USA-Reise am Donnerstag Außenminister Gabriel trifft Tillerson in Washington

"Wir haben drängende Themen": Kurz nach der Bestätigung von Rex Tillerson als US-Außenminister hat sich sein deutscher Amtskollege Sigmar Gabriel in Washington angekündigt.

Sigmar Gabriel
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Sigmar Gabriel


Außenminister Sigmar Gabriel wird schon am Donnerstag nach Washington fliegen, um seinen neuen US-Kollegen Rex Tillerson zu treffen. Er ist damit das erste Mitglied der Bundesregierung, das seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump in die USA reist.

"Ich wünsche mir einen direkten und persönlichen Austausch und bringe das Angebot von Freundschaft und Vertrauen mit nach Washington", sagte Gabriel. "Wir wollen unseren amerikanischen Partnern unsere Sicht der Dinge, unsere Interessen und Werte erläutern und suchen einen guten, offenen und freundschaftlichen Dialog." Tillerson war erst am Mittwoch vom Senat bestätigt worden und kurz darauf vereidigt worden.

Ob Gabriel in Washington auch Vizepräsident Mike Pence treffen wird, war zunächst noch unklar. Eine Begegnung mit Trump ist jedenfalls nicht vorgesehen. Am Freitag will der Vizekanzler nach New York weiterfliegen, um dort Gespräche bei den Vereinten Nationen zu führen.

"Die Welt wartet nicht auf uns"

Gabriel ist selbst erst seit Freitag im Amt. Die USA-Reise ist nach Paris sein zweiter Antrittsbesuch. Eine Brüssel-Reise sagte er am Dienstag wegen einer fiebrigen Infektion kurzfristig ab. Auch an der Kabinettssitzung am Mittwoch nahm er nicht teil.

Gabriel hatte in den vergangenen Tagen immer wieder betont, wie wichtig ihm ein möglichst früher Besuch in Washington ist. "Die Welt wartet nicht auf uns. Wir haben drängende Themen auf der internationalen Agenda, über die sich Deutschland und Amerika, genauso wie Europa und Amerika eng abstimmen sollten", sagte er am Mittwochabend. "Und wir haben Fragen an die neue US-Administration, über ihren außenpolitischen Kurs, ihr Verhältnis zum Bündnis und zur Ordnung der Welt."

Die Bundesregierung ist äußerst beunruhigt über den Start von Trump in seine Amtszeit. Gabriel hatte dem US-Präsidenten nach dessen Antrittsrede "hoch nationalistische Töne" vorgeworfen. Von Außenminister Tillerson und Verteidigungsminister James Mattis erhofft sich die Bundesregierung einen mäßigenden Einfluss auf den Präsidenten und ein klares Bekenntnis zur Nato.

Tillerson ist aber umstritten. Er war über 40 Jahre lang Manager des Ölkonzerns ExxonMobil, zuletzt als Vorstandschef. Kritiker sehen darin eine mögliche Befangenheit. Seine Ölgeschäfte haben Tillerson auch große Nähe zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin gebracht.

max/dpa

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
bmvjr 02.02.2017
1. Gabriel's Premiere
Ich bin gespannt, wie Gabriel's Besuch des frisch gekuerten Aussenministers der USA laeuft. Hier hat Gabriel die Chance, Weichen zu stellen und die Position der EU zum Kandidaten Ted Malloch klarzustellen, sowie klarzumachen, wie die EU mit den USA kooperieren kann und will, ob in Sachen Brexit, in Sachen Terrorbekaempfung, zum Thema deutscher Exportueberschuss, etc. Eine grosse Gelegenheit, die auch zeigen wird, ob Gabriel die richte Wahl als Aussenminister Deutschlands gewesen ist.
calico1880 02.02.2017
2. Nagelprobe?
Wird Sigmar Gabriel die jahrzehnte währende transatlantische Partnerschaft beschwören oder sehr konkret den Zersetzungsbestrebungen des POTUS ggü. der EU entgegentreten? Ich persönlich hoffe auf die zweite Variante; Gabriel kann dabei gleich die Personalie Ted Malloch ansprechen...
thequickeningishappening 02.02.2017
3. Das ging ja schnell
Da Herr Tillerson erst seit wenigen Stunden offiziell im Amt ist frage ich mich: griff der sofort zum Hoehrer oder hat Gabriel sich selbst eingeladen?
hunactun 02.02.2017
4. Taktisch gesehen
ist das natürlich völliger Unsinn. Als erste muss die Frau BK und zwar gegenüber dem US-Präsidenten persönlich den deutschen Standpunkt in den entscheidenden Punkten klarstellen. Danach sind ihre Minister mit den Details am Zuge, jeder im Rahmen seiner/ihrer Verantwortlichkeit. So ist das jedenfalls in den USA, so tickt auch der neue US-Präsident. Wer ist in den USA schon Sigmar Gabriel? Die Amerikaner müssen sich mit seiner a priori - Entsendung regelrecht vor den Kopf gestoßen fühlen. Sie werden ihn entweder abblitzen lassen oder ihn ausnehmen, wie eine Weihnachtsgans; denn auf einen Konfrontationskurs mit den USA war nicht ein einziger deutscher Politiker, sei es sachlich, psychologisch oder rhetorisch vorbereitet. Spricht der Genosse Gabriel denn wenigstens ein halbwegs akzentfreies Englisch? - und beherrscht er das einchlägige Vokabular?
willibaldus 02.02.2017
5.
Vernünftig. Trump hat von Aussenpolitk soviel Ahnung wie ein Qualle vom Bergsteigen. Den Tillerson und den Mattis sehe ich als etwas besser informiert. Allerdings habe ich Amerikaner immer als ziemlich auf ihr Expertengebiet beschränkt erlebt. Ich hoffe, dass das bei Spitzenmanagern und hohen Militärs besser aussieht. Immerhin haben sie es durch den Kongress geschafft. Bei der Bildungsministerin hoffe ich, dass es jemand mit mehr Ahnung und weniger Kreationismus schafft.
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