Sicherheitsrisiko Wolfowitz Weltbank-Mitarbeiter fürchten Terroranschläge

Etliche Angestellte der Weltbank sind nicht begeistert über ihren neuen Chef Paul Wolfowitz. Der Architekt des Irakkriegs mache sie zur Zielscheibe von Terroristen, wird auf einer internen Webseite geklagt. Die Führung der Bank denkt über zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen nach.


Paul Wolfowitz: Skepsis bei den Mitarbeitern
DPA

Paul Wolfowitz: Skepsis bei den Mitarbeitern

Berlin - Wolfowitz, der am Donnerstag zum Präsidenten der Weltbank ernannt worden war, werde sowohl von Mitarbeitern als auch vom Management als Sicherheitsrisiko angesehen, meldet die Nachrichtenagentur Reuters.

Bei einer Vorstandssitzung vergangene Woche, an der Wolfowitz teilnahm, wurde das Thema besprochen. Auf einer internen Webseite der World Bank Staff Association sind laut Reuters 1300 Kommentare von Mitarbeitern zur Ernennung Wolfowitz' eingegangen. Die meisten zeigten sich besorgt über die Sicherheit und Effizenz ihrer Arbeit, insbesondere in den weniger sicheren Entwicklungsländern, in denen viele Weltbank-Angestellte arbeiten.

"Es ist verständlich, dass Paul Wolfowitz ein größeres Ziel sein wird als (sein Vorgänger) James Wolfensohn", sagte Richard Falkenrath, Bushs früherer Berater für Heimatsicherheit, gegenüber Reuters.

Wolfowitz, der als Staatssekretär im Pentagon entscheidend an der Planung der Kriege in Afghanistan und Irak beteiligt war, wurde schon einmal Ziel eines Anschlags. 2003 wurde sein Hotel in Bagdad mit einer Rakete beschossen. Ein amerikanischer Colonel starb, 17 Menschen wurden verletzt, Wolfowitz kam heil davon.

Schon vor Wolfowitz galt die Weltbank als potenzielles Ziel für terroristische Anschläge. Nach einer entsprechenden Geheimdienstwarnung wurde die Zentrale der Bank in Washington im vergangenen August mit Betonbarrieren umgeben. Besucher müssen seither durch Sicherheitsschleusen gehen.

Daher gibt es auch Experten, die Wolfowitz nicht als zusätzliches Risiko sehen. Philip Crowley vom Center for American Progress etwa meint, alle internationalen Institutionen seien grundsätzlich gefährdet.

Doch die Führung der Weltbank ist alarmiert. Ein Vorstandsmitglied sagte zu Reuters: "Das Management ist dabei, alle Sicherheitsaspekte zu evaluieren". Auch Wolfowitz habe auf der Sitzung vergangene Woche angekündigt, sich darum zu kümmern.



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