Sex-Skandal Britische Immigrationsbehörde unter Beschuss

Der Sex-Skandal um die britische Einwanderungsbehörde spitzt sich zu. Im Londoner Stadtteil Croydon soll ein Mitarbeiter des Einwanderungsamts einen Teenager erpresst haben. Gestern entließ das Innenministerium den Mann.


Bereits im Januar dieses Jahres hatte ein Sachbearbeiter des Einwanderungsamtes Croydon im Süden Londons schwere Vorwürfe erhoben. Attraktiven Brasilianerinnen sei oft ein doppelt so langer Aufenthalt in Großbritannien erlaubt worden als brasilianischen Männern, zitierte die Zeitung "The Sun" den Beamten. Gegenüber weniger attraktiven Frauen hätten sich die Mitarbeiter dagegen unerbittlich gezeigt.

Jetzt spitzt sich die Lage zu: Nach Ermittlungen des britischen "Observer" soll der Coydon-Mitarbeiter eine 18-Jährige zwei Wochen lang bedrängt haben. Der 53-Jährige habe der Frau aus Zimbabwe Hilfe bei ihrem Asylantrag angeboten und dabei durchblicken lassen, dass er als Gegenleistung Sex erwarte. Gestern Abend gab das Innenministerium seine Entlassung bekannt und kündigte umfassende Untersuchungen an.

Der "Guardian" berichtet, Dawute habe die Frau aus einer Warteschlange von Asylbewerbern ausgesucht und nach ihrer Telefonnummer gefragt. In mehreren Textnachrichten und Handy-Anrufen habe er sein Interesse bekräftigt und die Bankdaten der Frau erfragt, um ihr mit Geld auszuhelfen.

Später habe er in einem 90-minütigen Treffen mit der Frau, die in ihrem Heimatland vergewaltigt wurde, betont, er wisse, wie man ihren Fall gewinnen könne. Auf die Frage nach Sicherheiten, habe er den Teenager gebeten, ihn in ein Hotel zu begleiten. "Ich werde es Ihnen sagen, wenn wir allein sind, denn wir werden Sex haben", zitiert das Blatt den Mann.

Der Fall hat Vertreter aller Parteien in Aufregung versetzt: Schatten-Innenminister David Davis sprach von "entehrenden und schockierenden" Ereignissen. Nick Clegg, innenpolitischer Sprecher der Liberaldemokraten, erklärte: "Korruptionsbeweise bei der Einwanderungsbehörde sind von größter Tragweite. Sollten sich hier Inkompetenz und Korruption zusammenschließen, ist das der Todesstoß für den letzten Rest an Glaubwürdigkeit, den wir in diesem Bereich noch haben."

Vom "Observer" mit den Vorgängen konfrontiert, stritt der Mann ab, eine sexuelle Beziehung mit der jungen Frau angebahnt oder ihr Hilfe angeboten zu haben. Er habe auch gar nicht die Macht, auf ihren Asylantrag Einfluss zu nehmen. "Sie ist ein verletzliches Vergewaltigungsopfer", sagte der Angeschuldigte. "Ich würde nie mit ihr schlafen wollen. Ich bin der Vater von vier Kindern."

dan



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