Angebliche Putin-Offerte Buon Scherzo, Silvio!

Erst prahlt Silvio Berlusconi damit, Wladimir Putin habe ihm einen Ministerposten angeboten. Jetzt macht Italiens Ex-Premier einen Rückzieher: Er habe sich bloß "metaphorisch" ausgedrückt.

Politiker Berlusconi: Eigenwilliger Humor
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Politiker Berlusconi: Eigenwilliger Humor


Silvio Berlusconi ist für seine extravaganten Wesenszüge bekannt, nun kommt ein weiterer hinzu: fragwürdiger Humor. Kreml-Chef Wladimir Putin habe ihm die russische Staatsbürgerschaft sowie den Posten als Wirtschaftsminister angeboten, behauptete der Politiker laut einem Bericht der italienischen Zeitung "La Stampa" bei einem Abendessen. Jetzt wiederum sagte Berlusconi laut der Agentur AP: Die Behauptung sei nur ein Scherz gewesen - und eher "metaphorisch" gemeint.

Bei dem Abendessen hatte Berlusconi laut "La Stampa" damit getönt, dass Putin ihm einen Job im Kreml anbieten werde. In Italien sei er "an den Rand gedrängt" worden, klagte er demnach - und sagte: "Meine Zukunft? Minister werden für meinen Freund Putin!"

Der Kommentator von "La Stampa" spottete über die öffentlichen Russland-Träumereien Berlusconis: In Anspielung auf Berlusconis Vorliebe für junge Frauen schrieb er etwa: Wichtige Treffen zwischen Putin und "Silviusko" würden sicher nach Mitternacht in dessen Datsche abgehalten - "mit einer Gruppe junger Ökonominnen".

Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow machte allerdings schnell deutlich, dass eine etwaige Äußerung Putins in diese Richtung allerhöchstens als "sinnbildliche Unterstützung" für einen alten Freund zu verstehen sei. Ein formelles Angebot an Berlusconi gebe es nicht: "Das wäre natürlich unmöglich", sagte Peskow der Nachrichtenagentur Interfax.

Zuletzt hatte Berlusconi wenig zu lachen

Putin und Berlusconi verbindet eine langjährige Freundschaft, die beiden verbrachten zum Beispiel ein gemeinsames Wochenende im russischen Altai-Gebirge. Als Putin im Juni Rom besuchte, versicherte ihm Berlusconi, seine Partei Forza Italia werde sich für die Aufhebung der im Zuge der Ukrainekrise erlassenen Sanktionen einsetzen.

In jüngster Vergangenheit hatte der in die Jahre gekommene Ex-Cavaliere wenig zu lachen: Der ehemalige Ministerpräsident wurde nach dem Ende seiner letzten Amtszeit schon mehrfach verurteilt, zuletzt wegen Bestechung eines Senators zu drei Jahren Haft.

Der Fall geht bis ins Jahr 2006 zurück. Berlusconi soll als damaliger Oppositionsführer den Senator Sergio De Gregorio aus dem Mitte-links-Lager dazu bewogen zu haben, sich seiner rechtskonservativen Partei Popolo della Libertà ("Volk der Freiheit") anzuschließen. Berlusconi wollte damit die Regierung von Romano Prodi schwächen, der damals im Senat nur über eine sehr knappe Mehrheit verfügte. Der Anklage zufolge bekam der Senator drei Millionen Euro.

Was den Straftäter Berlusconi hingegen erfreuen dürfte: Auch diesmal wird ihm die Haft wohl erspart bleiben. Der 78-Jährige kann in Berufung gehen, was er bei anderen Prozessen in der Vergangenheit auch stets gemacht hat. Da die Tat im Herbst verjährt, also lange vor einem möglichen Berufungsprozess, muss der 78-Jährige dann nicht ins Gefängnis.

mxw/AFP/AP



insgesamt 2 Beiträge
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hapebo 24.07.2015
1. Brava,brava - Forza Italia - !
Wartets ab, unser italienisches Krümelmonster schlägt nochmal zu. Der wird in Russland ein Superminister der wird PUBERLO und wenn die nicht aufpassen dann wird er noch eines Tages Papst "Silvio-Uno".Zölibat ich wanke dir!
nesmo 24.07.2015
2. Was hat ihm denn Putin
"metaphorisch" angeboten? Den Ministerposten als Sinnbild für was? Herr Berlusconi sollte sich erklärren. Der metaphorische Witz soll wohl zumindest besagen, dass es für ihn leichter ist, in Russland einen Posten zu bekommen als in Italien. Und da ist hoffentlich was dran.
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