Gerichtsvorladung Berlusconi soll Klavierspieler seiner Sexpartys bestochen haben

Vor vier Jahren wurde Silvio Berlusconi im Prozess um die Bunga-Bunga-Partys freigesprochen. Doch nun gibt es neue Vorwürfe gegen Italiens Ex-Regierungschef.

Silvio Berlusconi (Archivbild von November 2016)
REUTERS

Silvio Berlusconi (Archivbild von November 2016)


Der frühere italienische Regierungschef Silvio Berlusconi muss wegen des Vorwurfs der Zeugenbestechung erneut vor Gericht. Eine erste Anhörung sei von einem Gericht in Siena für den 1. Februar 2018 festgelegt worden, berichteten italienische Medien. Demnach wird dem Ex-Regierungschef vorgeworfen, einen Pianisten für eine Falschaussage im ersten Prozess bezahlt zu haben, in dem es um Sexpartys in Berlusconis Villa ging.

Der Pianist Danilo Mariani hatte bei den als Bunga-Bunga-Partys bekannt gewordenen Festen nahe Mailand für musikalische Unterhaltung gesorgt. Strittig war bei der juristischen Aufarbeitung der Partys vor allem, ob Berlusconi wusste, dass die marokkanische Tänzerin Karima al-Mahrough alias Ruby damals noch nicht volljährig war. Dem heute 81-Jährigen war vorgeworfen worden, er habe sie für Sex bezahlt.

Berlusconi war im ersten Verfahren wegen der Sexpartys 2013 zunächst verurteilt, im Berufungsprozess 2015 aber freigesprochen worden. Das Gericht hatte zu seinen Gunsten angenommen, dass Berlusconi damals nicht gewusst habe, dass Ruby erst 17 Jahre alt war.

In einem weiteren Verfahren beschäftigt ein Gericht in Mailand, ob Berlusconi Zeugen mit Geld, Schmuck und sogar Gütern in Millionenwert dazu gebracht hat, über die Bunga-Bunga-Partys vor Gericht zu schweigen. Die Mailänder Richter hatten aus verfahrenstechnischen Gründen die Kollegen in Siena mit dem Fall befasst, die nun entschieden, auch Berlusconi wieder vor Gericht zu stellen. Insgesamt müssen sich 24 Verdächtige verantworten, darunter Ruby. Die erste Anhörung soll am 29. Januar 2018 stattfinden.

Derzeit prüft der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) auch eine Beschwerde Berlusconis gegen Italien wegen des für ihn geltenden Ämterverbots. 2012 war Berlusconi zu vier Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung durch seinen Medienkonzern Mediaset verurteilt worden. Laut dem Anti-Korruptionsgesetz dürfen Personen, die rechtskräftig zu mindestens zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt wurden, für mindestens sechs Jahre keine politischen Ämter ausüben.

cte/AFP



insgesamt 4 Beiträge
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wolke:sieben 01.12.2017
1. Silvio Berlusconi
...ist aufgrund seines Erfolges von einigen seiner Landsleute(Neider)nicht so gut angesehen, aber es ist beeindruckend wie er mit seinem italienischen Charme und natürlich auch mit seinen Verbindungen sich immer wieder aus der Affäre zieht.
joG 01.12.2017
2. Ob wahr oder....
....unwahr, vermitteln diese juristischen Vorgänge so lange nach der Tat das Unbehagen, dass da die Gerichte als politisches Instrument verwendet werden und zeitlich gezielt auf die nahende Wahl eingesetzt werden. Das ist in dieser aufgeregten Zeit nicht hilfreich, untergräbt es doch noch mehr die Glaubwürdigkeit der politischen Ordnung in Europa.
FinWir.de 01.12.2017
3. Der Mann scheint keinerlei Unrechtsbewusstsein zu haben
Nicht nur das er Italien zu einem Witz hat verkommen lassen, der gesamte Staatsapparat unter ihm war verfilzt und korrumpiert. So einen Mann erneut zu wählen, gleich einem Himmelfahrtskommando, immerhin steckt Italien seit nun 10 Jahren in einer schleichenden Rezession, mit hoher Arbeitslosigkeit, Verschuldung und abfließenden Geldern in dunkle Kanäle.
Harry Hutlos 01.12.2017
4. Auf die Idee muss man erst mal kommen
wolke:sieben: "...ist aufgrund seines Erfolges von einigen seiner Landsleute(Neider)nicht so gut angesehen, aber es ist beeindruckend wie er mit seinem italienischen Charme und natürlich auch mit seinen Verbindungen sich immer wieder aus der Affäre zieht." Das schlechte Image des Herrn Berlusconi könnte möglicherweise weniger mit Neid als damit zu tun haben, dass er Steuern hinterzieht, besticht, lügt, sich seine eigenen Gesetze macht, der Mafia nicht wirklich feindlich gegenübersteht, Feste feiert, die eines Staatsmannes nicht würdig sind, Minderjährige für Sex bezahlt (mutmaßlich) usw. Sein italienischer Charme, den ich immer als schmierig empfunden habe, verblaßt dagegen ein wenig, meinen SIe nicht? Ansonsten aber haben Sie völlig recht.
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