Fall Skripal Islands Politiker boykottieren Fußball-WM in Russland

Island hat sich erstmals für die WM-Endrunde qualifiziert. Aber wegen des Giftangriffs auf den Ex-Spion Sergej Skripal wollen die Politiker des Landes dem Turnier fernbleiben. Und immer mehr Staaten weisen russische Diplomaten aus.
Island fährt erstmals zu einer WM

Island fährt erstmals zu einer WM

Foto: Brynjar Gunnasrson/ AP

Nach dem Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien haben die USA, Deutschland sowie 20 weitere Länder in einer bislang beispiellosen Gemeinschaftsaktion mehr als 110 russische Diplomaten und Geheimdienstmitarbeiter ausgewiesen. Zuletzt schloss sich Australien an - und Island erklärte als erstes Land einen diplomatischen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland.

Die isländische Fußballnationalmannschaft ist zum ersten Mal bei einer WM-Endrunde dabei. Noch nie gab es ein kleineres Land, das sich dafür qualifiziert hat: Island hat nur 334.000 Einwohner.

Russland müsse eine glaubhafte Erklärung liefern, wie es dazu gekommen sei, dass ein ursprünglich in sowjetischen Laboren hergestelltes Nervengift gegen Zivilisten in Großbritannien eingesetzt worden sei, hieß es aus dem isländischen Außenministerium. Der "gesamte bilaterale Dialog auf hoher Ebene mit russischen Behörden" werde nun eingestellt und "als Konsequenz werden isländische Spitzenvertreter diesen Sommer nicht der Fifa-WM in Russland beiwohnen".

Kreml kündigt Vergeltung an

Russland wies die Vorwürfe des Westens erneut als haltlos zurück - und kündigte Vergeltung für die Ausweisungen russischer Diplomaten an. Die Verbündeten Großbritanniens folgten "blind dem Grundsatz der euroatlantischen Einheit entgegen dem gesunden Menschenverstand", teilte das russische Außenministerium mit.

"Natürlich werden wir dem Prinzip der Gegenseitigkeit folgen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Agenturen zufolge. Das Außenministerium und andere Behörden würden die Situation und den Konflikt um den Giftanschlag zunächst gründlich analysieren und weitere Schritte vorschlagen. "Eine endgültige Entscheidung wird aber der Präsident treffen."

EU-Ratspräsident Donald Tusk erklärte im bulgarischen Warna, es sei nicht ausgeschlossen, dass in den kommenden Tagen und Wochen weitere Maßnahmen ergriffen würden, zum Beispiel weitere Ausweisungen. Zur Begründung verwies er auf die Erklärung des EU-Gipfels vom Ende vergangener Woche. Darin hatten die Staats- und Regierungschefs erklärt, man stimme mit London überein, dass Moskau mit hoher Wahrscheinlichkeit die Verantwortung für den Anschlag trage.

In Salisbury soll noch in dieser Woche mit der Dekontamination einiger Gebäude begonnen werden. Davon sind auch das Restaurant und der Pub betroffen, in dem sich Skripal mit seiner Tochter Yulia am Tag des Attentats aufgehalten hat, wie der Fernsehsender Sky News berichtete.

Die Zahl der Menschen, die mit dem Gift in Kontakt gekommen sein könnten, bezifferte die britische Premierministerin Theresa May auf mehr als 130. Die Dekontamination sei nach Angaben der Polizei aber eine reine Vorsichtsmaßnahme; die Öffentlichkeit sei nicht in Gefahr.

vet/dpa/Reuters