Sexismus im französischen Parlament "Hören Sie auf, ich bin kein Huhn!"

Philippe Le Ray ist Abgeordneter der französischen Nationalversammlung und ein Mann mit schlechten Manieren: Er störte die Rede einer Grünen-Politikerin mit kindischem Gegacker. In Frankreich hat der Vorfall eine Debatte ausgelöst - über Sexismus und Alkohol in der Politik.

Abgeordnete Massonneau: "Es reicht!"
AFP

Abgeordnete Massonneau: "Es reicht!"


Paris - Es war eine gewöhnliche Parlamentsdebatte in der französischen Nationalversammlung. Zum Abschluss eines langen Sitzungstags diskutierten die Abgeordneten am Dienstagabend über die Anhebung der Beitragszeit für die Rente. Auch die Grünen-Abgeordnete Véronique Massonneau meldete sich zu Wort. Doch sie musste ihre Rede gleich mehrfach unterbrechen.

Als die Politikerin sprach, fing ihr konservativer Parlamentskollege Philippe Le Ray von der Sarkozy-Partei UMP nämlich an, wie ein Huhn zu gackern. Massonneau stoppte ihre Ansprache und wandte sich direkt an Le Ray: "Es reicht! Hören Sie auf, ich bin kein Huhn", sagte sie.

Dann fuhr die Abgeordnete mit ihrer Rede fort. Doch Le Ray hörte nicht auf, die Grünen-Politikerin zu stören. Schließlich schritt der Präsident der Nationalversammlung, Claude Bartolone, ein: "Es gibt Dinge in diesem Haus, die ich niemals akzeptieren werde. Dass ein Abgeordneter versucht, sich in einen Vogel zu verwandeln, während eine Kollegin spricht, ist nicht hinnehmbar", sagte Bartolone. "Ich verstehe, dass beide Seiten ihre Standpunkte verteidigen, aber nicht, dass Sie dieses Haus zum Spielplatz machen." Ein Video zeigt die Szene, Le Rays Gackerlaute sind dabei aber nicht deutlich zu hören.

"Ich glaube, er war betrunken"

Parlamentsabgeordnete berichteten, dass Le Ray und einige Parteifreunde nach einer Sitzungspause sehr aufgekratzt wirkten. Massonneau sagte nach der Sitzung in einem Fernsehinterview über ihren Kollegen: "Ich glaube, er war betrunken. Er hat gegackert und gegurrt." Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem sagte, es sei bedauerlich, dass einige Abgeordnete Schwierigkeiten hätten, "nach feuchtfröhlichen Abendessen eine Form zu behalten, die ihrer Funktion gerecht wird".

In Frankreich hat der Vorfall eine Sexismus-Debatte ausgelöst. "Diese Art von Sexismus beleidigt die Republik und darf nicht unbestraft bleiben", twitterte der stellvertretende Entwicklungsminister Pascal Canfin. Die sozialistische Abgeordnete Catherine Coutelle sagte: "Sexistische Äußerungen blühen weiterhin im Parlament. Das ist unerträglich."

Parlamentschef Bartolone hat die Fraktionschefs der Nationalversammlung zu einer Sondersitzung zitiert.

Auf Le Rays Facebook-Seite machten nach der Rede Tausende Franzosen ihrem Ärger Luft. Daraufhin nahm er die Seite am Mittwochvormittag vom Netz. Auf Twitter schrieb jemand: "Philippe Le Ray hat bewiesen, dass sich sein IQ dem eines Huhns annähert."

syd

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insgesamt 37 Beiträge
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LDaniel 09.10.2013
1. Interessant
Interessant: Wenn ein Konservativer in Frankreich die Rede einer Linken/Grünen Politikerin stört, ist das eine Nachricht wert? Fallen nicht grade in Deutschland die Linken/Grünen ununterbrochen damit auf, dass sie die Reden der Anderen teilweise massiv und sehr kindisch stören??? Darüber habe ich noch keinen Bericht hier jemals gesehen... .
Steuerzahler0815 09.10.2013
2.
Da sieht man es wie die Grünen sich wieder lächerlich machen In einem Land wie Frankreich wo Männer systematisch benachteiligt zu werden von Sexismus zu sprechen ist zwar wahr, allerdings wird es von den Grünen auf dreiste Weise ins Gegenteil verkehrt
FocusTurnier 09.10.2013
3. #Ühfschrei?
Zitat von sysopAFPPhilippe Le Ray ist Abgeordneter der französischen Nationalversammlung und ein Mann mit schlechten Manieren: Er störte die Rede einer Grünen-Politikerin mit kindischem Gegacker. In Frankreich hat der Vorfall eine Debatte ausgelöst - über Sexismus und Alkohol in der Politik. Sexismus gegen Véronique Massonneau in Frankreichs Nationalversammlung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/sexismus-gegen-veronique-massonneau-in-frankreichs-nationalversammlung-a-927000.html)
Die armen Franzosen. Wirtschaftskrise, Bildungskrise und jetzt noch eine Diskussion mit Gender-Feministinnen. "Leben wie Gott in Frankreich" ist wohl auch nicht mehr, was es mal war.
Ariwer 09.10.2013
4. Wenn
die Franzosen keine anderen Themen im Parlament zum diskutieren haben, können sie einem leid tun. Wer sich durch Geräusche oder Zwischenrufe beleidigt fühlt kann ja klagen. Eine öffentliche Disskussion finde ich diesbezüglich überzogen. Sexismus ist die billigste Variante, vom eigentlichen Geschehen abzulenken. Ist nicht mal gutes Entertainment. Wenn Politik schon inhaltslos ist, sollte sie wenigsten das Volk amüsieren. Wäre dann wenigstens nicht völlig sinnlos.
Vito.Andolini 09.10.2013
5. Die Grünen...
Die Grünen haben für sich europaweit immer das Recht in Anspruch genommen, politische Gegner zu stören. Auch im Deutschen Bundestag gibt es immer wieder derartige "Aktionen", v.a. wenn Unionspolitiker reden. Aber wenn sie selbst mal von solchen Störungen betroffen werden, machen sie gleich das ganz große Faß auf. Aber das ist typisch für sie: sie fordern für ihre Ansichten vehement Toleranz ein, sind aber nicht bereit, andere Ansichten und Verhaltensweisen zu tolerieren...
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