Erste Rede von Simbabwes Präsident Mnangagwa Klappe halten, zurück an die Arbeit

In seiner ersten Rede als Simbabwes Staatschef macht Emmerson Mnangagwa dem Ausland Offerten, weiße Farmer dürfen mit Entschädigungen rechnen. Für sein Volk hat er klare Botschaften.

Präsident Emmerson Mnangagwa, genannt "das Krokodil"
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Präsident Emmerson Mnangagwa, genannt "das Krokodil"

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"Jene, die mit den Dissidenten zusammenarbeiten, deren Zeit auf Erden werden wir verkürzen." So geschliffen konnte Emmerson Mnangagwa formulieren, als er 1983 im noch jungen, unabhängigen Simbabwe Widerstandkämpfern mit dem Tod drohte.

Das Zitat stammt aus einem Buch über die Gukurahundi-Massaker, einer Rekonstruktion des Angriffs auf Oppositionelle, die sich gegen die Mugabe-Partei Zanu stellten. Wer sich gegen ihn und Mugabe stelle, dessen Haus werde verbrannt und die Angehörigen gleich mit. Am Ende waren mehr als 20.000 Menschen tot.

Großer Dank an Mugabe, Angebote ans Ausland

Seit Freitagvormittag ist Mnangagwa selbst der mächtigeste Mann im Land. Der Mann, den sie in Simbabwe "das Krokodil" nennen, hatte Robert Mugabe nach 37 Jahren Herrschaft mit Hilfe des Militärs aus dem Amt geputscht. Nun schwor er den Eid, die Simbabwer und ihr Land zu schützen - und hielt seine erste Rede als neuer simbabwischer Präsident.

Sein Dank galt dabei vor allem dem Diktator, den er selbst entfernen ließ. Mugabe sei für ihn "ein Vater, Mentor, Kampfgefährte und mein Führer". Auch wenn die Emotionen nun hochkochten, müsse man "die Fundamente respektieren, die mein Vorgänger gelegt hat".

Alle, die zwischen dem Putsch vom 15. November und diesem Freitag noch leise Hoffnung auf Wandel gehegt hatten, wurden enttäuscht. Die dröge Antrittsrede hatte zwei Schwerpunkte: Der Aufruf an die Opposition zu Ruhe und Wohlverhalten. Und das Signal an das Ausland, dass er eine Normalisierung der Beziehungen wünscht.

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Ende der Mugabe-Diktatur: Simbabwe feiert den neuen Strongman

Simbabwe ist international isoliert. Die Eskapaden Mugabes, die Vertreibung weißer Farmer im Jahr 2000, politische Gewalt, Ausverkauf der Rohstoffe zum eigenen Nutzen, die Zerstörung der Landeswährung, erratische Entscheidungen - all das hat Investoren über Jahre abgeschreckt. Zugleich ließ die Landreform nach der Vertreibung die Lebensmittelversorgung zusammenbrechen.

Er bat indirekt um einen internationalen Schuldenerlass. Simbabwe werde seine internationalen Verbindlichkeiten bedienen. Aber: "Wir setzen auf die Güte derjenige, denen wir etwas schulden, uns zu helfen." Die Bitte verband Mnangagwa mit der Aufforderung an internationale Investoren, nach Simbabwe zurückzukehren. "Jedes ausländische Investment wird in Simbabwe sicher sein." Außerdem werde seine Regierung die Korruption bekämpfen.

Die Enteignungen seien unumkehrbar, den Opfern versprach er aber einen Ausgleich. "Meine Regierung wird jene Farmer entschädigen, deren Land eingezogen wurde." Rund 4000 weiße Bauern, die meisten Nachfahren britischer Kolonialisten, hatten ihre Höfe verloren, viele flohen wegen rassistischer Gewalt außer Landes.

Nach der Rede wurde es still im Nationalstadion

Nach innen war die Botschaft ebenso unmissverständlich: Es ist nicht die Zeit für Veränderung, die Wirtschaft zu beleben sei Aufgabe der Bevölkerung. Die Menschen sollten "die Ärmel hochkrempeln", und wieder an die Arbeit gehen. Alle zusammen müssten nun Simbabwe wieder aufbauen - das Land, das Mnangagwas Ziehvater unter seiner Mitwirkung ruiniert hatte.

Nach dem Lob für Mugabe als Befreier und Gründer rief Mnangagwa dazu auf, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Simbabwe dürfe "keine Geisel der eigenen Geschichte sein". Und Mugabes ehemaliger Geheimdienstchef und über drei Jahrzehnte sein treuer Weggefährte weiter: "Was vergangen ist, ist vergangen."

Am wichtigsten seien nun "Einheit und Frieden", nicht zufällig das Motto der Partei Zanu-PF, die dem Mugabe-Regime über fast vier Jahrzehnte den Anschein von Demokratie geben sollte.

Und mit Blick auf die Wahlen in weniger als einem Jahr warnte Mnangagwa vor einem polarisierten Wahlkampf. "Auch wenn die Vorbereitungen für den Wettbewerb nun Fahrt aufnehmen, ist das Ziel (der wirtschaftlichen Erholung) viel größer, als der Wettstreit um politische Ämter." Es würden "freie und faire Wahlen" werden.

Vor der Vereidigung Mnangagwas hatten 60.000 Menschen im Nationalstadion von Harare getanzt und gefeiert, wie Livebilder des Staatsfernsehens zeigten. Am Ende seiner Rede war es deutlich ruhiger.

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Seite 1
x-ray 48 24.11.2017
1. Tja
Bin ein alter Afrika Fahrer und genau deswegen, was wir jetzt zu sehen und zu hören bekommen, wird es nie etwas. Wir können noch so viele Gelder Material und sonst was dahin pumpen es wird nichts werden. Deswegen lasst sie einfach machen, vor allem muss man sich von dem Gedanken befreien, nicht an allen Situationen heute ist die Koloniale Vergangenheit Schuld.
herbert 25.11.2017
2. Es ist unfassbar wie das Ausland zugeschaut hat
besonders England wie ueber Jahrzehnte ein durchgeknallter Mugabe das Land zugrunde gerichtet hat, Die neue Regierung sollte mal die Konten vom Mugabe im Ausland betrachten. Mugabe gehoert vor ein Gericht, erst dann ist das Land frei !
dunnhaupt 25.11.2017
3. Na, so ein Zufall!
Dass der neue Diktator soeben erst aus China zurückkehrte, ist natürlich reiner Zufall.
Milli_Teskilati 25.11.2017
4. Ein Diktator löst den Anderen ab
Besserung ist nicht in Sicht. Wo sind die Milliarden Mugabes, die er dem Land abgepresst hat?
markus_wienken 25.11.2017
5.
Zitat von herbertbesonders England wie ueber Jahrzehnte ein durchgeknallter Mugabe das Land zugrunde gerichtet hat, Die neue Regierung sollte mal die Konten vom Mugabe im Ausland betrachten. Mugabe gehoert vor ein Gericht, erst dann ist das Land frei !
Afrikanische Probleme müssen die Afrikaner selbst lösen, das Ausland sollte sich hier mal schön raushalten. Aber aufgrund der Strukturen, Einstellungen und Mentalitäten wird das noch Generationen dauern bis sich da etwas zum Guten ändert. Mugabe vor Gericht? Was soll das ändern (auch wenn er es verdient hat), der eine Diktator geht, der nächste kommt. Das löst nun wirklich keine afrikanischen Probleme.
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