Simbabwe-Krise Mugabes Schergen prügeln das Volk zur Wahl

Von Karl-Ludwig Günsche, Kapstadt

2. Teil: Die treuen Vasallen wenden sich ab


Als dann der Diktator verkündete, er sei von Gott gesandt und nur Gott, aber keine Wählerstimme könne ihn wieder aus seinem Präsidentenamt entfernen, dämmerte selbst seinem treuen Verbündeten Thabo Mbeki die Erkenntnis, dass die geplante Stichwahl an diesem Freitag zur Farce werden muss. Sein sambischer Amtskollege Levy Mwanawasa, derzeit SADC-Vorsitzender, hatte zuvor erneut einen gezielten Warnschuss gegen den zögernden Vermittler Mbeki abgefeuert: "Es ist ein Skandal, wenn die SADC ihr Schweigen gegenüber den Vorgängen in Simbabwe nicht bricht." Auch die USA machten erneut Druck auf Mbeki, der als offizieller SADC-Vermittler eine Schlüsselrolle in dem Konflikt in Simbabwe spielt. Er müsse sich darüber im Klaren sein, "dass die Augen der Welt nicht nur auf Simbabwe, sondern auch auf Südafrika gerichtet sind," hatte US-Regierungssprecher Sean McCormack am Wochenende drohend verkündet. "Wir werden das sehr genau beobachten."

Seit der Flucht Tsvangirais und seinem Rückzug als Präsidentschaftskandidat für die Wahl am Freitag ringen Afrikas Politiker nun erneut um eine Lösung der scheinbar ausweglosen Krise. Die drei Außenminister der SADC-Troika haben sich in Luanda getroffen. Aber niemand scheint zu wissen, wie es weiter gehen soll. Tsvangirais Sprecher Nelson Chamisa beteuerte am Dienstag die Entschlossenheit Tsvangirais und der MDC, nicht an der Wahl am Freitag teilzunehmen. "Wir wollen die Präsidentschaft nicht auf einem Berg von Leichen und Totenschädeln aufbauen."

Erstes Plädoyer für einen Militärschlag

Der Chef der simbabwischen Wahlkommission, George Chiveshe, versicherte hingegen: "Das Spiel läuft." Die Vorbereitungen für den Urnengang würden fortgesetzt. Auch Mugabe selbst will an der Wahl festhalten, bei der er mangels Gegenkandidaten schon heute als Sieger feststeht.

Kenias Premierminister Odinga plädiert angesichts der jüngsten Eskalation für die Entsendung einer Friedenstruppe, die zunächst die Sicherheit in Simbabwe wieder herstellen und dann einen fairen und freien Wahlgang ermöglichen solle. Südafrikas Mbeki träumt immer noch von einer Regierung der nationalen Einheit, in der Mugabe neben Tsvangirai sitzen soll.

Der radikalste Vorschlag aber kommt von dem britischen Oberhausmitglied Paddy Ashdown. Er befürchtet, dass es in Simbabwe ohne Eingreifen von außen zu einem Blutbad wie in Ruanda kommen wird, wo 1994 in ethnischen Kämpfen 800.000 Menschen buchstäblich abgeschlachtet worden sind.

Für den Briten gibt es daher nur eine Lösung: "Da hilft wohl nur noch ein Militärschlag."

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.