Simbabwe nach Mugabe Der Diktator ist weg, die Diktatur lebt

37 Jahre Herrschaft sind zu Ende, in Simbabwes Hauptstadt Harare jubeln die Menschen über die Absetzung von Diktator Robert Mugabe. Sein Nachfolger Emmerson Mnangagwa dürfte die Geschäfte schnell übernehmen - ohne Wahl.

Ein Mann nimmt in Harare ein Porträt von Präsident Mugabe von der Wand.
AFP

Ein Mann nimmt in Harare ein Porträt von Präsident Mugabe von der Wand.

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Robert Mugabe ist nicht mehr Staatschef von Simbabwe. Es ist eine Nachricht, die lange erwartet wurde. Mugabe, vom Alter gebeugt, wird schon lange von Rivalen umschlichen. Sein Versuch, über die vergangenen Jahre seine Frau Grace zu seiner Nachfolgerin aufzubauen, missfiel immer mehr früheren Anhängern.

Doch als am Dienstagnachmittag der Parlamentspräsident Mugabes Rücktritt verkündete, war es dennoch die internationale Top-Meldung.

Nach einem Militärputsch wurde Mugabe vergangene Woche unter Hausarrest in seiner Villa gestellt, jetzt haben seine Gegner den Schlussstrich unter seine Herrschaft gezogen: Sie begannen zwar noch ein Amtsenthebungsverfahren, dann aber verlas der Parlamentspräsident einen Brief, der von Mugabe stammen soll: Darin soll der Langzeitherrscher seinen freiwilligen Rücktritt bekannt gegeben haben.

Ist Mugabe wirklich weg?

Robert Mugabe, an der Macht von 1980 bis 2017
REUTERS

Robert Mugabe, an der Macht von 1980 bis 2017

Ja. Genauso, wie der Putsch, den die Armee so nicht nennen wollte, ein Staatsstreich war - der Staatssender wurde besetzt, der Staatschef unter Hausarrest gestellt - ist der verlesene Rücktritt nun das definitive Ende der 37 Jahre dauernden Herrschaft Mugabes.

Was bedeutet der Sturz für Simbabwe?

Das Ende der Ära Mugabe ist eine Befreiung. Der Machthaber ordnete seinem persönlichen Gewinnstreben und dem Machterhalt alles unter. Er hat sein Land ausgeraubt und unterjocht, und seit seiner Heirat mit Grace Mugabe 1996 betrachtete er das Land mehr und mehr als Privatbesitz seiner Familie. Politische Gegner ließ er diffamieren, drängte sie ins Exil, ließ sie einsperren oder ermorden. Was nach ihm kommt, kann besser werden. Die Vorzeichen allerdings sind negativ.

Geht die Amtsenthebung weiter?

Das ist nun nicht mehr nötig. Gut eine Stunde nach dem Beginn des Impeachment-Verfahrens beider Parlamentskammern in Harare präsentierte der Parlamentspräsident den Rücktrittsbrief - und erklärte die soeben begonnene Amtsenthebung für beendet. Den Abgeordneten dürfte das gelegen kommen. Der Prozess wäre kompliziert und langwierig geworden.

Wer hat Mugabe gestürzt?

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Nach 37 Jahren an der Macht: Mugabes Rücktritt, Party in Harare

Auch wenn bestellter Straßenprotest - der sich jetzt mit den echten Jubelfeiern über das Ende der Diktatur mischt - einen Volksaufstand vorgaukeln soll: Die Entscheidung über Mugabes Ende fällte eine kleine Gruppe seiner ehemaligen Weggefährten. Allen voran war das Emmerson Mnangagwa, der Ex-Vizepräsident, den Mugabe drei Tag vor dem Putsch entmachtet hatte. Die Revolte führte Armeechef General Constantino Chiwenga.

Beide, Mnangagwa und Chiwenga, haben Ende der Siebzigerjahre mit Mugabe die britischen Kolonialisten bekämpft. Sie gehören zur alten Garde, die Mugabe immer den Rücken frei und oppositionelle Kräfte klein und furchtsam hielt. Nachdem Mugabe zuletzt sogar Mnangagwa kaltstellen wollte, schritt die Armee ein - offiziell, um gegen "Kriminelle" in Mugabes Umfeld vorzugehen.

Wer folgt auf Mugabe?

Emmerson Mnangagwa, 75, steckt hinter dem Putsch und will Mugabe beerben.
AP

Emmerson Mnangagwa, 75, steckt hinter dem Putsch und will Mugabe beerben.

Alle Zeichen deuten auf den Ex-Vize und in Abwesenheit neu gekrönten Zanu-PF-Chef Emmerson Mnangagwa.

Parteisekretär Patrick Chinamasa erklärte, Mnangwaga werde schon am Mittwoch oder Donnerstag als Präsident vereidigt. Mit Wahlen will sich die Zanu-PF offenbar nicht aufhalten.

Nach seiner Entlassung vor gut einer Woche hieß es, er sei aus dem Land geflohen. Lovemore Matuke, Mehrheitsführer der Zanu-PF im Parlament, sagte der Nachrichtenagentur AP am Dienstagabend, Mnangagwa sei "ganz in der Nähe". Es sei wichtig, dass Mugabe die Amtsgeschäfte bald übergebe, damit "Mnangagwa sich eilig an die Arbeit für das Land machen kann".

Hat Mugabe selbst seinen Abschied erklärt?

Möglich, allerdings: Seit ihn die Militärs vor sechs Tagen in seinem Privathaus festsetzten, hat Mugabe die Zeichen nicht sehen wollen und mehrfach Angebote zum Rücktritt abgelehnt, verlautete aus Partei- und Armeekreisen.

Seine Bewacher ließen ihn mehrmals kurz nach draußen, aber immer wurde er von Soldaten eskortiert. Mugabe verteilte am Freitag Uni-Diplome, wie in vielen Jahren zuvor. Am Sonntagabend hielt er eine Fernsehansprache, bei der sein Rücktritt erwartet wurde - nur um anzukündigen, dass er einen Parteikongress in einem Monat leiten wolle. Dabei hatte ihn seine Partei Zanu-PF einige Stunden zuvor bereits vom Thron gestoßen und gegen Mnangagwa ausgetauscht. Am Dienstag hielt Mugabe noch eine Kabinettssitzung ab, zu der nur fünf von fast zwei Dutzend Ministern kamen.

Wenige Stunden später dann hält der Parlamentspräsident ein Blatt in Hand, das Mugabes Rücktrittsbrief sein soll, in dem der Diktator bedingungslos "freiwillig" seine Demission akzeptiert. Zweifel sind angebracht, im Ergebnis macht es für Simbabwe keinen Unterschied. Mugabe ist Geschichte.

Wo ist der gestürzte Diktator jetzt?

Festgehalten wurde Mugabe zu Hause, in seiner "Blue Roof" genannten Villa auf seinem Anwesen im Nordosten Harares. Dort hält sich offenbar auch seine Frau Grace auf. Allerdings wurde auch spekuliert, sie sei bereits ins Ausland geflohen, weil vor allem ihre Ambitionen den Putsch befeuert hatten. Selbst hat sich Mugabe zu einem Rücktritt nicht erklärt, auch über seinen Aufenthaltsort nach dem verkündeten Rücktritt ist nichts bekannt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes war Mnangagwas Alter mit 71 Jahren angegeben, tatsächlich ist er 75 Jahre alt



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