Sicherheitsstudie US-Generäle warnen vor Klimawandel

Die weltweite Klimaerwärmung ist nach Auffassung ranghoher Ex-US-Militärs nicht nur eine ökologische Bedrohung, sondern gefährdet auch den Frieden: Der Klimawandel könnte in instabilen Regionen Terrorismus und Extremismus fördern, warnen sie in einer Studie.


Washington - Die Studie mit dem Titel "Die nationale Sicherheit und die Bedrohung durch den Klimawandel" widmet sich neben den Auswirkungen der Erwärmung für die Umwelt insbesondere den Risiken, die der Klimawandel für die Sicherheitsinteressen der USA darstellt. In politisch instabilen Regionen könnte eine Klimakatastrophe Extremismus und Terrorismus fördern, warnen die elf ehemaligen Generäle in ihrem 63-seitigen Bericht mit dem Titel "The National Security Implications of Global Climate Change".

Viele Entwicklungsländer würden nicht über die nötige Infrastruktur und geeignete Regierungen verfügen, um angemessen auf die vom Klimawandel ausgelösten Stressfaktoren zu reagieren. Wenn nationale Regierungen keine Sicherheit mehr garantieren und Landesgrenzen nicht vor Massen-Migrationsbewegungen schützen könnten, bestünde die Gefahr, "dass Aufruhr, Extremismus und Terrorismus das Vakuum füllen", heißt es in dem Bericht.

Der Klimawandel sei nicht vergleichbar mit herkömmlichen militärischen Bedrohungen, sagte Richard H. Truly, einer der Autoren der Studie - "weil er nicht irgendein Krisenherd ist, den wir zu beherrschen versuchen". Vielmehr sei der Klimawandel ein globales Problem, er betreffe "jedes Land und jeden Menschen dieser Erde zum selben Zeitpunkt", sagte Truly.

Die gestern vorgestellte Studie stützt sich auf Prognosen des Weltklimarats der Vereinten Nationen, denen zufolge die globale Erwärmung zu häufigeren schweren Stürmen, Trockenheiten und Überschwemmungen sowie einem Anstieg der Meeresspiegel infolge des Abschmelzens der polaren Eismassen und der Gletscher führen werde. Eine Folge könnten Massen-Migrationsbewegungen sein, die zu Spannungen an Landesgrenzen führen könnten. Das wiederum könnte zur Folge haben, dass häufiger Hilfe bei Evakuierungen und Unterstützung bei internationalen Rettungseinsätze geleistet werden müsse. Auch Konflikte um Ressourcen wie Trinkwasser würden zunehmen.

Ein solches Szenario könne zu einer höheren Belastung für die US-Streitkräfte führen, folgern die Autoren der Studie. "Der Klimawandel könnte Bedingungen schaffen, die den Krieg gegen den Terrorismus verlängern", warnte der Admiral im Ruhestand, Joseph Lopez, ehemaliger Oberkommandierender der US-Seestreitkräfte in Europa. Die Verringerung des CO2-Ausstoßes sei daher eine "Notwendigkeit", um diesen Herausforderungen zu begegnen. "Wir werden kurzfristig wirtschaftlich auf die eine oder andere Art dafür bezahlen, um dieses Gas zu reduzieren (...), andernfalls werden wir später militärisch mit dem Verlust von Menschenleben bezahlen", schrieb der ehemalige Kommandeur der US-Armee im Nahen Osten, Marineinfanterie-General Anthony Zinni.

hen/AFP



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