Simbabwe Oppositionsführer Tsvangirai zweimal an einem Tag festgenommen

Die Einschüchterungstaktik der simbabwischen Regierung gegen ihre politischen Gegner wird immer dreister: Oppositionsführer Tsvangirai wurde binnen 24 Stunden zweimal von der Polizei festgesetzt - es ist bereits das vierte Mal in kurzer Zeit, dass er grundlos in die Zelle musste.


Harare - In Simbabwe ist der Präsidentschaftskandidat Morgan Tsvangirai am Donnerstag zum zweiten Mal innerhalb eines Tages festgenommen worden. Polizisten hätten den Oppositionspolitiker auf dem Weg zu einer Wahlveranstaltung abgeführt, erklärte seine Partei Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC). Er sei jedoch nach rund drei Stunden wieder freigekommen.

Oppositionsführer Tsvangirai: "Wir machen weiter"
REUTERS

Oppositionsführer Tsvangirai: "Wir machen weiter"

"Unsere Autos wurden auch durchsucht", sagte Tsvangirais Sprecher George Sibotshiwe, "es war reine Schikane, aber wir werden unsere Kampagne morgen fortsetzen."

Insgesamt wurde Tsvangirai in den vergangenen acht Tagen damit vier Mal festgesetzt. Der MDC-Spitzenkandidat hatte den seit 28 Jahren amtierenden Robert Mugabe im ersten Wahlgang geschlagen, die notwendige absolute Mehrheit für einen Sieg im ersten Durchgang jedoch der Wahlkommission zufolge verfehlt.

Am 27. Juni sollen die Simbabwer in einer Stichwahl über ihren neuen Präsidenten entscheiden. Mugabe geht mit aller Härte gegen die die Opposition vor. Der US-Regierung zufolge zweigt er dabei auch für Schulkinder bestimmte Lebensmittelhilfen zugunsten seiner Parteigänger ab: Simbabwische Sicherheitskräfte hätten in der vergangenen Woche einen Lkw mit 20 Tonnen Nahrungsmitteln beschlagnahmt, die für Schulkinder gedacht waren, sagte ein Außenamtssprecher in Washington. Die Hilfslieferung sei auf einer politischen Kundgebung im Distrikt Mutare an Parteigänger von Mugabe verteilt worden.

Auch der Generalsekretär der MDC, Tendai Biti, wurde am Donnerstag in Gewahrsam genommen. Die Behörden in Simbabwe werfen ihm vor, mit der Veröffentlichung eines Papiers für eine Übergangsstrategie gegen das Strafgesetzbuch verstoßen und Hochverrat begangen zu haben. Außerdem wird er beschuldigt, das Wahlgesetz gebrochen zu haben, als er einen Tag nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl den Sieg Tsvangirais verkündet hatte, noch bevor das amtliche Ergebnis vorlag. Ihm droht die Todesstrafe.

amz/Reuters/AFP



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