Sicherheitsrat Uno-Inspektoren fordern mehr Zeit

Es war ein klares Plädoyer für weitere Inspektionen, dazu gab es Kritik an der Anti-Irak-Beweisführung von US-Außenminister Powell: Uno-Chefinspektor Blix und IAEA-Direktor al-Baradei warben vor dem Sicherheitsrat dafür, dem Irak noch eine Chance zu geben. Für ein sicheres Wissen über Saddams Waffenpotenzial müssten die USA die Inspektoren weiter gewähren lassen.

New York - "Wir kennen nicht jede Höhle und nicht jede Ecke", sagte Hans Blix. Es gelte aber weiterhin, dass Bagdad die Arbeit der Inspektoren unterstütze. Es habe keine Hinweise darauf gegeben, dass den Irakern die Orte der Inspektionen vorher bekannt gewesen seien. Noch habe man keine Massenvernichtungswaffen gefunden. Die Inspektoren hätten lediglich eine kleine Anzahl leerer Gefechtsköpfe für Chemiewaffen gefunden, die eigentlich hätten zerstört werden müssen, sagte Blix weiter.

Der Irak müsse auch über den Status von Milzbranderregern, dem Nervengas VX und weit reichenden Raketen berichten. Darüber habe Bagdad noch keine Rechenschaft abgelegt.

Geheimdienste hätten möglicherweise andere Informationen über die Existenz solcher Waffen. Diesen Diensten lägen möglicherweise Beweise vor, über die jedoch die Inspekteure nicht verfügten. Blix sagte, er könne weder völlig ausschließen noch belegen, dass rund 1000 Tonnen chemische Stoffe existierten. Blix kündigte den Beginn von Kontrollflügen über dem Irak an. Damit könne besser die Möglichkeit überprüft werden, ob es im Lande mobile Waffenlabors gebe. Von solchen Labors hatte US-Außenminister Colin Powell unter Berufung auf amerikanische Geheimdienstinformationen gesprochen.

Irakische Raketen vom Typ Al Samoud 2 hätten die von den Vereinten Nationen erlaubte Reichweite von 150 Kilometer überschritten, berichtete Blix weiter. Er bedauerte, dass Irak seit den drei Gesprächen am 8. und 9. Februar keinen weiteren Befragungen mit Wissenschaftlern ohne staatliche Aufsicht zugestimmt habe. Er habe Zweifel an Berichten des amerikanischen Geheimdienstes, wonach der Irak in Vorbereitung auf die Waffeninspektionen Stätten leer geräumt haben soll. Für eine absolute Sicherheit über das Waffenpotenzial des Irak müsse die Arbeit der Inspektoren fortgesetzt werden, forderte Blix.

Al-Baradei mit Kooperation zufrieden

Nach Blix äußerte sich auch Mohammed al-Baradei, der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) zufrieden über den ungehinderten Zugang der Kontrolleure zu irakischen Einrichtungen geäußert. Insgesamt habe es 177 Inspektionen an 125 Orten gegeben, berichtete al-Baradei. Es habe vier "private" Vernehmungen von Wissenschaftlern ohne Anwesenheit von irakischen Vertretern gegeben, die allerdings auf Tonband aufgenommen worden seien. Er kündigte an, die Zahl der Inspektoren solle erhöhte werden. Um ihre Mission abzuschließen, seien die Rüstungsinspektoren nicht auf die volle Kooperation Iraks angewiesen. Das jüngste irakische Dekret zum Verbot von Massenvernichtungswaffen sei ein "Schritt in die richtige Richtung".

Al-Baradei hatte Bagdad vor der Sitzung nochmals mit Nachdruck aufgefordert, enger mit den Inspektoren zusammenzuarbeiten. "Meiner Meinung nach hat der Irak noch eine Chance, sich zu entlasten, aber die Zeit wird knapp", sagte al-Baradei auf dem Flug nach New York.

Schon am Samstag Beratungen über eine neue Resolution?

Britische Diplomaten erklärten, die USA und Großbritannien könnten schon am morgigen Samstag einen Text für eine neue Irak-Resolution vorlegen, die eine Militäraktion billigen würde. Der russische Außenminister Igor Iwanow sagte jedoch, er sehe derzeit keine Notwendigkeit für eine weitere Irak-Resolution und sprach sich erneut für eine friedliche Lösung des Konflikts aus. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte nicht ausgeschlossen, in der Irak-Frage von seinem Veto Gebrauch zu machen, um eine Resolution zu verhindern, die zu militärischer Gewalt autorisiert, wie sie von Großbritannien und den USA angestrebt wird.

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