Dürre und Misswirtschaft Jeder Zweite in Simbabwe leidet akut Hunger

Wirtschaftschaos und extreme Trockenheit stürzen Simbabwe in die wohl schwerste Hungerkrise seit zehn Jahren. 4,1 Millionen Menschen müssen laut Uno ab Januar mit Lebensmittelimporten ernährt werden.

Eine Frau inspiziert den Ausfall der Maisernte in Simbabwe im März 2019
Philimon Bulawayo/ REUTERS

Eine Frau inspiziert den Ausfall der Maisernte in Simbabwe im März 2019


Simbabwe droht wegen Dürre und andauernder Misswirtschaft die schlimmste Hungerkrise seit zehn Jahren. Mehr als die Hälfte der 14 Millionen Einwohner wisse nicht immer, wo die nächste Mahlzeit herkomme, sagte der Vertreter des Welternährungsprogramms (WFP), Eddie Rowe, in der Hauptstadt Harare.

Weil zu wenig Lebensmittel im Land seien, reiche es nicht, Hungernden Bargeld zu geben. Zudem explodierten die Preise der Grundnahrungsmittel. Das WFP plane deshalb, ab Januar 4,1 Millionen Menschen vor allem auf dem Land mit Nahrungsmitteln aus dem Ausland zu versorgen.

Bis Juni 2020 seien dafür 293 Millionen Dollar (rund 264 Millionen Euro) nötig - zwei Drittel der Mittel fehlten noch, um die Bewohner Simbabwes vor Hunger zu bewahren.

Polizist in Harare bei der Niederschlagung von Bürgerprotesten gegen die schlechte Wirtschaftslage
AARON UFUMELI/EPA-EFE/REX

Polizist in Harare bei der Niederschlagung von Bürgerprotesten gegen die schlechte Wirtschaftslage

Misswirtschaft und Korruption führten schon unter dem 2017 gestürzten und im September gestorbenen Langzeitherrscher Robert Mugabe immer wieder zu Missernten und Wirtschaftskrisen. Unter seinem Nachfolger Emmerson Mnangagwa ist das nicht besser geworden.

Seit Monaten protestieren Simbabwer gegen steigende Preise und eine mehrere Hundert Prozent betragende Inflation. Hinzu kommt eine extreme Dürre, die auch den wirtschaftlich stabileren Nachbarstaaten zu schaffen macht.

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cht/dpa

insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
vox veritas 03.12.2019
1.
War Simbabwe nicht mal Netto-Exporteur von Lebensmitteln?
Agitatara 03.12.2019
2. Die Kornkammer des südlichen Afrika
Bis zur Landreform im Jahr 2000 exportierte das Land große Überschüsse an landwirtschaftlichen Produkten. Seither ist die Produktion in großen Teilen zusammengebrochen. Zwischen 2000 und 2009 sank der Erlös aus dem Export landwirtschaftlicher Produkte um 12 Milliarden Dollar. Gleichzeitig hat der Grad an Unterernährung drastisch zugenommen. Sicher hat auch die durch den Klimawandel ausgelöste erhöhte Wasserknappheit ihren Teil dazu beigetragen, und sicher war es an der Zeit die aus der Arartheid stammenden Besitzverhältnisse neu zu ordnen. Die tatsächliche Umsetzung der Landreform war aber eine Katastrophe unter der insbesondere große Teile der schwarzen Bevölkerung zu leiden haben, da sie nicht mal die Chance hatten wenigstens dem Land den Rücken zu kehren.
molokai 03.12.2019
3. Mitleiden
Bei dem Blick auf Simbabwe bricht einem das Herz. Die Leute sind so nett, hilfsbereit... und die Regierenden so korrupt. Die weißen Farmer hat man rausgeschmissen und das Farmland an verdiente Militärs weitergegeben. Sie haben die Farmen gar nicht bewirtschaftet. Jede Farm war wie ein mittelständischer Betrieb mit vielen Familien, die davon gelebt haben. und jetzt??? Sambia hat einen Großteil der Exilanten aufgenommen, und exportiert Nahrungsmittel. Leider ist es noch so, daß die hellhäutigen Farmer im Organisieren einer Farm besser sind. Hier müssen die Schwarzen lernen. Man kann keine Nichtschwimmer in tiefes Wasser werfen, die ertrinken. Es tut einem weh, ein so großartiges Land. Man schaue nach Botswana, dort geht es, zusammen zwischen Weiß und Schwarz.
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