Sicherheit in Thailand Terroristenjäger im Lächel-Paradies

Thailand hat die Gefahr durch Terroristen lange verharmlost, um Touristen nicht abzuschrecken - dann kamen die Anschläge vom Valentinstag. Ein neuer Sicherheitschef warnt nun: Kontrollen sind zu lasch, Kriminelle haben es bei der Einreise zu leicht. Wird das Land der offenen Grenzen bald weniger liberal?
Von Freddy Surachai
Thailändische Sicherheitskräfte in Bangkok: "Bisher keine wirklich guten Geheimdienste"

Thailändische Sicherheitskräfte in Bangkok: "Bisher keine wirklich guten Geheimdienste"

Foto: PORNCHAI KITTIWONGSAKUL/ AFP

Sicherheitsexperten hatten es schon lange gefordert. Nach den Bomben-Explosionen vom Valentinstag hat nun auch Thailands Regierung ernst gemacht: Vizepremier Chalerm Yubamrung verkündete "Ich muss dafür sorgen, dass unser Land gut und glaubwürdig dasteht" und beauftragte den Chef des Nationalen Sicherheitsrates (NSC), Wichean Potephosree, mit einer Zusatzaufgabe: Er soll künftig die Arbeit aller sicherheitsrelevanten Behörden und Organisationen Thailands koordinieren.

De facto hat Thailand damit zum ersten Mal einen obersten Terroristenjäger. Denn die Bomben-Explosionen am 14. Februar in Bangkok, die Festnahme eines potenziellen Bombenbauers schon vier Wochen zuvor, die Reisewarnungen vor allem der USA und das verheerende internationale Medienecho auf das ungeschickte Taktieren der Behörden haben Thailands Regierende nachhaltig aufgeschreckt.

"Bisher hatten sie keine wirklich guten Geheimdienste", kritisiert Thitinan Pongsudhirak, Direktor des Instituts für Sicherheit und Internationale Studien an der renommierten Bangkoker Chulalongkorn-Universität. "Es lief alles recht unkoordiniert, die Analysen waren dürftig." An der Polizei habe es nicht gelegen, befindet Michael Montesano vom Institut für Südostasien-Studien in Singapur. Die habe durchaus fähige Leute. "Aber wie die Bürokratien überall haben sie große Schwierigkeiten, ihre Arbeit mit anderen Regierungsorganisationen abzustimmen."

Bangkok verharmloste die Gefahr - um Touristen nicht abzuschecken

Das soll nun alles anders werden. "Meine Aufgabe wird die Koordinierung aller Geheimdienstoperationen sein, die auf Einzeltäter oder Gruppen abzielen, die eine Gefahr für unsere nationale Sicherheit bilden könnten. Ich muss die Spionageabwehr kontrollieren und die Berichte aller Dienste sammeln und analysieren", sagt Wichean. Er hat weitreichende Kompetenzen: Ihm untersteht künftig nicht nur der Nationale Sicherheitsrat. Er hat auch Zugriff auf den Geheimdienst NIA, das Innenministerium, die Polizei und das Außenministerium sowie alle nachgeordneten Behörden - bis hin zur "Bank of Thailand".

Bisher hat die thailändische Regierung stets bestritten, dass der internationale Terrorismus auch das "Land des Lächelns" erreicht hat. "Sie hatten einfach Angst, dass die Bomben-Explosionen ein weiterer Schlag für das Image des Landes als sichere Touristen-Destination sein würden, vor allem wenn sie zugeben, dass es sich um Terrorattacken gehandelt hat," analysiert Maria Patrikainen vom Forschungsinstitut für Sicherheitsfragen IHS Jane's die thailändische Taktik des Herunterspielens und Verharmlosens.

Doch nachdem allmählich deutlich geworden ist, dass die für die Explosionen am Valentinstag verantwortliche Terrorzelle viel größer war, als bisher angenommen, hilft kein Abwiegeln mehr: Insgesamt sieben Verdächtige - alle iranischer Herkunft - hat die Polizei inzwischen aufgespürt. Nur drei konnten bisher dingfest gemacht werden. Nach den anderen vier Verdächtigen wird weiter gefahndet. Alle Anzeichen deuten aber darauf hin, dass sie in den Iran zurückgekehrt sind. Auch der vermutliche Kopf des Kommandos, Norouzi Shayan Ali Akbar, ist flüchtig. Entdeckt wurden die mutmaßlichen Mitglieder des Bomben-Kommandos mit Hilfe der 15.000 Überwachungskameras in Bangkoks Straßen. Noch in diesem Jahr sollen weitere 10.000 installiert werden.

Trotz der jüngsten Anschläge gilt Thailand bei Sicherheitsexperten allerdings nicht als klassisches Ziel für den internationalen Terrorismus, eher als Durchgangsstation und sicherer Hafen - und das seit vielen Jahren. Waffenhändler wie der Russe Victor But, Kriminelle jeder Couleur, Drogenschmuggler und Pädophile haben immer wieder Zuflucht in Thailand gesucht - und gefunden.

Beliebte Drehscheibe für illegale Geschäfte

"Bangkok ist in Südostasien eine attraktive Drehscheibe für gesetzestreue Geschäftsleute", stellt die US-Sicherheitsberatungsagentur Stratfor fest. "Aber es ist auch eine beliebte Drehscheibe für illegale Geschäfte." Bangkok sei beispielsweise "ein Umschlagplatz für gefälschte Dokumente, rund um den Erdball ein lukratives Geschäft und Teil der kriminellen Unternehmungen der Hisbollah", heißt es in der Stratfor-Analyse.

Thailand gilt weltweit als ein Land der offenen Grenzen - und der laschen Kontrollen im Bereich Geldwäsche und Terror-Finanzierung. NSC-Chef Wichean gibt zu: "Auf der ganzen Welt drohen Gefahren - aber unser Land ist ein schwaches Glied." Die Financial Action Task Force (FATF), eine in Paris ansässige internationale Organisation zur Bekämpfung der Geldwäsche, hat seit Jahren gewarnt. Geschehen ist nichts.

Erbost hat die FATF Thailand jetzt auf die Schwarze Liste der 15 Länder gesetzt, die beim Kampf gegen Geldwäsche und Terror-Finanzierung weltweit am wenigsten kooperativ sind. Doch Vizepremier Yuthasak Sasiprapa sieht das im Gegensatz zu führenden Wirtschaftsvertretern gelassen und wiegelt nach gewohnter Manier ab: "Ich bestreite, dass Thailand ein guter Platz zur Geldwäsche ist. Thailand ist ein Transitland, weil es gut und schnell durchquert werden kann." Wichean wird in seinem neuen Job an vielen Fronten kämpfen müssen, nicht nur mit der Bürokratie in den eigenen Reihen, sondern auch mit seinen Oberen in der Politik.

Eine Konsequenz aus den Explosionen vom Valentinstag haben Thailands Behörden allerdings sehr schnell gezogen: Das Tourismusministerium legte die bereits verkündeten Visa-Erleichterungen für Reisende aus dem Mittleren Osten auf Eis. Ursprünglich war geplant, dass Iraner und Staatsangehörige anderer Länder des Mittleren Ostens künftig ihr Visum ohne weitere Kontrollen direkt bei der Einreise erhalten sollten. Daraus wird nun nichts mehr.

Die Maßnahme ist dennoch halbherzig: Über Malaysia können Iraner derzeit visa-frei nach Thailand einreisen. Die Mitglieder des Bombenkommandos, das das "Land des Lächelns" so nachhaltig aufgeschreckt hat, kannten das Schlupfloch genau: Sie waren unauffällig als Touristen von Kuala Lumpur auf die Ferieninsel Phuket geflogen, bevor sie sich auf den Weg zu ihrem Einsatzort Bangkok gemacht haben.

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