auf einer neuen Bühne: Im Exekutivrat der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen wirft London dem Kreml Desinformation vor.
OPCW in Den Haag

OPCW in Den Haag

Foto: BART MAAT/ AFP

Russland und Großbritannien nutzten die Krisensitzung des Exekutivrats der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) zum Fall Sergej Skripal für einen Schlagabtausch. Großbritannien lehnte den Vorschlag Russlands für eine gemeinsame Untersuchung des Nervengiftanschlags von Salisbury ab.

Es handle sich dabei um ein Ablenkungsmanöver, twitterte die britische Delegation bei der OPCW. Russland wolle lediglich weitere Desinformationen streuen, um sich vor den eigentlichen Fragen wegzuducken, die die russischen Behörden beantworten müssten.

Substanzielles ist am ersten Tag der Beratungen über den Nervengiftanschlag von Salisbury in Den Haag kaum zu erwarten. Im Exekutivrat sind 40 Staaten vertreten, aktuell gehören auch Russland und Großbritannien dazu.

EU fordert Russlands Kooperation bei den Ermittlungen

Die Bundesregierung wies die russischen Unschuldsbeteuerungen ebenfalls zurück und sprach von Nebelkerzen. Über die Untersuchung der Nervengiftspuren hinaus gebe es weitere Erkenntnisse, die auf Russland als Urheber des Anschlags hindeuteten, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Ein britische Chemiewaffenlabor hatte am Dienstag erklärt, die Herkunft des Gifts lasse sich nicht exakt bestimmen. Es stamme aber sehr sicher aus staatlicher Herstellung.

Die EU forderte Russland auf, mit der OPCW bei deren Untersuchung zu kooperieren. Die Regierung in Moskau müsse die legitimen Fragen Großbritanniens beantworten, erklärte die EU bei der Sondersitzung in Den Haag, die auf Betreiben Russlands einberufen worden war. Nach Einschätzung aus Diplomatenkreisen dürfte dabei jedoch nicht die Zweidrittelmehrheit zustande kommen, um eine neue, gemeinsame Untersuchung zu starten.

Die OPCW überwacht die Einhaltung der Chemiewaffenkonvention von 1997. Großbritannien macht die Regierung in Moskau für den Anschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter verantwortlich, was der Kreml zurückweist.

Die OPCW hatte nach dem Anschlag in Salisbury Proben genommen, die in zwei unterschiedlichen Labors untersucht werden sollen. Die Ergebnisse sollen voraussichtlich in der kommenden Woche vorliegen.

cht/dpa/Reuters
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