Simbabwe Misshandelter Oppositionsführer ins Krankenhaus eingeliefert

Zwei Tage lang hatten die Behörden dem von Polizisten misshandelten simbabwischen Oppositionsführer Tsvangirai ärztliche Hilfe verweigert. Er durfte erst behandelt werden, nachdem er schwer gezeichnet vor Gericht erschienen war. Im Land wächst die Wut über die Brutalität des Regimes.


Harare - Zwei Tage nach seiner Festnahme hat der simbabwische Oppositionsführer Morgan Tsvangirai von schweren Misshandlungen berichtet. Er sei in der Haft furchtbar behandelt worden, sagte der einflussreichste Gegner des autokratisch regierenden Staatschefs Robert Mugabe bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit den Protesten vom Sonntag, bei denen es zu einer Verhaftungswelle gekommen war.

Morgan Tsvangirai vor dem Gerichtsgebäude: Ärztliche Behandlung erst nach richterlichem Beschluss
REUTERS

Morgan Tsvangirai vor dem Gerichtsgebäude: Ärztliche Behandlung erst nach richterlichem Beschluss

Tsvangirai wurde zusammen mit mindestens 20 seiner Mitstreiter in einem offenen Polizeilaster zu einem Gericht im Zentrum der Hauptstadt Harare gebracht. Seine Anwälte hatten die Anhörung juristisch durchgesetzt.

Tsvangirai nutzte seine Vorführung dafür, einige Worte mit vor dem Gebäude wartenden Journalisten zu wechseln. "Es war der blanke Sadismus, wehrlose Menschen anzugreifen", sagte Tsvangirai. Seine Partei, die Bewegung für demokratischen Wandel (MDC), sprach von Folter. Der Oppositionsführer hatte eine tiefe Wunde am Kopf. Eines seiner Augen war stark angeschwollen und teilweise geschlossen.

Auch die anderen Gefangenen wirkten angeschlagen. Einer trug ein Hemd, auf dem Blutflecken zu sehen waren. Einige mussten gestützt werden. Alle machten einen mitgenommenen und müden Eindruck.

Nachdem die Polizei Tsvangirai zunächst ärztliche Hilfe verweigert hatte, entließen Richter den Oppositionsführer und weitere regierungskritische Politiker schließlich nach deren Ankunft vor Gericht zu Untersuchungen ins Krankenhaus. "Jeder der medizinische Hilfe braucht, soll sie jetzt bekommen", so die Staatsanwältin. Die Politiker wurden mit Rettungswagen abtransportiert.

Tsvangirai und andere Oppositionelle waren am Wochenende festgenommen worden, als sie sich an einer Protestversammlung gegen Simbabwes Diktator Robert Mugabe beteiligen wollten. Nach Auskunft seiner Partei, seinem Anwalt und Menschenrechtsgruppen war der Oppositionsführer nach der Festnahme misshandelt und gefoltert worden. Die Vize-Chefin von Tsvangirais Bewegung hatte gestern erklärt, der Oppositionsführer schwebe in Lebensgefahr. Ein jugendlicher Demonstrant wurde bei den Zusammenstößen mit der Polizei erschossen.Die Polizei in Simbabwe behauptet, Tsvangirai und andere Funktionäre der Bewegung für demokratischen Wandel hätten zu Gewaltakten angestiftet.

Das Vorgehen der Polizisten in Simbabwe ist weltweit auf Protest gestoßen: US-Außenministerin Condoleezza Rice forderte die sofortige Freilassung des 55-Jährigen Tsvangirai. Die US-Außenministerin warf der Regierung Mugabe Grausamkeit und die Unterdrückung des eigenen Volkes vor. Uno-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour zeigte sich besorgt über die "erschreckenden Berichte von Misshandlungen durch die Polizei" nach der Festnahmewelle. Die Uno-Vertreterin rief die Behörden Simbabwes auf, eine "umgehende, unparteiische und umfassende Untersuchung dieser Vorfälle sicherzustellen".

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einer Verletzung fundamentaler demokratischer Rechte. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft, die USA und die Vereinten Nationen kritisierten die Regierung Simbabwes scharf. Die Bundesregierung forderte Simbabwe im Namen der EU auf, die Festgenommenen freizulassen und ihnen juristische und ärztliche Hilfe zur Seite zu stellen.

In Harare patrouillierte nach Augenzeugenberichten Bereitschaftspolizei in den Straßen. Innenminister Kembo Mohadi rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Ein Sprecher der regierenden ZANU(PF)- Partei von Präsident Robert Mugabe beschuldigte Tsvangirai im südafrikanischen Rundfunk, seine Festnahme bewusst provoziert zu haben. Damit habe er Sympathien im Ausland hervorrufen wollen. Im Nachbarland Südafrika, das die brutale Polizeiaktion offiziell bisher nur "registriert" hat, gab es heute Protestkundgebungen zugunsten der simbabwischen Opposition.

anr/jaf/Reuters/AP/dpa



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