Simbabwe Söldner auf dem Weg in den Kongo?

Simbabwe hält eine Boeing aus ehemaligen Beständen der US-Luftwaffe mit 64 mutmaßlichen Söldnern fest. Das Flugzeug war möglicherweise auf dem Weg in den Kongo. Weitere Söldner sind in Äquatorialguinea festgenommen worden, darunter soll ein Deutscher sein.


 Bolzenschneider und Vorschlaghammer an Bord der beschlagnahmten Boeing 727
AP/ ZBC

Bolzenschneider und Vorschlaghammer an Bord der beschlagnahmten Boeing 727

Harare - Ein Angestellter der Charterfirma, der das Flugzeug gehört, sagte, die Boeing habe den Kongo als Ziel gehabt. Dort sollten die 64 Männer als Sicherheitspersonal in den örtlichen Minen arbeiten. "Sie waren auf dem Weg in den Osten der Demokratischen Republik Kongo", sagte Charles Burrow, leitender Angestellter der Firma Logo Logistics. "In Simbabwe wollten sie einen Zwischenstopp machen, um Ausrüstung zu kaufen." Nach Burrows Aussagen haben die meisten Männer an Bord des Flugzeugs "Militärerfahrung".

Die Boeing 727-100 wurde vorgestern auf dem Flughafen von Simbabwes Hauptstadt beschlagnahmt, nachdem die Crew falsche Angaben über Fracht und Besatzung gemacht hatte. Über das Ziel der Maschine und die Herkunft der 64 Männer an Bord waren heftige Spekulationen entbrannt.

So hieß es etwa, das Flugzeug sei auf dem Weg nach Äquatorialguinea. Der Informationsminister des westafrikanischen Kleinstaats, Agustin Nse Nfumu, bestätigte, dass kürzlich 15 Söldner dort festgenommen worden seien, unter ihnen Südafrikaner und ein Deutscher. Der Minister bezeichnete sie als Vorhut für die Besatzung des in Simbabwe festgehaltenen Flugzeugs. In dem Land zwischen Kamerun und Gabun, das große Ölvorkommen hat, mehren sich Gerüchte um einen bevorstehenden Putsch.

Das Flugzeug kam nach Angaben eines Sprechers der südafrikanischen Luftfahrtbehörde aus Südafrika. Es hat Südafrika mit hoher Wahrscheinlichkeit illegal verlassen, da der Abflughafen Wonderboom in Südafrikas Hauptstadt Pretoria nicht für internationale Flüge zugelassen ist.

Die Herkunft der 64 Männer liegt weiter im Dunkeln. Der simbabwische Innenminister Kembo Mohadi weigert sich, nähere Angaben über die Nationalitäten der 64 festgehaltenen Männer sowie über die Ausrüstung an Bord des Flugzeugs zu machen. Das simbabwische Fernsehen zeigte jedoch den Innenraum der Boeing: In den Aufnahmen sind keine Waffen zu sehen, dafür Uniformen, schusssichere Westen, Funkgeräte, Bolzenschneider, Vorschlaghämmer und Pfefferspray.



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