Siebenseitiger Fragebogen Obama unterzieht künftige Mitarbeiter hartem Gewissenstest

Eine unbedachte E-Mail, ein heikler Tagebucheintrag, ein Strafzettel fürs Falschparken: Wer in der neuen US-Regierung arbeiten will, darf nichts verheimlichen. In einem 63 Punkte umfassenden Fragebogen müssen künftige Mitarbeiter von Barack Obama fast ihr ganzes Leben offenlegen.

New York - Wer sich für einen Job in der neuen US-Regierung bewerben will, darf sich auf hektische Zeiten gefasst machen. Mit Sicherheit wird er nach längst vergessenen Informationen kramen müssen, in Aktenordnern, Schuhkartons - und vor allem im eigenen Gedächtnis.

Denn potentielle Mitarbeiter des künftigen Präsidenten Barack Obama müssen einen umfassenden Gewissenstest über sich ergehen lassen. Auf jeden Bewerber wartet ein obligatorischer siebenseitiger Fragebogen, den die "New York Times" am Donnerstag auf ihrer Internet-Seite veröffentlichte.

Der Test hat es in sich. Unter anderem müssen die Bewerber darlegen, ob sie jemals etwas aufgeschrieben oder gar publiziert haben, das "dem künftigen Präsidenten schaden könnte". Die Frage nach dem Privaten wird in dem Papier denkbar nüchtern formuliert: "Wenn Sie jemals ein Tagebuch geführt haben, das etwas enthält, das einen Interessenskonflikt darstellen könnten oder Sie, Ihre Familie oder den gewählten Präsidenten in Verlegenheit bringen könnte, beschreiben Sie es."

Der Bewerber muss zudem angeben, ob er jemals "eine Form der elektronischen Kommunikation benutzt" habe, ob nun "E-Mails, SMS oder Instant Messengers". Auch hier folgt die schlichte Aufforderung, die verschickte Post zu beschreiben, sollte sie "einen Interessenkonflikt" darstellen.

Schlechte Karten haben offenbar auch Raser und Falschparker. Wer einen Job in der neuen Regierung wolle, müsse sogar Strafzettel von über 50 Dollar (umgerechnet 40 Euro) angeben, schreibt die "NYT". Zudem müssten "alle Geschenke im Wert von über 50 Dollar" benannt werden, die der Bewerber oder sein Partner jemals von einer Person angenommen haben, die "nicht mit Ihnen verwandt oder eng befreundet" ist. Auch ist der Job-Interessent verpflichtet, zu verraten, ob er selbst oder ein Familienmitglied eine Waffe besitzt.

Der Test umfasst insgesamt 63 Fragen - damit ist er detaillierter als bei jedem anderen Regierungswechsel zuvor, schreibt die Zeitung. Eine Auswahl:

  • Bitte beschreiben Sie und, wenn möglich, schicken Sie uns alle Bücher, Artikel, Kolumnen oder Publikationen (auch, aber nicht nur Schreiben und Kommentare auf Blogs und Websites), die von Ihnen stammen, allein verfasst oder mit jemand anderem. Bitte listen Sie alle Alias-Namen, die Sie je benutzt haben, um im Internet zu kommunizieren.
  • Bitte legen Sie alle Reden, die sie je gehalten haben, offen.

  • Beschreiben Sie die schwierigste Angelegenheit, mit der Sie während Ihrer Karriere konfrontiert wurden.
  • Haben Sie persönliche Feinde, die gegen Ihre künftige Anstellung vorgehen könnten - offen oder verdeckt, mit fairen oder unfairen Mitteln?
  • Bitte listen Sie jede Mitgliedschaft der vergangenen zehn Jahre auf, auch die in Aufsichtsräten, die Sie oder Ihr Partner besitzen oder besaßen: In politischen, zivilen, sozialen, gemeinnützigen, erziehungspolitischen, beruflichen, bruderschaftsähnlichen, mildtätigen oder religiösen Organisationen, privaten Clubs oder anderen Mitgliederorganisationen.
  • Bitte stellen Sie Kopien all Ihrer Einkommensquellen und der Ihres Partners der vergangenen zehn Jahre zur Verfügung.
  • Bitte beschreiben Sie die Vertragskonditionen für jeden Immobilienkredit, den Sie besitzen, auch die Monatsrate, das Datum, den Vertragspartner und alle anderen speziellen Umstände im Rahmen ihres Immobilienerwerbs.

In dem Bogen wird auch nach dem Dienstpersonal des Bewerbers oder der Bewerberin gefragt: Sind Haushälterin, Kindermädchen und Fahrer etwa Immigranten - und wurden für sie Abgaben bezahlt? Der Hintergrund: Die Beschäftigung von illegalen Immigranten hat in der Vergangenheit schon manche Karriere in der Administration jäh beendet.

Und zur Sicherheit ist die letzte, die 63. Frage geradezu allumfassend abgefasst: "Bitte geben Sie uns jede andere Information, auch über andere Mitglieder Ihrer Familie, die einen Interessenkonflikt bedeuten oder und peinlich für Sie, Ihre Familie oder den gewählten Präsidenten werden könnte".

"Obama hat sich verpflichtet, die Geschäfte in Washington zu verändern", zitiert die "NYT" seine Sprecherin Stephanie Cutter zum Fragebogen. "Die Überprüfung der Bewerber spiegelt dieses Ziel wider." Michael Berman, Rechtsanwalt, Lobbyist und Berater in den Übergangsteams von Jimmy Carter und Bill Clinton, kommentiert das Dokument der Zeitung gegenüber so: "Ich bin sehr froh, dass ich keinen Job in dieser Regierung suche."

Wer den Test hinter sich hat, dem ist aber noch kein Büro im Weißen Haus sicher. Üblicherweise stellen das FBI und andere US-Sicherheitsbehörden anschließend eine Fülle weiterer Fragen. Abschrecken wird der harte Bewerbungsbogen allerdings kaum jemanden: Die Arbeitslosenquote in den USA ist so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr.

amz/dpa

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