Pleitestaat Simbabwe Kein Geld mehr, aber jede Menge Elefanten

Simbabwe ächzt: Der gefürchtete Simbabwe-Dollar ist zurück. 2008 war die Währung implodiert, jetzt soll sie plötzlich die Wirtschaft retten. Ausländische Zahlungsmittel sind verboten, Weizen und Benzin werden knapp.

Elefanten abzugeben: Simbabwe geht das Geld aus
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Elefanten abzugeben: Simbabwe geht das Geld aus

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In Simbabwe gibt es derzeit von vielem zu wenig. Nur eines gibt es laut der Regierung "im Überfluss": Elefanten. Und die will das Land im Süden Afrikas nun zu Geld machen.

Es gebe "keinen vorbestimmten Markt für Elefantenverkäufe", sagte Umweltministerin Prisca Mupfumira unlängst am Rand einer Artenschutzkonferenz laut "Bloomberg News". "Wir sind jedem gegenüber aufgeschlossen, der unsere Wildtiere haben möchte."

Offiziell heißt es, mit dem Verkauf der Dickhäuter sollten Konflikte zwischen den Tieren und Farmern befriedet werden. Allerdings hätte der Elefantenvertrieb einen willkommenen Nebeneffekt: Die Elefanten wären eine Einnahmequelle, denn der Regierung in Harare fehlt es chronisch an harter, ausländischer Währung.

US-Dollar als Zahlungsmittel jetzt verboten

Simbabwe wurde bis 2017 von Diktator Robert Mugabe regiert - und ruiniert. Durch Korruption und Misswirtschaft lag das Land am Boden, also warf der Machthaber die Druckerpressen an und stellte Geld her, wenn Simbabwe welches brauchte. 2008 brach der Simbabwe-Dollar unter einer Hyperinflation zusammen.

Seitdem galt erst nur der US-Dollar, dann auch der chinesische Yuan als legales Zahlungsmittel. 2015 wurde der alte Simbabwe-Dollar, der zuletzt in Werten von bis zu 100 Billionen ausgegeben wurde, offiziell abgeschafft. Es kam: eine Währung nur für den elektronischen Zahlungsverkehr, der Real-Time Gross Settlement Dollar, kurz RTGS-Dollar.

Echt: 100-Billionen-Dollar-Schein (2010)
AP

Echt: 100-Billionen-Dollar-Schein (2010)

Von dem sagte die Regierung des greisen Machthabers, er sei eine Art Schuldschein des Staates, Tauschrate zum US-Dollar angeblich: eins zu eins. Ausgeteilt wurden dafür auch Bond-Notes und Bond-Coins.

Gestimmt hat das nie, der Schwarzmarktwert der Ersatzwährung verfiel - und im Oktober 2017 räumte das auch Mugabes autokratischer Nachfolger Emmerson Mnangagwa ein und erlaubte, dass bei Banken US-Dollar und RTGS-Dollar in unterschiedlichen Systemen verbucht wurden.

Neuer Mann, alte Geldpolitik: Emmerson Mnangagwa
Siphiwe Sibeko/ REUTERS

Neuer Mann, alte Geldpolitik: Emmerson Mnangagwa

Seitdem ist amtlich, wie wenig US-Dollar im Land überhaupt vorrätig sind. Einige Produzenten alltäglicher Lebensmittel konnten Anfang 2019 keine Rohstoffe mehr kaufen und mussten ihre Produktion aussetzen. Im Februar dann wertete die Zentralbank den im Volksmund "Zollar" genannten RTGS-Dollar um 60 Prozent ab.

Eigentlich waren die Simbabwer mit ausländischen Währungen bislang leidlich gut gefahren, doch Ende Juni machte Harare gänzlich Schluss damit: Seither ist es illegal, wenn Händler ihre Waren für ausländisches Geld verkaufen. Am 24. Juni wurde der RTGS-Dollar auch offiziell in Simbabwe-Dollar umbenannt. Dessen Kurs war bis dahin rasant verfallen: Auf dem Schwarzmarkt hatten sich ausländische Währungen gegenüber dem nationalen Zahlungsmittels zwischen Februar und Mitte Juni um mehr als 150 Prozent verteuert.

"Meine Samstage verbringe ich auf der Suche nach Benzin"

"Bislang konnten sich Lebensmittelhändler daran halten, was ihre Güter in US-Dollar wert waren. Das ist vorbei. Jetzt erfinden sie absurd hohe Preise", sagt Tatira Zwinoira, Wirtschaftsjournalist in Harare, dem SPIEGEL. Ohne eine Bindung an den US-Dollar vertraue niemand der Landeswährung. Zu gut erinnern sich alle an den dramatischen Verfall während der Hyperinflation von 2008.

Preise für Grundnahrungsmittel hätten sich in den zwei Wochen seit der Abschaffung ausländischer Währungen verdoppelt, wenn es sie überhaupt zu kaufen gebe, sagt Zwinoira. "Die Regale für Brot oder Bratöl sind immer wieder leer. Meine Samstage verbringe ich auf der Suche nach Benzin."

Ein Ladenbesitzer beäugt das einzig legale Zahlungsmittel skeptisch
AARON UFUMELI/EPA-EFE/REX

Ein Ladenbesitzer beäugt das einzig legale Zahlungsmittel skeptisch

Treibstoff ist staatlich subventioniert, der Preis festgeschrieben. Doch auch im Tankstellengeschäft fehlt es an harter, ausländischer Währung, um im Ausland einzukaufen. Anfang 2019 drosselte die Regierung über eine Preiserhöhung von 150 Prozent die Nachfrage nach Treibstoff. Gewaltsame Proteste, die blutig niedergeschlagen wurden, folgten.

Droht jetzt eine Hungersnot?

Angespannt war die Nahrungsversorgung in Simbabwe bereits wegen ausgebliebener Regenfälle, die Maisernte liegt 40 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Und jetzt schlagen auch noch die dramatische Inflation und das Verbot des US-Dollar zu Buche. Die Teuerung schnellte von 75 Prozent im April auf 100 Prozent im Mai nach oben. Neben Ernteausfällen weist das Hungerfrühwarnsystem mehrerer US-Hilfsorganisationen auf die katastrophale Wirtschaftsentwicklung hin.

War die Hungerwarnstufe im Umland der Hauptstadt bislang nur gelb, also angespannt, wird sie im Oktober trotz geplanter Hilfslieferungen orange, das steht für: Krise. Jeder fünfte Haushalt wird Vieh oder Land verkaufen müssen, um die allernötigsten Nahrungsmittel zu beschaffen. Simbabwe lebt dann von Reserven.

Und die sind - anders als mutmaßlich bei Elefanten oder nationalem Geld, das man nach Belieben drucken kann - überall sehr rar.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, der Wert des neuen Simbabwe-Dollar sei in vier Monaten um 150 Prozent verfallen. Gemeint war: Auf dem Schwarzmarkt verteuerten sich ausländische Währungen zwischen Februar und Mitte Juni um mehr als 150 Prozent.

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brasshead 13.07.2019
1.
Starker Artikel. Die simbabwische Regierung scheint demnach weltweit eine der einzigen zu sein, die ihre Ausgaben in Papiergeld bestreitet. Sehr ungewöhnlich und (natürlich) falsch. Wie kann eine Währung (oder irgendetwas) eigentlich 150% seines Wertes verlieren? Wie soll das aussehen?
Celegorm 13.07.2019
2.
Zitat von brassheadStarker Artikel. Die simbabwische Regierung scheint demnach weltweit eine der einzigen zu sein, die ihre Ausgaben in Papiergeld bestreitet. Sehr ungewöhnlich und (natürlich) falsch. Wie kann eine Währung (oder irgendetwas) eigentlich 150% seines Wertes verlieren? Wie soll das aussehen?
Indem die Inflation 150% beträgt. Sprich: wenn das Brot heute 1 Euro kostet und morgen 2.5 Euro, dann bedeutet das, dass der Euro bzw. dessen Kaufkraft 150% an Wert verloren hat. 150% sind da übrigens noch gar nichts, wenn die Inflation so richtig wuchert liegen auch Tausende Prozent jährliche Inflation drin.
login37 13.07.2019
3.
«Dieses nunmehr einzige offizielle Zahlungsmittel hat jedoch zwischen Februar und Mitte Juni rund 150 Prozent an Wert verloren.» Bei aller Höflichkeit: So ein Satz ist völliger Unfug. Es ist systematisch unmöglich, mehr als 100% des Wertes zu verlieren. Bei 100% Wertverlust wäre der Wert der Währung null. Weniger als null -also wertlos - geht nicht. 150% Wertverlust sind unmöglich. Was der Herr Titz meint: Der Wechselkurs von US-Dollar zu Zim-Dollar ist um 150% gestiegen. Nur muss er das dann auch so schreiben, sonst stellt sich die Frage, was er noch alles an der Situation in Simbabwe nicht verstanden hat. Aktuell hat Simbabwe noch die Sonder-Deviseneinnahmen aus dem jährlichen Verkauf der Tabakernte. Das fällt demnächst auch noch weg. Noch weniger Devisen. In einigen Monaten wird dann die eigene Maisernte aufgebraucht sein und noch mehr Devisen für den Kauf von Mais nötig. Zwischen Dezember und Februar ist das Finale des Staatskollaps zu erwarten. Aus Sicht der Bürger sieht das so aus: Die haben Ihr Gehalt jahrelang in US-Dollar bekommen, dann in Bond-Notes/RTGS, die anfangs offiziell 1:1 an den US-Dollar gebunden waren und auch der Schwarzmarktkurs war anfangs nicht weit davon entfernt. Zwischenzeitlich sind Gehälter (für die wenigen Job-Inhaber) um 20-40% gestiegen. Wer 400 US-Dollar verdient hatte, bekommt nun 480-560 Bond-Notes/RTGS-/Zim-Dollar. Nur steht der offizielle Interbankenkurs am Freitag bei 1:8,7 und der reale (Schwarzmarkt)Kurs bei über 1:10. Tatsächlich ist die Kaufkraft des Gehaltes also auf 48-56 USD geschrumpft. Auch wenn der Finanzminister nun erneut zweistellige Prozentwerte als Gehaltserhöhungen in Aussicht stellt, lindert das gar nichts. Ohne ca. 5-10 Mrd. an Liquidität von außen kann das Land nicht auf die Beine kommen. Mnangagwa hatte fest darauf vertraut, dass die Chinesen ihn retten und seine erste Reise nach der "Wahl" führte nach China. Die Chinesen haben aber bislang auch keine Lust, weil Simbabwe deren Altkredite nicht bedient. Bei IWF, Weltbank usw. ist das Land wegen unbezahlter Altschulden auch nicht kreditwürdig. Die Zanu-PF-Regierung von Mnangagwa hat international keinen politischen Kredit. Deswegen gibt es abgesehen von humanitärer Hilfe kein Entgegenkommen. Lösungsmöglichkeiten: Die Simbabwer jagen die Zanu-PF-Regierung aus dem Amt oder es kommt zumindest wieder zu einer Einheitsregierung mit der MDC. Oder China oder vielleicht die VAE geben ein paar Milliarden - beiden wollen aber zumindest bislang auch nicht. Sonst Statskollaps und ungewisser Fortgang.
bananaaa! 13.07.2019
4. Celegorm
Das ist grober Unfug, genau wie im Artikel. In Ihrem Beispiel hat der Preis um 150% zugenommen. Der Wert nahm dabei aber nur um 60% ab. Niemals die Steigerungsrate einer Grösse mit umgekehrten Vorzeichen auf das Inverse der Grösse anwenden, das sollte jeder Sechstklässler wissen!
Dicke_Berta 13.07.2019
5. Häh?
Zitat von CelegormIndem die Inflation 150% beträgt. Sprich: wenn das Brot heute 1 Euro kostet und morgen 2.5 Euro, dann bedeutet das, dass der Euro bzw. dessen Kaufkraft 150% an Wert verloren hat. 150% sind da übrigens noch gar nichts, wenn die Inflation so richtig wuchert liegen auch Tausende Prozent jährliche Inflation drin.
Etwas kann 150% teurer werden, obwohl 2 1/2 mal so teuer sprachlich richtiger wäre. Ein Zahlungsmittel kann nichts mehr wert sein, also 100% an Wert verlieren,aber einen negativen Wert einnehmen? Auch ein bestimmter Materialwert ist ja noch da. Vielleicht kann man solche Sachverhalte einfach nicht prozentual darstellen
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