Simbabwe Deutsche Bundesbanker sollen Staatsfinanzen sanieren

Simbabwe hat mit über 150.000 Prozent die höchste Inflationsrate der Welt. Jetzt kündigt Präsident Mugabes Konkurrent Tsvangirai an, die zerrütteten Staatsfinanzen zu sanieren, sollte er neuer Staatschef werden - mit Hilfe deutscher Experten von der Bundesbank.

Von Karl-Ludwig Günsche, Kapstadt


Kapstadt - Der voraussichtlich siegreiche Präsidentschaftskandidat in Simbabwe, Morgan Tsvangirai, will zur Sanierung der zerrütteten Staatsfinanzen seines Landes deutsche Experten anheuern. Entsprechende Meldungen der simbabwischen Staatszeitung "The Herald" wurden SPIEGEL ONLINE an diesem Dienstag von diplomatischen Kreisen bestätigt.

Protest gegen gefälschte Wahlen in Simbabwe: "Ein überwältigendes Nein vom Volk"
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Protest gegen gefälschte Wahlen in Simbabwe: "Ein überwältigendes Nein vom Volk"

Tsvangirai will nach dem Bericht des "Herald" unmittelbar nach einer Übernahme der Präsidentschaft zwei Mitarbeiter der deutschen Bundesbank als Berater der simbabwischen Staatsbank einsetzen. Sie sollen mit umfangreichen Vollmachten ausgestattet werden, vor allem um die galoppierende Inflation zu stoppen. Simbabwe hat mit über 150.000 Prozent die höchste Inflationsrate der Welt. Die Arbeitslosenquote liegt bei 80 Prozent.

Die Absicht Tsvangirais, deutsche Banker ins Land zu holen, sind dem "Herald" offensichtlich durch abgehörte Telefongespräche der deutschen Botschaft in Harare bekannt geworden.

Die Veröffentlichung in der Regierungszeitung setzt die Versuche fort, den möglichen künftigen Präsidenten Simbabwes als "Marionette" der Weißen zu verunglimpfen. Als "Handlanger" der früheren britischen Kolonialmacht wolle er das Land wieder "den Klauen" der Weißen überlassen, hatte die Zeitung bereits früher in einem Leitartikel gegen ihn gehetzt. Auch der noch amtierende Präsident Robert Mugabe hatte zur Verteidigung Simbabwes gegen die Weißen aufgerufen. Die Farmen weißer Siedler waren in den vergangenen Tagen von Mugabe-treuen Veteranen des Befreiungskrieges wiederholt besetzt, weiße Familien von ihrem Land vertrieben worden.

Auch elf Tage nach der Wahl ist das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Simbabwe allerdings offiziell immer noch nicht bekanntgegeben worden, obwohl die Verfassung dies zwingend vorschreibt. Tsvangirai und seine "Bewegung für einen demokratischen Wandel" (MDC) haben inzwischen den Obersten Gerichtshof in der Hauptstadt Harare angerufen, um die Bekanntgabe des Wahlergebnisses auf diesem Wege zu erzwingen. Die bereits einmal verschobene Entscheidung wird für diesen Dienstag erwartet.

Tsvangirais Gegenspieler Robert Mugabe, der das Land seit 28 Jahren regiert, will trotz zunehmenden internationalen Drucks seine Niederlage nicht anerkennen. Er verlangt eine Neuauszählung der Stimmen und eine Stichwahl um das Präsidentenamt.

Südafrikanische Zeitungen berichten unterdessen, dass Mugabes Rückhalt selbst bei seinen bisher treuesten Verbündeten schwinde: Ein Flügel der Vereinigung der Kriegsveteranen habe öffentlich verlangt, der "Tyrann" solle seine Koffer packen und gehen, schreibt die "Cape Times". "Das Volk von Simbabwe hat Mugabes Tyrannei ein überwältigendes Nein entgegengesetzt", wird dieser Veteranen-Flügel zitiert. Er solle nun "im Dunst der Geschichte" verschwinden. Noch am Wochenende hatten Hunderte ehemaliger Freiheitskämpfer in den Straßen Simbabwes für Mugabe demonstriert.



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