Sieg für Amtsinhaber Vujanovic gewinnt Wahl in Montenegro

Filip Vujanovic ist laut Prognosen alter und neuer Staatschef von Montenegro. Bei der heutigen Präsidentschaftswahl gewann er Hochrechnungen zufolge mehr als 50 Prozent der Stimmen und erklärte sich zum Sieger. Sein Erfolg gilt als Richtungsentscheidung zugunsten der EU.


Podgorica - Bei der Präsidentenwahl in Montenegro hat Amtsinhaber Filip Vujanovic laut Hochrechnungen genug Stimmen für eine weitere Amtszeit erhalten. Vujanovic habe etwa 52 Prozent gewonnen, berichtete die Wahlforschungsgruppe CEMI auf der Basis von verlässlichen Hochrechnungen. Dieses Ergebnis würde eine Stichwahl überflüssig machen.

Montenegros Staatpräsident Filip Vujanovic auf dem Weg zur Wahlurne: Kursrichtung EU
REUTERS

Montenegros Staatpräsident Filip Vujanovic auf dem Weg zur Wahlurne: Kursrichtung EU

Vujanovic erklärte sich am Abend zum Sieger: "Wir haben gewonnen, wir haben für uns alle gewonnen, für unser Montenegro, für unsere bessere Zukunft", sagte der 53-jährige Jurist vor seinen Anhängern bei einer Versammlung seiner Demokratischen Partei der Sozialisten (DPS) in Podgorica.

Die DPS-Anhänger zogen mit montenegrinischen Fahnen vor das Regierungsgebäude, um den alten und neuen Staatschef Vujanovic zu feiern.

"Wir haben das nicht erwartet", sagte ein Sprecher der Bewegung für Veränderung (PZP), der stärksten Oppositionspartei. Deren Vorsitzender Nebojsa Medojevic hatte entgegen den Prognosen nur knapp 16 Prozent der Stimmen erreicht und war von Andrija Mandic mit etwa 20 Prozent geschlagen worden. Mandic war für den serbischen Bevölkerungsteil angetreten.

Der PZP-Sprecher zeigte sich enttäuscht, sagte jedoch: "Kopf hoch! Wir machen weiter." Der Grund für die Niederlage sei die zersplitterte Opposition, die mit drei Kandidaten gegen den Amtsinhaber Vujanovic angetreten war.

Vujanovic für konsequente Anbindung an die EU

Die Opposition ist damit mit ihrem selbst gesteckten Ziel gescheitert, die DPS unter Führung des Regierungschefs Milo Djukanovic in ihrer politischen Macht zu erschüttern, hieß es in ersten Kommentaren am Wahlabend in der Hauptstadt Podgorica. Ihre Vorwürfe an die DPS, in Montenegro einen "Privatstaat von wenigen korrupten Familien" gegründet zu haben, seien bei den Wählern nicht angekommen.

Die Wahl gilt auch als Richtungsentscheidung über den weiteren Kurs Montenegros gegenüber der EU und Serbien. Denn Vujanovic tritt für eine konsequente Anbindung seines Landes an die Europäische Union ein. Die Herausforderer Mandic und Srdjan Milic wollen es dagegen wieder näher an Belgrad heranführen. Montenegro hatte sich vor zwei Jahren nach einem Referendum friedlich von Serbien abgespalten. Ein Drittel der 620.000 Einwohner ist serbischer Herkunft.

Es war die erste Präsidentenwahl in Montenegro seit der Unabhängigkeit. Amtsinhaber Vujanovic hatte sich bereits bei der Stimmabgabe siegesgewiss gegeben: "Diese Wahl wird zeigen, dass eine Mehrheit der Montenegriner unsere Politik unterstützt", sagte der 53-Jährige, der als Favorit galt.

Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der unabhängigen Wahlbeobachter bei 69 Prozent und damit rund 22 Prozentpunkte über dem Wert von 2003, als Vujanovic erstmals gewählt wurde. Offizielle Zahlen sollten am Montag vorgelegt werden.

tno/dpa/AP/Reuters/AFP



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