Sicherheitsstrategie Irakischer Premier verkracht sich mit Bushs Kommandeur

Die Sicherheitslage im Irak ist alarmierend - jetzt kommt dazu noch ein Zerwürfnis zwischen Premier Maliki und US-General Petraeus. Die beiden sollen sich erbittert und lautstark streiten. Der Regierungschef denkt darüber nach, bei Präsident Bush den Rückzug des Kommandeurs zu fordern.


Das Verhältnis zwischen dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki und dem Befehlshaber der US-Streitkräfte im Irak, General David Petraeus, ist offenbar stark zerrüttet. Der Regierungschef erwäge sogar, von der Regierung Bush dessen Ablösung zu fordern, sagte Malikis Mitarbeiter Sami al-Askari der Nachrichtenagentur AP.

General Petraeus, Premier Maliki: "Die ganze Palette an Gefühlen"
AP / DPA

General Petraeus, Premier Maliki: "Die ganze Palette an Gefühlen"

Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari beschreibt das Miteinander der beiden offen als "schwierig". Einer der Streitpunkte ist die US-Strategie, im Kampf gegen al-Qaida auch ehemalige sunnitische Aufständische in die irakischen Streitkräfte und die Polizei zu integrieren, die nominell Maliki unterstellt sind. Petraeus zeige damit klare Parteilichkeit, sagte Askari: "Das ärgert die Schiiten. Es ist möglich, dass wir seine Ablösung verlangen."

Ein Abgeordneter aus der Partei des radikalen schiitischen Geistlichen Muktada al-Sadr ging sogar noch weiter. Er sagte, Maliki habe US-Präsident George W. Bush schon gewarnt: Wenn Petraeus weiter die Sunniten bewaffne, würde er beginnen, schiitische Milizen zu bewaffnen. Der Abgeordnete, der anonym bleiben will, berichtete auch, dass Maliki einmal zu Petraeus gesagt habe: "Ich kann mit Ihnen nicht mehr zusammenarbeiten. Ich will, dass Sie abgelöst werden."

Die Zusammenarbeit von Maliki und Petraeus ist für die Zukunft des Irak von entscheidender Bedeutung. Petraeus selbst sagt, sein Verhältnis zu Maliki sei "sehr gut" - aber bei manchen Gelegenheiten sei es durchaus vorgekommen, dass er die ganze Palette an Gefühlen zum Ausdruck gebracht habe. Bei rund 3600 bisher im Irak ums Leben gekommenen US-Soldaten sei es für ihn selbstverständlich, dass er bei der Erörterung sicherheitsrelevanter Fragen etwas lauter werde. Das sei auch schon öfter vorgekommen. Der General kritisiert besonders die unzulängliche Arbeit der irakischen Sicherheitskräfte.

Der dritte wichtige Mann im Irak, US-Botschafter Ryan Crocker, räumt ein, die Diskussionen seien bisweilen "hitzig". Er, Mailiki und Petraeus treffen sich mindestens einmal pro Woche zu Strategiegesprächen. "Ohne Frage, kein Politiker in der Welt steht unter größerem Druck als Nuri al-Maliki", sagt Crocker. Unter diesen Bedingungen seien Frustrationen und auch gelegentliche Gefühlsausbrüche mehr als verständlich.

Petraeus und Crocker stehen im Zentrum der Debatte um die politische Zukunft des Irak. Sie müssen im September dem US-Kongress einen Bericht über den aktuellen Stand der Entwicklung vorlegen. Das Parlament hat zuletzt größere Fortschritte bei der Sicherheitslage und der politischen Entwicklung gefordert. Die beiden obersten US-Vertreter in Bagdad haben jedoch kürzlich übereinstimmend erklärt, dass man für entscheidende Fortschritte mehr Zeit brauche.

plö/AP



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