Sherpas im Himalaya Unter Höchstlast

Der Tourismus im Himalaya boomt. Die einheimischen Sherpas verdienen ihr Geld als Träger und Bergführer - setzen sich aber enormen Gefahren aus. Der Fotograf Adriano Marzi hat sie begleitet.

Adriano Marzi

Das Frühjahr im Himalaya war tödlich. Elf Bergsteiger starben am Mount Everest, weitere zehn an anderen Achttausendern in der Umgebung. Immer häufiger wird Kritik an den Behörden laut: Zu viele, zu unerfahrene Touristen würden auf die hohen Berge gelassen. Am Everest kam es auf dem Weg zum Gipfel gar zu gefährlichen Staus.

Der Bergtourismus im Himalaya wäre ohne die einheimischen Sherpas unmöglich. Sie arbeiten als routinierte Bergführer und schleppen riesige Lasten über die steilen Pässe - Ausrüstung, Zelte, Verpflegung. Und sie haben damit einen der gefährlichsten Jobs der Welt: Etwa ein Drittel der Todesopfer am Mount Everest seit Beginn der Aufzeichnungen waren Sherpas. Ein Sherpa am Everest begebe sich statistisch gesehen in eine höhere Lebensgefahr als US-Soldaten im Irakkrieg, schrieb die "Washington Post" 2014.

Der italienische Fotograf Adriano Marzi liebt das Bergsteigen zwar auch, hält aber wenig von der Gipfeljagd: "Ich finde, dass man die Macht eines Berges auch spürt, wenn man von unten zum Gipfel hinaufblickt." Zwei Wochen lang hat er Sherpas im Himalaya bei ihrer Arbeit begleitet und fotografiert.

Die Sherpas setzten sich dieser Gefahr aus, weil es in der Region kaum andere Arbeit gebe, sagt Marzi. "Bevor die ausländischen Bergsteiger kamen, hatten Sherpas gar kein Interesse daran, die Berge zu erklimmen." In ihrer Muttersprache gebe es nicht einmal ein Wort für "Gipfel".

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