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Robert Mugabe: Der Letzte seiner Art

Foto: PHILIMON BULAWAYO/ REUTERS

Wahlen in Simbabwe Afrikas letzter alter Teufel

Robert Mugabe ist 89 und hat Simbabwe in den vergangenen 33 Jahren kaputtregiert. Nun stellt er sich zur Wiederwahl, doch vor allem die Jugend will ihn loswerden. Aber Mugabe könnte sich gewaltsam an der Macht halten - weil er ein Schicksal wie Gaddafi fürchtet.

Wenn die Minibusse die Stadt verlassen, kleben ihre Fahrer ein Plakat mit dem Gesicht Robert Mugabes an die Rückscheibe. Nicht weil sie ihn wählen würden, sondern weil ein Poster des Präsidenten der beste Schutz vor Angriffen ist.

Auf dem Land, wo Kritiker des Präsidenten gefoltert werden, Verkehrsunfälle haben oder nachts verschwinden, wählen die Menschen Robert Mugabe. Wer sich mit seinem Konterfei tarnt, fährt sicher.

Seit 33 Jahren herrscht Präsident Mugabe in Simbabwe. In dieser Zeit hat er kritische Stimmen verstummen lassen und sein Land kaputtregiert. Nun wird gewählt, und vor allem die Jugend will einen Neuanfang und ein Ende des Elends. Doch Mugabe könnte sich gewaltsam an die Macht klammern. Denn er fürchtet sich vor dem Schicksal anderer Despoten.

Robert Mugabe ist eine Figur, wie es sie auf dem Kontinent wohl nicht mehr gibt. Er ist mit 89 der älteste Präsident Afrikas, rücksichtslos, schrill und besessen vom Kampf gegen "die Weißen". Er gilt als Symbolfigur und Beispiel für schlechtes Regieren.

Als er 1980 das Land in die Unabhängigkeit führte, war Mugabe ein geachteter Mann und Simbabwe ein relativ reiches Land. Heute sind mehr als 90 Prozent der Menschen arbeitslos und zwei Drittel von Nahrungsmittelhilfen abhängig. Simbabwe fehlt das Geld, um die Fußball-Nationalmannschaft zu Wettkämpfen zu fliegen und, um die Wahlen zu organisieren.

"Die Menschen sind müde von Mugabe"

In der Fernsehwerbung von Mugabes Herausforderer Morgan Tsvangirai und seiner Partei "Bewegung für Demokratischen Wandel" (MDC) ruft eine Stimme deshalb, es sei Zeit für den Wiederaufbau. Ein junger Straßenhändler, Ende zwanzig, in Simbabwes Hauptstadt Harare sagt: "Die Menschen sind müde von Mugabe." Sie seien enttäuscht und ohne Hoffnung, weil die Lage immer schwieriger werde. Niemand traut sich, offen mit ausländischen Journalisten zu reden, denn in Simbabwe herrscht ein Klima der Angst.

"Faire und freie Wahlen sind eine Illusion", sagt Wilf Mbanga, der aus Simbabwe floh und nun vom Exil in London aus die regimekritische Zeitung "The Zimbabwean " leitet. "Auf dem Land wird jedem vor dem Wahllokal gedroht, bloß nicht das Kreuzchen an der falschen Stelle zu machen."

Nicht überall gebe es physische Gewalt, berichtet Gabriel Shumba vom Forum der Exil-Simbabwer (ZEF) in Südafrika. "In manchen Provinzen wird psychischer Druck aufgebaut, der bis zu Todesdrohungen führt." Manchmal werde erzählt, in den Wahllokalen gäbe es Kameras, um zu überwachen, wer gegen Mugabe stimmt.

Robert Mugabe bestraft Gegner und belohnt Anhänger. Auf dem Land wählen sie ihn, weil er Düngemittel verteilen lässt. Es gibt Gerüchte, Nahrungsmittelhilfen würden zuerst an Familien gehen, die seine Partei ZANU-PF wählen. Gleichzeitig ließ Mugabe Vorkehrungen treffen: Wählerlisten und Wahlkreise wurden angepasst, weil in den Städten und unter Jugendlichen die Opposition gewählt wird.

Mehr als eine Million Verstorbene in den Wahlverzeichnissen

So tauchen nur wenige junge Erwachsene auf den Listen auf, von den 18- und 19-Jährigen sind nicht einmal neun Prozent registriert. "Die 'Unter-Registrierung' der unter 30-Jährigen wird durch die 'Über-Registrierung' von Älteren kaschiert", schreibt die simbabwische Nichtregierungsorganisation Research and Advocacy Unit, die die Wählerlisten analysiert hat . Mehr als eine Million Verstorbene stünden in den Wahlverzeichnissen. Außerdem soll es mehr als 116.000 Wähler geben, die älter sind als hundert. In 63 Wahlkreisen, vor allem auf dem Land, sind mehr Wähler registriert als es Erwachsene gibt, stellte die Organisation fest.

"Mugabe ist clever", sagt der junge Straßenhändler in Harare. "Er wird einen Weg finden, an der Macht zu bleiben." Eigentlich hatte ZANU-PF bereits die Wahlen 2008 knapp verloren. Weil Mugabe aber im Amt bleiben wollte, schossen die Lager in den Straßen von Simbabwe aufeinander. Erst auf Druck der internationalen Gemeinschaft teilte Mugabe die Macht und ernannte Morgan Tsvangirai 2009 zum Ministerpräsidenten.

Seither habe sich die Situation im Land aber kaum verbessert, meint Gabriel Shumba vom Exil-Forum. Die langjährige Oppositionspartei mache vielen Hoffnung, dass sich nach einem Machtwechsel etwas ändere. "Wenn sie frei und fair wären, wären diese Wahlen eine Protestabstimmung gegen schlechte Wirtschaftspolitik, Korruption und Menschenrechtsverletzungen."

Was aber passiert, wenn Mugabe die Wahl verliert, traut niemand zu denken. Manche fürchten, Mugabe könne aus Angst vor einem Machtverlust noch stärker an der Macht festhalten. Auch unter der neuen Verfassung, die im Frühjahr angenommen wurde, sind Armee und Sicherheitskräfte Mugabes starke Partner. Gabriel Shuma sagt: Einen Wahlsieg Tsvangirais würden sie wohl nicht akzeptieren, was die Angst vor einem Bürgerkrieg nähre. Oder einem Militärputsch.

Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Chitungwiza, südlich von Harare, sagte Mugabe, er fürchte sich vor einem Schicksal wie die früheren Machthaber von Libyen und Irak Muammar al-Gaddafi und Saddam Hussein. Gaddafi, ein Freund Mugabes, wurde nach einem Umsturz 2011 von Rebellen erschossen, Hussein gehängt.

Man werde niemandem sagen, was er zu wählen habe, versprach Mugabe beim Abschluss des Wahlkampfs am Sonntag in Harare. "Wir wollen Frieden." Gleichzeitig drohte er aber seinem Herausforderer Tsvangirai, er werde festgenommen, sollte er die Macht vor der Verkündung der Wahlergebnisse beanspruchen. Der Wahlkampfleiter Tsvangirais wurde am Wochenende bereits verhaftet, weil er Beweise für Wahlfälschung angezeigt haben soll.

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