Shelter-Now-Mitarbeiter "Unsere Freilassung war ein Wunder"

Die drei Monate in Afghanistan inhaftierten Mitarbeiter der Hilfsorganisation Shelter Now sind frei. Sie kamen in der vergangenen Nacht in Pakistan an.


Erleichterung nach Monaten der Ungewissheit: Die vier freigelassenen deutschen Geiseln bei ihrer Ankunft in der deutschen Botschaft in Islamabad
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Erleichterung nach Monaten der Ungewissheit: Die vier freigelassenen deutschen Geiseln bei ihrer Ankunft in der deutschen Botschaft in Islamabad

Islamabad - Der deutsche Shelter-Now-Projektleiter Georg Taubmann hat seine Freilassung und die seiner sieben Kollegen als ein Wunder bezeichnet. Nach seiner Ankunft in der deutschen Botschaft in Islamabad sagte Taubmann am Donnerstagmorgen: "Das ist ein Wunder, dass wir da unverletzt herausgekommen sind." Die radikal-islamischen Taliban hätten die acht Shelter-Mitarbeiter vor dem Fall von Kabul in einen Container gepfercht und darin in die Stadt Ghasni transportiert. Sie hätten zwei Nächte in fünf verschiedenen Gefängnissen zugebracht bei sehr großer Kälte. Die Rettung sei in Ghasni gekommen. Dort hätten ihnen Kämpfer der Nordallianz und Einheimische die Gefängnistore geöffnet. "Es war wie ein Fest. Alle haben uns umarmt."

Taubmann sagte weiter: "Wir haben befürchtet, wenn uns die Taliban nach Kandahar bringen, dann bedeutet das das Ende für uns." Nach der Rettung hätten die Amerikaner zunächst gezögert, sie mit Hubschraubern abzuholen, weil sie Angriffe der Taliban befürchteten. Auch die drei deutschen Kolleginnen von Taubmann waren sehr glücklich über ihre Rückkehr.

Ein US-Hubschrauber hatte die insgesamt acht ausländischen Mitarbeiter der deutschen Hilfsorganisation kurz zuvor von Ghasni nach Rawalpindi bei Islamabad in Pakistan ausgeflogen. Die zwei Amerikanerinnen, zwei Australier und vier Deutschen wurden von den Botschaftern ihrer Heimatländer in Empfang genommen.

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) zeigte sich am Donnerstagmorgen erfreut über die Freilassung. "Eine bedrückende Zeit der Haft unter schwierigsten Bedingungen ist zu Ende", erklärte Fischer.

Die sechs Frauen und zwei Männern waren Anfang August von den radikal-islamischen Taliban in Kabul festgenommen worden. Sie waren unter dem Vorwurf, christliche Missionierung betrieben zu haben, inhaftiert und vor Gericht gestellt worden.



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