Attacken auf Demokratinnen Siemens-Chef bezeichnet Trump als Rassisten

Die Zahl prominenter Kritiker, die die hetzerischen Tiraden von US-Präsident Donald Trump öffentlich missbilligen, ist erschreckend klein. Immerhin einige meldeten sich zu Wort - jetzt auch Siemens-Chef Joe Kaeser.

Siemens-Chef Joe Kaeser:
REUTERS

Siemens-Chef Joe Kaeser:


Ein paar Tage schon diskutiert die Öffentlichkeit über Donald Trumps rassistische Angriffe auf Politikerinnen der Demokratischen Partei. Am Freitag gab Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Missfallen zu Protokoll. Ex-First-Lady Michelle Obama in der Nacht zum Samstag in einem Tweet. Deutlich weniger diplomatisch äußerte sich Siemens-Chef Joe Kaeser. "Es bedrückt mich, dass das wichtigste politische Amt der Welt das Gesicht von Rassismus und Ausgrenzung wird", schrieb er auf Twitter. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete als erste darüber.

Anlass ist der Versuch Trumps, vier jungen Demokratinnen das Recht abzusprechen, Amerikaner zu sein. Er hatte die Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez, Ayanna Pressley, Ilhan Omar und Rashida Tlaib aufgefordert, in ihre vermeintlichen Heimatländer zurückzukehren und seine Anhänger während eines Wahlkampfauftritts in Greenville im Bundesstaat North Carolina zu Sprechchören in gleichem Sinne animiert. Das Publikum skandierte: "Send her back! Send her back!"

Während seiner Präsidentschaftskandidatur 2016 hatte Trump mit der Parole "Sperrt sie ein" die Massen aufgestachelt. Gemeint war damals seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton, der er kriminelle Machenschaften andichtete. Trump behauptete später, er habe die Menge nicht angestachelt, sondern im Gegenteil versucht, sie zu beschwichtigen. Doch ein Video der Veranstaltung zeigt das Gegenteil.

Die Reaktion auf die aktuellen Äußerungen kam außerhalb des liberalen Amerikas etwas verzögert. Am deutlichsten noch, wenn auch mit der ihrem Amt angemessenen Diplomatie, äußerte sich Merkel. In ihrer alljährlichen Pressekonferenz vor dem Abschied in den Sommerurlaub distanzierte sie sich "entschieden" von der Geisteshaltung, die Trumps Äußerungen innewohnt. Weil das Zusammenleben unterschiedlicher Menschen nach ihrem Verständnis immer die Stärke Amerikas ausgemacht habe, konterkarierten die Äußerungen des Präsidenten ebendiese Stärke. Michelle Obama wählte ähnliche Worte.

Toleranz, Freiheit, und Offenheit hält auch Kaeser für die wichtigsten Elemente, die die Stärke der amerikanischen Gesellschaft ausmachen. "Das war America Great at work".

mik



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telarien 20.07.2019
1. Respekt Herr Käser!
Die meisten Firmen stellen Umsatz über Moral. Hier mal klare Worte zu finden ist wichtig und richtig. Trump selber ist nicht mal so gefährlich, schlimmer ist die Anzahl seiner Wähler.
jkbremen 20.07.2019
2. Hut ab Herr Kaeser
Endlich ein Topmanager eines Top-Konzerns der eine klare Gesinnung hat und daraus kein Geheimnis macht. Glückwunsch am Siemens zu einem Chef mit Zivilcourage.
DerMuedeJoe 20.07.2019
3. Ich stimme Herrn Kaeser zu,
es stimmt mich traurig, diese amerikanische Nation, unter diesem 'Präsidenten' in der Lächerchlichkeit verschwinden zu sehen. Eine große Nation unter dem Wirken eines, sagen wir es mal, kaum erkennbaren Genius (eher tumben Intoleranten) zu sehen, und die politische Resonanz der Bevölkerung hierauf kaum wahrnehmbar, macht mich fast sprachlos. Ich bin stolz in einem weltoffenen demokratischen Staat zu leben. Hierzu gehört auch die (vielleicht ungeliebte) Meinung meiner Mitbürger!!
Taiga_Wutz 20.07.2019
4. Hey Joe
...Respekt. Hab ich nicht unbedingt so erwartet. Obwohl sein Gesichtsausdruck, als er vor....wann? 2 1/2 Jahren mit Trump am Tisch saß, schon sehr sparsam war. Gut, dass mal einer mit wirtschaftlichem Gewicht den Mund aufmacht.
winki 20.07.2019
5. Hut ab vor dem Mann
Immerhin ist er der Chef des wohl berühmtesten deutschen Unternehmens, das weltweit tätig ist und somit auch in den USA. Es wäre nicht verwunderlich, wenn Trump daraufhin US-Firmen untersagt mit Siemens Geschäfte zu machen. Herr Kaeser ist intelligent genug so ein Szenario einzuplanen. Überhaupt ist er einer der wenigen deutschen Spitzenmanager dem Moral, Ethik und Unternehmenskultur noch etwas bedeutet. Nie vergessen werde ich das Interview im ZDF mit ihm und Claus Klever. Klever kritisierte Kaeser wegen seiner Kontakte nach Russland. Kaeser konterte überlegt und Klever stand, wie schon in dem Interview damals mit Putin ziemlich dumm da.
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