Sicherheitskonferenz Obamas Berater rügt mangelnde Hilfe für Afghanistan

Schnellere Entscheidungen, verbesserte Krisendiplomatie: Nur so lassen sich "weitere Afghanistans" verhindern, sagt Obamas Sicherheitsberater Jones. Er wirft der Nato Versagen beim zivilen Wiederaufbau am Hindukusch vor - und fordert neue Aufgaben für das Bündnis.

Von Alexander Szandar, München


München - Ein stärkeres Engagement der Nato-Partner in Afghanistan hat der neue Chef des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Ex-General James Jones, gefordert. In einem Gespräch mit SPIEGEL ONLINE am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz betonte der Sicherheitsberater des neuen Präsidenten Barack Obama, es gehe nicht zwingend um mehr Truppen für das Land am Hindukusch.

US-Sicherheitsberater Jones, Präsident Karzai: "Weitere Afghanistans verhindern"
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US-Sicherheitsberater Jones, Präsident Karzai: "Weitere Afghanistans verhindern"

Nötig sei vor allem stärkere Unterstützung beim zivilen Wiederaufbau, insbesondere von Polizei und der Justiz. "Auf diesen Gebieten hat die internationale Gemeinschaft bisher versagt", kritisierte Jones. Das gelte auch für den Kampf gegen den Drogenanbau.

Auch die Beratung der afghanischen Regierung bei wirtschaftlichen und administrativen Problemen könnte "durchaus noch verbessert werden", meinte Jones, der früher als Nato-Oberbefehlshaber auch für die militärischen Operationen in Afghanistan zuständig war. Insgesamt habe der Weltgemeinschaft bisher "der politische Wille gefehlt, zur Umsetzung der politischen Visionen für Afghanistan die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen", rügte der Präsidentenberater.

Um "weitere Afghanistans zu verhindern", müsse die Nato ihre Fähigkeiten zur "präventiver Krisendiplomatie verbessern", forderte Jones. Dazu müsse sie auch ihre "Entscheidungsprozesse straffen" und "insgesamt flexibler" werden, sagte der Obama-Berater mit Blick auf ein neues "strategisches Konzept", das der Nato-Gipfel Anfang April bei seinem Treffen in Strassburg und Kehl in Auftrag geben will.

Die 2002 beschlossene "Transformation" der Allianz – weg von rein statischer Verteidigung des Bündnisgebiets zu weltweiten Einsätzen – habe sich bedauerlicherweise nur auf die militärischen Strukturen erstreckt. "Die Doktrin hat sich im Prinzip kaum verändert", die Abläufe vor Entscheidungen seien nach wie vor "zu schwerfällig", so Jones.

Künftig müsse sich die Allianz ihre zivilen Fähigkeiten stärken und sich mehr um Aufgaben kümmern, "die nicht in ihrem traditionellen Portfolio waren", forderte der General. Dazu zähle der Kampf gegen die Piraterie, gegen wirtschaftliche Probleme und der Schutz der Datennetze vor Hacker-Attacken.

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Seite 1
Beutz 06.02.2009
1.
Zitat von sysopAußenminister Steinmeier eröffnet heute die Sicherheitskonferenz in München. Er fordert eine gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur, die auch Russland mit einschliessen müsse, sowie neue Anstrengungen bei der Abrüstung. Was denken Sie - kann die Konferenz dazu beitragen, Konflikte zu mindern?
Richtig währe es die Konferenz auszusetzen bis man eine vernünftige Besetzung derselben zusammen hat. Betroffene zum Beispiel und nicht immer diese Komplettversager die von Konferen zur nächsten geschäftig eilen um die nächste Konferenz vorzubereiten. Also um auf die Frage einzugehen: Nein durch diese Konferenz werden keine Koflikte gelöst werden können. Dazu braucht es echte Denker! Obama lässt ein kleines bisschen hoffen. Liebe Grüße.
stonecold, 06.02.2009
2.
Zitat von sysopAußenminister Steinmeier eröffnet heute die Sicherheitskonferenz in München. Er fordert eine gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur, die auch Russland mit einschliessen müsse, sowie neue Anstrengungen bei der Abrüstung. Was denken Sie - kann die Konferenz dazu beitragen, Konflikte zu mindern?
Wenn sich denn alle mal gegenseitig wirklich zuhören würden, anstatt einfach ihre vorher festgelegten Linien zu fahren, wäre das schon mal ein Anfang- die Wahrscheinlichkeit ist allerdings nicht allzu hoch.
Beutz 06.02.2009
3.
Zitat von BeutzRichtig währe es die Konferenz auszusetzen bis man eine vernünftige Besetzung derselben zusammen hat. Betroffene zum Beispiel und nicht immer diese Komplettversager die von Konferen zur nächsten geschäftig eilen um die nächste Konferenz vorzubereiten. Also um auf die Frage einzugehen: Nein durch diese Konferenz werden keine Koflikte gelöst werden können. Dazu braucht es echte Denker! Obama lässt ein kleines bisschen hoffen. Liebe Grüße.
Jetzt ist es soweit: ich antworte mir selber;-) Man sollte unsere Kinder fragen! Liebe Grüße.
Ghanima22 06.02.2009
4.
Zitat von sysopAußenminister Steinmeier eröffnet heute die Sicherheitskonferenz in München. Er fordert eine gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur, die auch Russland mit einschliessen müsse, sowie neue Anstrengungen bei der Abrüstung. Was denken Sie - kann die Konferenz dazu beitragen, Konflikte zu mindern?
Das ist gar nicht der Punkt, sie koennte es wenn alle daran ein Interesse haetten was ja wohl nicht der Fall ist. Im wesentlichen werden die Teilnehmer ihre Positionen darlegen, wobei es interessant ist zu sehen das sich die deutsche Bundeskanzlerin bemueht Deutschland in der aussenpolitischen Bedeutungslosigkeit zu halten waehrend sich der Vizekanzler um das Gegenteil bemueht.
Hypotheker, 06.02.2009
5.
Steinmeier (schlechter Schröder Imitator)wird ab Oktober nicht mehr Außenminister sein. Daher kann er fordern und fördern was er möchte. Er ist, war und wird immer ein Lame Duck bleiben.
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