Urteil in Italien Berlusconi wegen Bestechung zu drei Jahren Haft verurteilt

Ein Gericht in Neapel hat Silvio Berlusconi wegen Bestechung eines Senators zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Haft wird der ehemalige italienische Regierungschef aber wohl nicht antreten müssen.

Silvio Berlusconi mit seiner Tochter Barbara Anfang Juli beim AC Mailand: In Abwesenheit verurteilt
AP/dpa

Silvio Berlusconi mit seiner Tochter Barbara Anfang Juli beim AC Mailand: In Abwesenheit verurteilt


Der ehemalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist wegen Bestechung eines Senators zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Das entschied ein Gericht in Neapel am Mittwoch.

Der Fall geht bis ins Jahr 2006 zurück. Berlusconi wurde jetzt für schuldig befunden, als damaliger Oppositionsführer den Senator Sergio De Gregorio aus dem Mitte-links-Lager dazu bewogen zu haben, sich seiner rechtskonservativen Partei Popolo della Libertà (PdL, Volk der Freiheit) anzuschließen. Berlusconi wollte damit die Regierung von Romano Prodi schwächen, der damals im Senat nur über eine sehr knappe Mehrheit verfügte.

Der Anklage zufolge bekam der Senator drei Millionen Euro, davon zwei Millionen in bar. Tatsächlich stürzte die Regierung Prodi im Jahr 2008, weniger als zwei Jahre nach der Parlamentswahl. Der Staatsanwalt Vincenzo Piscitelli sprach während des Verfahrens von einer "kolossalen" finanziellen Zuwendung, die lediglich Berlusconis Ziel gedient habe, Prodi zu stürzen "und den Posten selbst zu übernehmen".

Die Staatsanwaltschaft hatte für Berlusconi fünf Jahre Haft gefordert. Die Vorsitzende Richterin Isabella Romani blieb mit ihrem Urteil darunter. Sie fällte es in Abwesenheit des Angeklagten.

Berlusconi ist bereits einmal rechtskräftig wegen Steuerbetrugs verurteilt worden. Seine Haftstrafe musste er wegen seines fortgeschrittenen Alters nicht antreten, stattdessen leistete er gemeinnützige Arbeit in einem Altenheim.

Auch diesmal wird ihm die Haft wohl erspart bleiben: Berlusconi kann in Berufung gehen, was er bei anderen Prozessen in der Vergangenheit auch stets gemacht hat. Da die Tat im Herbst verjährt, also lange vor einem möglichen Berufungsprozess, muss der 78-Jährige dann nicht ins Gefängnis.

sun/dpa/AFP



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