Sicherheit US-Diplomaten wehren sich gegen Einsatz im Irak

Empörung und Streit im US-Außenministerium: Hunderte Diplomaten wehren sich gegen eine Verfügung, nach der sie in den Irak zwangsversetzt werden können. Die Anweisung sei eine "potentielle Todesstrafe", hieß es.


Washington - Die Mitarbeiterversammlung dauerte mehrere Stunden und es wurde heftig gestritten: Hunderte US-Diplomaten wehren sich gegen eine neue Verfügung des US-Außenministeriums, nach der sie in den Irak zwangsversetzt werden können - oder im Fall der Ablehnung ihren Job riskieren.

Die US-Botschaft in Bagdad: US-Diplomaten wehren sich gegen einen Zwangseinsatz im Irak
AFP

Die US-Botschaft in Bagdad: US-Diplomaten wehren sich gegen einen Zwangseinsatz im Irak

Bei der Anweisung handele sich um eine "potentielle Todesstrafe", sagte der altgediente Diplomat Jack Crotty unter lautem Applaus. Es sei ein Unterschied, ob Mitarbeiter des diplomatischen Dienstes freiwillig im Irak arbeiten oder zwangsverpflichtet würden. "Wer zieht unsere Kinder auf, wenn wir tot sind oder verletzt werden?", fragte Crotty laut einem Bericht von CNN.

Viele Mitarbeiter klagten über die Gefahren im Irak und verwiesen auf Angriffe auf die Grüne Zone in Bagdad - das hochgesicherte Viertel in der irakischen Hauptstadt, in dem auch die US-Botschaft liegt.

Die Anweisung des Außenministeriums war in der vergangenen Woche bekannt geworden. Das Ministerium hatte seine Mitarbeiter allerdings nicht direkt informiert, vielmehr erfuhren die Diplomaten durch Zeitungsberichte von den Plänen.

Insgesamt sind in den nächsten Monaten 250 Stellen im Irak neu zu besetzen - sie werden aufgrund normaler Personalrotation frei. Die meisten Positionen werden von Diplomaten übernommen, die freiwillig ihren Dienst im Irak aufnehmen. 50 Stellen sind aber weiterhin unbesetzt. Diejenigen Mitarbeiter, die für die vakanten Stellen ausgewählt werden, sollen innerhalb von zehn Tagen ihre Entscheidung treffen - so ist es in der Anweisung des Außenministeriums geregelt. Lehnen sie ab, riskieren die Diplomaten ihren Job.

Harry Thomas, der zuständige Mitarbeiter des Ministeriums, verteidigte die Maßnahme. Das Außenministerium müsse seine Pflichten wahrnehmen. "Wir alle haben uns zu weltweiter Verfügbarkeit bereit erklärt", appellierte er an die Diplomaten.

Es ist das erste Mal seit Jahrzehnten, dass das US-Außenministerium auf Zwangsversetzungen in ein Krisengebiet zurückgreift. In der Vergangenheit wurden entsprechende Stellen nur von Mitarbeitern besetzt, die sich freiwillig für einen solchen Einsatz gemeldet hatten. Zwangsversetzungen hatte es zuletzt in der Zeit des Vietnam-Krieges gegeben.

hen



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